Dienstag, 20. August 2019

Trendmining Auf der Jagd nach der Millionenprognose

Einkauf per Tablet: Ein Prozent Prognoseverbesserung kann Millionen wert sein

2. Teil: Amazon macht es vor, Zalando, Otto und Co. ziehen nach

Bisher sind es vor allem Unternehmen aus dem Handel, die Trendforschung mittels Big Data für sich nutzen. Denn diese Unternehmen interessieren sich vor allem für Konsumtrends - für deren Ermittlung zahlreiche digitale Informationen von Privatverbrauchern vorliegen. Supermarktketten, Online-Händler oder Kaufhäuser können anhand gesammelter Kundendaten längst voraussagen, welche Produkte Kunden an welchen Orten kaufen werden.

Vorreiter sind US-Händler wie Amazon Börsen-Chart zeigen. Sie finden inzwischen auch hierzulande immer mehr Nachahmer: Online-Händler wie Zalando und Otto wollen ihre Kunden bald ebenso gut kennen wie Amazon und ihr Angebot und Retouren-Management entsprechend optimieren.

Lebensmittelproduzenten schätzen mit Big Data-Analysen ab, wie viele Meter Platz sie in Supermarktregalen für bestimmte Produkte reservieren sollten. Einzelhändler wie die Drogeriemarkt-Kette dm plant anhand von Big-Data-Auswertungen des Kundenverhaltens, der Umsatzentwicklung und Wetterdaten, wann wie viele Kunden in welche Filialen kommen werden - und steuert damit seine Personalplanung. "Aus vergangenen Verhaltensmustern lassen sich konkrete Prognosen über zukünftiges Konsumverhalten ableiten", sagt der Leipziger Trendforscher Jánszky.

Patente sind Schlüsseldokumente für Zukunftsforscher

Industrieunternehmen, die keinen direkten Kontakt zu Endverbrauchern haben, müssen sich andere Datenquellen suchen, um Trends an ihren Märkten rechtzeitig zu erkennen und für ihre Produktentwicklung und Forschung zu nutzen. Die Ergebnisse technischer und naturwissenschaftlicher Forschung werden zum Beispiel häufig nur in Form von Patenten publiziert. Experten schätzen, dass 70 bis 90 Prozent des gesamten weltweit veröffentlichten technischen Wissens ausschließlich in Patentpublikationen dokumentiert ist: Das macht Patentschriften zu einer wertvollen Informationsressource.

Häufen sich etwa in einem bestimmten Bereich plötzlich Patentanmeldungen, kann das ein Hinweis darauf sein, dass viele Unternehmen eine Technologie oder Innovation für marktreif halten - das kann einen neuen Trend auf dem jeweiligen Markt auslösen.

"Alle großen Unternehmen in forschungsintensiven Branchen wie der Pharma- oder der Chemieindustrie betreiben eigene Patentrecherche-Abteilungen", erklärt Michael Schwantner, Abteilungsleiter Information Mining & Retrieval beim Leibniz-Institute für Informationsinfrastruktur (FIZ Karlsruhe). Steht ein großer Konzern wie BASF oder Boehringer-Ingelheim etwa vor der Frage, ob er in die Forschung und Entwicklung zu einem neuen Produkt investiert, werden üblicherweise zunächst die Patentspezialisten des Unternehmens aktiv. "Das ist eine Elite von Informationsspezialisten, die sich in der jeweiligen Branche und den relevanten Patentdatenbanken extrem gut auskennen", sagt Schwantner.

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