Dienstag, 22. Oktober 2019

Facebook mischt Dating-Markt auf So läuft das Tinder-Geschäft

6. Teil: Die feministische Offensive mit russischer Hilfe

Tinder- und Bumble-Gründerin Whitney Wolfe

Als einziger Tinder-Rivale kann sich wohl Badoo mehr als nur regional oder in Nischenmärkten behaupten. Die Plattform wurde bereits 2006 von Andrej Andrejew in Russland gegründet und ist heute mit fast 390 Millionen registrierten Nutzern die Nummer eins in mehreren Ländern Lateinamerikas, Süd- und Osteuropas sowie Afrikas.

Badoo setzte schon früh auf Einnahmen aus Kleinbeträgen für Zusatzdienste im generellen Gratisangebot. "Kleinen Umsatz von zehn Millionen Nutzern im Monat zu kassieren ist besser als ein großer Vertrag mit Coca-Cola", sagte der zumeist öffentlichkeitsscheue Andrejew einmal in einem Interview. Angeblich erreichte Badoo auf diese Weise schon 2012 rund 150 Millionen Dollar Umsatz und schon zwei Jahre zuvor die Gewinnschwelle.

Damals bereits kursierten Milliardenbewertungen und Gerüchte über einen Börsengang. Doch Andrejew und seine Manager verkauften nie, außer frühe Minderheitsanteile an den russischen Finam Technology Fund. Offizielle Geschäftszahlen sind daher nicht zu haben.

Badoo beteiligte sich auch mit Kapitalmehrheit an der von Tinder-Mitgründerin Whitney Wolfe 2014 gestarteten App Bumble, die sich mit rund 27 Millionen Downloads auch schon in einigen US-Staaten vor Tinder geschoben hat. Wolfe sorgte mit einer Belästigungsklage gegen Ex-Kollegen aus der Tinder-Führung für Aufsehen. Bumble wird als frauenfreundliche Alternative vermarktet und bietet auch die Funktion an, nur eine platonische Freundschaft zu suchen.

Laut Presseberichten lehnten Andrejew und Wolfe im vergangenen Jahr ein milliardenschweres Kaufangebot von der Tinder-Mutter Match Group ab. Die beiden Unternehmen streiten sich auch mit ähnlich teuren Klagen vor Gericht. "Wir werden euch nie gehören", verkündete Bumble im März per ganzseitiger Anzeige in der "New York Times".

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