Neue, besonders günstige Online-Broker So können Anleger dank Technik Kosten sparen

Aktienhändler in New York: Über Plattformen wie Trade Republic, Just Trade oder Gratisbroker können Anleger günstiger investieren.

Aktienhändler in New York: Über Plattformen wie Trade Republic, Just Trade oder Gratisbroker können Anleger günstiger investieren.

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Dank Digitalisierung und moderner Technik kommt Bewegung in den Vertrieb von Aktien, Indexfonds und anderen Wertpapieren: Einige neue Broker treten gegenwärtig mit Angeboten am Anlagemarkt an, die für Investoren deutlich kostengünstiger sind, als bisherige Offerten etablierter Player wie Comdirect, ING und Co. Wer sich bei den Neulingen einklinkt, erhält ein mehr oder weniger breites Spektrum an Investmentmöglichkeiten, muss allerdings ob der schlanken Aufstellung auf besondere Leistungen etwa beim Service oft verzichten.

Als erstes Unternehmen der neuen Generation ging Trade Republic an den Start. Die Maxime des Start-ups aus Berlin, das 2015 gegründet wurde und inzwischen eigenen Angaben zufolge bereits rund 60 Leute beschäftigt: "Wertpapierhandel gehört auf das Handy und Provisionen zur Vergangenheit."

Trade Republic habe Brokerage auf Grundlage der heutigen technischen Möglichkeiten völlig neu gedacht, sagt Mitgründer Christian Hecker. Das Ergebnis sei die Smartphone-App - Trade Republic ist ausschließlich mobil nutzbar -, die den Wertpapierhandel für Kunden stark automatisiere und komfortabel sowie zugleich kostengünstig mache.

Das heißt: Pro Transaktion berechnet Trade Republic lediglich eine sogenannte Fremdkostenpauschale von einem Euro. Darüber hinaus: Keine Gebühren, keine Provisionen, nichts weiter. Nur bei einigen Sonderleistungen wie der Eintragung von Namensaktien fallen zusätzliche Kosten an.

Die Produktpalette, auf die Kunden zu diesen Konditionen zugreifen können, ist zwar eingeschränkt. Für den Großteil der durchschnittlichen Anleger sollte sie aber ausreichen: Mehr als 7300 Aktien lassen sich auf Trade Republic eigenen Angaben zufolge handeln, dazu 500 Indexfonds sowie etwa 40.000 Derivate. Zudem bietet Trade Republic seit Kurzem Sparpläne auf 280 Exchange Traded Funds (ETFs) des Weltmarktführers Blackrock an.

Besonders betont Mitgründer Hecker die eigene Banklizenz, über die sein Unternehmen seit diesem Jahr verfügt. Trade Republic werde damit von der Finanzaufsicht Bafin beaufsichtigt. "Im Gegensatz zu anderen Anbietern sind wir eine eigene Bank und kein vertraglich gebundener Vermittler", so Hecker.

Damit spielt Hecker direkt auf die Konkurrenz an. Das ist zum einen der Online-Broker Just Trade, hinter dem mit dem Frankfurter Start-up JT Technologies sowie der Sutor Bank gleich zwei Unternehmen stehen, eins für die technische Umsetzung und eins für das Finanzgeschäft, sprich die Führung von Konten und Depots.

Wie die Discount-Broker Geld verdienen

Auch Just Trade verfügt mit 6500 handelbaren Aktien, mehr als 1500 Indexfonds und vergleichbaren Produkten sowie etwa 500.000 Zertifikaten, Optionsscheinen sowie Hebelprodukten über ein zwar eingeschränktes, aber doch für viele wohl ausreichendes Produktportfolio. Und kleiner Vorteil gegenüber den Berlinern: Just Trade verzichtet auch auf eine Fremdkostenpauschale, bietet Brokerage aus Sicht des Kunden also vollkommen kostenlos an.

Der entscheidende Faktor, der ein solches Angebot möglich macht, ist auch in diesem Fall die Entwicklung der Technik in den vergangenen Jahren, sagt JT Technologies-Geschäftsführer Michael B. Bußhaus. Finanzdienstleistungen könnten heute mit extrem geringem Aufwand und viel Automatisierung angeboten werden, so seine Erläuterung. Cloud-Dienste und anderes seien zudem zuletzt immer günstiger geworden. Die dadurch möglichen Ersparnisse kommen über Broker wie Just Trade nun auch beim Geldanleger an, sagt Bußhaus.

Komplett ohne eigene Kosten können Unternehmen wie Just Trade ihre Geschäfte allerdings selbstverständlich nicht betreiben. Zudem wollen auch diese Firmen irgendwann einmal Gewinne erzielen, und dazu sind eigene Umsätze unerlässlich. Des Rätsels Lösung: Discount-Broker schließen in der Regel Vereinbarungen mit Handelspartnern sowie Anbietern von Indexfonds und anderen Finanzprodukten, über die Gelder aus den Transaktionen der Kunden an sie zurückfließen.

Trade Republic beispielsweise führt die Transaktionen seiner Kunden auf der Plattform LS Exchange (Lang & Schwarz) in Hamburg aus. Bei Just Trade heißen die Börsenplätze ebenfalls LS Exchange sowie zudem noch Quotrix in Düsseldorf.

Und auch ein dritter Anbieter der neuen, besonders günstigen Garde, der in diesen Tagen an den Start geht, passt in dieses Schema: Die Firma Gratisbroker bietet Brokerage ähnlich wie Just Trade kostenlos an. Dabei arbeitet das Unternehmen mit der Baader Bank, bei der Depots und Konten der Kunden geführt werden, sowie mit der Deutsche-Bank-Tochter DWS zusammen.

Mehr als 3600 Aktien können Anleger nach Angaben des Unternehmens bei dem Broker handeln, sowie rund 180 ETFs und mehr als 2100 Fonds. Demnächst soll das Spektrum noch um Optionsscheine und Zertifikate erweitert werden, sagt Gründer und CEO Malte Rubruck. Handelsplatz für die Transaktionen der Gratisbroker-Kunden ist die Münchener Börsenplattform Gettex.

Anleger, die mit dem Gedanken spielen, ihre Geschäfte künftig über einen der neuen Discounter abzuwickeln, sollten sich die Angebote gut anschauen. Letztlich gilt es abzuwägen, wie entscheidend der Preis bei der Wahl des passenden Brokers tatsächlich ist. Schließlich gibt es eine Vielzahl weiterer Faktoren wie beispielsweise ein unkompliziertes, störungsfreies Handling sowie möglicherweise ein Kundendienst, die in die Entscheidung einbezogen werden sollten.

"Wettbewerb belebt das Geschäft und die günstigen Konditionen resultieren teilweise aus dem technischen Fortschritt", gibt sich Björn Andersen, Bereichsleiter Brokerage bei der Commerzbank-Tochter Comdirect entsprechend gelassen. Auch er verweist darauf, dass sich Anleger nicht nur über den Preis Gedanken machen sollten, sondern beispielsweise auch über den Umfang des jeweiligen Wertpapierangebots sowie über die Erreichbarkeit eines Brokers. Das Angebot der "No-Fee-Broker" richte sich nicht an den breiten Markt, sondern nur an eine bestimmte Zielgruppe, lautet das Fazit des Comdirect-Managers.

Gemeint ist wohl die Zielgruppe eher erfahrener Anleger ohne große Ansprüche an viel Service und drumherum, die schnell, effizient und mit geringen Kosten ihre Trades ausführen wollen. Für solche Investoren gibt es dank Digitalisierung mit den neuen Angeboten womöglich eine gute Alternative.

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