Freitag, 20. September 2019

Trendmining Auf der Jagd nach der Millionenprognose

Einkauf per Tablet: Ein Prozent Prognoseverbesserung kann Millionen wert sein

3. Teil: Verweise auf die Batterietechnik von morgen

Früher erfolgten Trendanalysen mit eher einfachen Mitteln. Unternehmen sammelten etwa Patentdokumente, die sich zu Aktenbergen stapelten. Big Data- und Cloud-Anwendungen nehmen den Unternehmen die Analysearbeit ab.

Das FIZ Karlsruhe hat sich zum Beispiel darauf spezialisiert, Patente weltweit zu sammeln und die darin enthaltenen Informationen für Analysen aufzubereiten. In einem Forschungsprojekt mit der Universität Hildesheim arbeiten die Informationsspezialisten daran, aus diesen Daten Forschungs- und Entwicklungstrends automatisch abzulesen. "Indem wir Millionen digitalisierter Patente nach bestimmten Mustern durchsuchen, können wir Trends jetzt viel einfacher, schneller und sicherer aufspüren", sagt Schwantner.

Unternehmen können über eine Cloud-Anwendung auf die aufbereiteten Daten zugreifen: Ein Webinterface bietet Zugang zu einem Online-Portal namens "STN International". Unternehmen bekommen über das Portal Zugang zu 150 Datenbanken weltweit mit mehr als einer Milliarde Dokumenten und zu Recherche- und Analyse-Tools.

Mehr als eine Milliarde Dokumente in der Cloud

Zu den Kunden gehören vor allem große Konzerne der Pharma- und Chemiebranche. Konzerne aus der Pharmaindustrie zum Beispiel schauen sich die Patentanmeldungen chemischer Strukturen oder Gensequenzen an und prüfen, welche Firmen an den gleichen Themen arbeiten wie sie selbst - und ob es sich wirtschaftlich lohnt, in ähnliche Forschung zu investieren.

Aber auch für junge Unternehmen und Start-ups können Recherchen in dem internationalen Datenpool wertvoll sein: "So kann ein Unternehmensgründer zum Beispiel rechtzeitig feststellen, ob jemand anderswo bereits die selbe Geschäftsidee verfolgt oder ein Mittelständler erkennt, ob ein Großkonzern mit Patenten bereits die Markteinführung eines Produktes blockiert", sagt Schwantner.

In Zukunft soll eine neu entwickelte Software zudem auffällige Muster bei Patentanmeldungen automatisch erkennen, Prioritäten setzen, Erfolgschancen und Geschäftspotenziale berechnen - und Alarm geben, wenn sich in einem Forschungsfeld etwas tut. In den vergangenen zwei Jahren etwa ist die Zahl der Schutzrechtsbegehren für sogenannte "Redox Flow"-Batterien stark angestiegen. Dabei handelt es sich um eine Technologie zur Speicherung von Strom. Die Forschung in diesem Bereich wurde von vielen Unternehmen also offenbar vehement vorangetrieben. Für Forschungsabteilungen könne das ein entscheidendes Signal sein.

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