Übernahme-Plan stößt auf Widerstand AT&T muss um Mega-Merger mit Time Warner kämpfen

Mit 108 Milliarden Dollar wäre es die größte Übernahme in diesem Jahr. Doch AT&T wird um Time Warner kämpfen müssen. US-Regulierer zeigten sich zuletzt gnadenlos. Zugleich signalisieren US-Senatoren an wichtigen Schaltstellen schon jetzt Ablehnung. Auch Wettbewerber warnen vor dem Mega-Merger.
Altehrwürdiger Telekom-Konzern: AT&T geht in die Offensive gegen Amazon, Netflix & Co. Der Telekom-Riese will den Mediengiganten Time Warner für insgesamt rund 108 Milliarden Dollar übernehmen

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Der amerikanische Telekom-Konzern AT&T muss bei seiner geplanten Übernahme des Medienriesen Time Warner mit erheblichem Widerstand aus Politik und Justiz rechnen. Der US-Senat kündigte am Sonntag an, das rund 108 Milliarden Dollar (inklusive Schulden) schwere Vorhaben genau zu prüfen. Die Transaktion könnte erhebliche Wettbewerbsbedenken hervorrufen, sagte der Vorsitzende des zuständigen Ausschusses. Für November ist eine Anhörung angesetzt.

Ein Sprecher des US-Justizministeriums wollte sich zu den Übernahmeplänen nicht äußern. Dafür aber hatten Mitglieder des wichtigen Senatsgerichtsausschusses am Wochenende erheblichen Redebedarf. Senator Richard Blumenthal etwa kündigte laut AP an: "Ich werde genau darauf eingehen, was diese Fusion für die Verbraucher bedeutet und ob sie den strengen Überprüfungsstandards entspricht, die in den letzten Jahren von der Kartellbehörde des Ministeriums für Justiz festgelegt wurden."

"Höhere Kosten, weniger Möglichkeiten, schlechterer Service"

Senator Al Franken, der ebenfalls dem Ausschuss angehört, sprach von "sofortigen Warnzeichen", die das Abkommen ausgesandt habe. "Ich bin skeptisch gegenüber riesigen Medienfusionen, weil sie zu höheren Kosten, weniger Möglichkeiten und noch schlechteren Service für die Verbraucher führen können."

Franken erinnerte daran, dass einige große Fusionsvorhaben in der Vergangenheit am Einspruch der Kartellbehörden gescheitert seien. So hatte zum Beispiel Comcast vergeblich versucht, Time Warner Cable zu kaufen. "Ein Geschäft, dem ich absolut ablehnend gegenüberstand", so der Senator. Vor ein paar Monaten platzte zudem die geplante Fusion der Ölausrüster Halliburton und Baker Hughes. AT&T selbst ist in kartellrechtlichen Fragen leidgeprüft: So gab der Möchtegern-Medienkonzern vor ein paar Jahren die Übernahme der Telekom-Tochter T-Mobil US eben wegen Einsprüchen der US-Kartellwächter auf.

Wettbewerber selbst warnten vor einer möglichen Benachteiligung ihrer Inhalte. Eine Transaktion dieser Größenordnung verlange selbstverständlich eine scharfe regulatorische Kontrolle, betonte Zenia Mucha, Kommunikationschef des Medienkonzerns Disney. "Wir erwarten, dass die Regulierungsbhörden den Deal genau untersuchen", kommentierte auch der Inhalte-Chef des Videostreaming-Dienstes Netflix, Ted Sarandos, am Samstag den geplanten Deal während eines Vortrags an der University of Southern California.

Clinton will prüfen, Trump will verbieten

Die Befugnis einen Zusammenschluss zu unterbinden liegt bei dem Ministerium und nicht bei dem (künftigen) Präsidenten oder Präsidentin. Gleichwohl signalisierte auch die demokratische US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton Bedenken: Die Übernahme werfe eine Reihe von Fragen auf, die es zunächst zu klären gelte, sagte ihr Sprecher. Clintons Kandidat für das Vize-Amt, Tim Kaine, sagte: "Weniger Konzentration ist generell von Nutzen, insbesondere bei den Medien."

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Clinton-Rivale Donald Trump hatte bereits am Samstag angekündigt, er würde im Falle seiner Wahl den Deal nicht gestatten lassen. Einer seiner Berater bekräftigte, Trump wolle die Oligopole der Medien aufbrechen. AT&T missbrauche sein Monopol und bei einer Übernahme von Time Warner liege zu viel Macht in den Händen von zu wenigen.

Der Telekomriese AT&T hatte am Samstagabend angekündigt, den Konzern Time Warner, zu dem die Sender HBO und CNN sowie das Filmstudio Warner Bros gehören, kaufen zu wollen. Die Wettbewerbsbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen.

AT&T will Time Warner kaufen und neuen Medien-Giganten bilden

mit ap und Reuters