Mittwoch, 17. Juli 2019

Schipporeit verlässt Wagniskapitalgeber Index Ventures Movinga-Debakel wird zur multiplen Karriere-Bremse

Da war viel Luft drin: Movinga-Gründer Bastian Knutzen (r) und Chris Maslowski (l).

Wagniskapitalgesellschaften (VCs) müssen viel riskieren, das erschließt sich wortwörtlich. Zumindest einige ihrer Wetten aber sollten sich früher oder später als Durchstarter entpuppen. Das gilt erst recht für Index Ventures, Europas größten und stolzesten VC, der seit der Gründung 1996 über 5,6 Milliarden US-Dollar einsammeln konnte und bekannte Namen wie Ex-Twitter-CEO Dick Costolo zu seinen Partnern zählt.

Timm Schipporeit, der erst im März 2015 von Morgan Stanley als Principal zu Index gewechselt war, konnte die hohen Erwartungen wohl nicht erfüllen. Sein wichtigster Deal, das Umzug-Start-up Movinga, erwies sich rasch als Luftnummer, auch andere Investments wie Pets Deli, ein Onlineshop für Hundefutter, rissen es nicht heraus. Schipporeit, Sohn des ehemaligen Eon-Finanzvorstands und heutigen Multi-Aufsichtsrats Erhard Schipporeit, geht nach Informationen von manager-magazin.de zum Ende des Jahres. Auf der Index-Website war sein Konterfei bereits Anfang Dezember nicht mehr zu sehen. Schipporeit und Index Ventures wollten sich auf Anfrage nicht zu den Umständen ihrer Trennung äußern.

Schipporeit führte Anfang Januar mit Index eine 25-Millionen-Euro-schwere Finanzierungsrunde für Movinga an, bei der sich auch der Rocket-Internet-Fonds Global Founders Capital (GFC) und der deutsche VC Earlybird beteiligten. Gut 12 Millionen Euro flossen dabei von Index-Konten in die Hände zweier blutjunger Gründer, die das Geld in Rekordzeit verbrannten und das Unternehmen nur fünf Monate später verlassen mussten. Sie hatten ihre Investoren wohl lange über den wahren Zustand ihres Start-ups im Unklaren gelassen, das im Sommer nur knapp dem Ruin entkam. Index und Rocket Internet standen wie Amateure da, die sich von zwei Greenhorns ohne Bachelorabschluss narren ließen.

Die Finanzierungsrunde soll damals auf einer Bewertung von 65 Millionen Euro basiert haben - was angesichts der wohl äußerst schmalen Umsätze das Verkaufsgeschick der Gründer beweist. Mittlerweile hat das neue Führungsteam um CEO Finn Hänsel Movinga auf Substanz getrimmt und die Burnrate zumindest reduziert. Anfang Dezember schloss das Start-up eine neue Finanzierungsrunde über 11 Millionen Euro ab, an der sich Index nicht beteiligte.

Auch Homebell, eine Handwerkervermittlungsplattform und Schipporeits zweitwichtigster Deal bei Index, hat sich bislang nicht als Gewinner erwiesen. Auffällig sind die Parallelen zu Movinga: Der Homebell-Gründer und Kompagnon des Investors Carsten Maschmeyer, Felix Swoboda, war einer der ersten Geldgeber bei Movinga und gilt als mitverantwortlich für das dortige Chaos. Index hatte hier ebenfalls gemeinsam mit Rockets GFC investiert, im April sollen die Briten knapp eine Million Euro an Homebell überwiesen haben. Die Verhandlungen für die nächste Finanzierungsrunde laufen bereits. Swoboda selbst bestreitet, bei Movinga maßgeblichen Einfluss gehabt zu haben.

Zuletzt fiel Homebell - genau wie zuvor Movinga - durch Entlassungen auf. Eine ähnliche Erfahrung macht jetzt Schipporeit. Es heißt, er habe bereits einen neuen Job gefunden.

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