Sonntag, 26. Mai 2019

Tech-Riese Naspers plant Börsennotierung an Euronext Dieser afrikanische Konzern ist mehr wert als BMW, Lufthansa und Deutsche Bank zusammen

Koos Bekker: Mit seinem Tencent-Investment hat der frühere Naspers-CEO und heutige Chairman die Basis der heutigen Milliardenbewertung gelegt

2. Teil: Wenn die Marktkapitalisierung zum Problem wird

Und davon gibt es mittlerweile ziemlich viele. Unter anderem sind die Südafrikaner mit einem Anteil von mehr als 20 Prozent einer der größten Anteilseigner des Essen-Bringdienstes Delivery Hero. Sie sind über ihre Paytochter PayU bei dem umstrittenen Hamburger Kreditvermittler Kreditech investiert - und halten Beteiligungen an mehr als 40 Start-ups, die in mehr als 130 Ländern der Welt aktiv sind. Darunter das E-Learning-Start-up Udemy, Beteiligungen an der russischen Social-Media-Gruppe Mail.ru (VKontakte) und dem indischen Onlinehändler Flipkart.

Und - sieht man von nicht ganz so viel Freude bringenden deutschen Investments ab - läuft das Geschäft zumindest umsatztechnisch ganz gut. Alleine von 2017 auf 2018 konnte Naspers seinen Umsatz um fast 40 Prozent auf mehr als 20 Milliarden Dollar steigern. Für das Gesamtjahr 2018 liegen bislang noch keine Zahlen vor.

Doch mittlerweile stoßen die Südafrikaner an Grenzen. Ihre Größe ist zum Problem geworden. Weil für viele institutionelle Investoren Beschränkungen gälten, wie viel sie in eine einzelne Aktie investieren dürfen, hätten sich viele von Naspers Papieren trennen müssen, argumentiert das Unternehmen. Die Folge: Die Marktkapitalisierung Naspers liegt aktuell niedriger als der Wert der Beteiligung an Tencent. Was für andere - durchaus profitable Geschäftsbereiche - de facto eine Negativbewertung darstellt.

Diese Diskrepanz will CEO Bob van Dijk nun auflösen - und plant deshalb eine Zweitlistung an der Euronext. An der Börse mit Hauptsitz in Amsterdam sollen die Internetaktivitäten von Naspers - die Tencent-Beteiligung eingeschlossen - in einer Hülle namens NewCo gehandelt werden. 75 Prozent davon will Naspers selbst behalten. Die übrigen 25 Prozent sollen unter bestehenden Aktionären aufgeteilt werden, wie es heißt.

Der Buchwert der neuen Einheit soll den Angaben zufolge bei 140 Milliarden Dollar liegen, womit der Wert des 25-prozentigen Free-Floats bei 35 Milliarden Dollar liegen würde. Eine Größenordnung, die deutlich über derjenigen der meisten europäischen Tech-Firmen liegt. Allein diese Bewertung dürfte dafür sorgen, dass NewCo recht schnell in diverse Indizes aufgenommen wird - und die Aktie damit quasi zum Pflichtinvestment für manchen Index abbildenden Fonds.

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