Samstag, 14. Dezember 2019

Offenbar neuer Schachzug im Werben um Aufzugsparte Kone lockt Thyssen mit Milliarden-Vorabzahlung

246 Meter hoher Thyssenkrupp-Testturm für Fahrstühle in Rottweil (Baden-Württemberg)
picture alliance/dpa
246 Meter hoher Thyssenkrupp-Testturm für Fahrstühle in Rottweil (Baden-Württemberg)

Im Bieterrennen um die Aufzugssparte von Thyssenkrupp will der finnische Konkurrent Kone den Ruhrkonzern Insidern zufolge mit einer milliardenschweren Vorabzahlung überzeugen. Kone wolle damit im Vergleich zu den ebenfalls an einem Kauf interessierten Finanzinvestoren punkten, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Denn diese hätten bei einer Übernahme der lukrativen Aufzugsparte im Gegensatz zu Kone keine langwierige Prüfung der Kartellbehörden zu befürchten.

Sollte Kone den Zuschlag bekommen, würde die Vorabzahlung im Fall einer Freigabe durch die Wettbewerbsbehörden mit dem Kaufpreis verrechnet. Scheitert der Deal, könne Thyssenkrupp die Ausfallprämie (Break-up-Fee) behalten. Beide Unternehmen lehnten eine Stellungnahme ab.

Die im MDax Börsen-Chart zeigen notierten Aktien von Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen kletterten gegen Mittag um knapp 3 Prozent.

Vorauszahlung soll sich auf drei Milliarden Euro belaufen

Die Vorabzahlung könne sich auf drei Milliarden Euro belaufen, sagte einer der Insider. Eine solche Summe vorab zu zahlen, wäre ungewöhnlich. Break-Up-Fees können vereinbart werden für den Fall, dass etwa bei exklusiven Verhandlungen eine Partei ausschert und sich an einen Dritten bindet.

Im Fall von Kone und Thyssen hätte eine Vorabzahlung vor allem zwei Vorteile: Der klamme Thyssenkrupp-Konzern könnte rasch seine Kassenlage verbessern. Kone könnte die Skeptiker bei Thyssen besänftigen, die eine langwierige Prüfung der Kartellbehörden von über einem Jahr befürchten. Am Ende könnte Thyssenkrupp wie im Fall der geplatzten Stahlfusion mit Tata Steel mit leeren Händen dastehen.

Kone ist nach Otis und Schindler die weltweite Nummer Drei der Aufzugsbranche, gefolgt von Thyssenkrupp Elevator. Laut Reuters ist Kone der einzige direkte Konkurrent von Thyssenkrupp Elevator, der noch im Rennen ist. Die Finnen, die seit Jahren auf eine solche Chance warten, haben sich Insidern zufolge mit den Investor CVC zusammengetan.

Experten zufolge dürften die Kartellbehörden im Fall eines Zuschlags für Kone vor allem das auf beiden Seiten starke Europa-Geschäft ins Visier nehmen. Ebenfalls im noch im Bieter-Rennen sind gemeinsam die Investoren Blackstone, Carlyle und Canada Pension Plan Investment Board sowie ein Konsortium aus Advent, Cinven und der Abu Dhabi Investment Authority. Mit einer Entscheidung wird im Januar gerechnet.

Experten schätzen den Wert von Thyssenkrupp Elevator auf zwölf bis 17 Milliarden Euro. Am Donnerstag legt der Mutterkonzern seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2018/19 (per Ende September) vor.

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