Deutschland Telekom greift mit neuen Preisen und Tarifen an

Einfachere Tarife, niedrigere Preise und möglichst alles aus einer Hand - so will die Telekom auf dem hart umkämpften deutschen Markt punkten und mehr Kunden gewinnen.
Deutsche Telekom: In den vergangenen Jahren hatten Kundenschwund und Preisdruck den Marktführer stark unter Druck gesetzt und an der Marge gekratzt

Deutsche Telekom: In den vergangenen Jahren hatten Kundenschwund und Preisdruck den Marktführer stark unter Druck gesetzt und an der Marge gekratzt

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Bonn - Die Deutsche Telekom reagiert mit Preissenkungen und neuen Angeboten auf den schärferen Wettbewerb in Deutschland. "Unser Ziel ist es, den Umsatz bis 2018 zumindest zu stabilisieren", sagte Telekom-Deutschland-Chef Niek Jan van Damme am Montag.

Die Konkurrenz solle mit einfacheren Tarifen, niedrigeren Preisen und Angeboten von Festnetz, Mobilfunk und Unterhaltung aus einer Hand auf Abstand gehalten werden. Im günstigsten Fall würden Erlöse und operativer Gewinn dank der neuen Strategie zulegen können, betonte er.

Den Zusammenschluss von Vodafone  und Kabel Deutschland sowie O2 und E-Plus sieht van Damme als Herausforderung, aber als überwindbare. Es komme nicht auf die reine Kundenzahl an. "Ich schaue mir lieber den Umsatz an, und da sind wir weit vorn", sagte der Manager. "Im Jahr 2018 wird unser Unternehmen in einem schwierigen Marktumfeld als Gewinner dastehen."

Kabelnetzbetreiber sitzen Telekom im Nacken

Die Telekom baut derzeit ihre Netze für Milliardenbeträge aus, um diese schneller und leistungsfähiger für neue Angebote wie Fernsehen in HD-Qualität zu machen. Insbesondere hier sitzen den Bonnern die Kabelnetzbetreiber im Nacken, die ihre Netze über Jahre auf hohe Geschwindigkeiten aufgerüstet haben.

Und auch Internetkonzerne wie Google oder Facebook fluten die Datennetze mit Videos und Bildern, an denen die Telekom aber kaum mitverdient. Auch führt der Konzern Festnetz und Mobilfunknetz zusammen und stellt auf Internettechnik um, um dem Kunden schneller und problemloser zu versorgen. "Eine stark vereinfachte Netzinfrastruktur ist Voraussetzung, um alles aus einer Hand anbieten zu können", sagte van Damme. Im Idealfall habe der Kunde im Jahr 2018 schon bei Einzug Telefon, Internet und Fernsehen.

Gute Nachricht für Urlauber und Geschäftsreisende

Eine gute Nachricht für Urlauber und Geschäftsreisende gibt es schon heute: Surfen und Telefonieren in der EU, aber auch darüber hinaus, wird bald günstiger. Nachdem der Mobilfunkanbieter E-Plus vor einigen Wochen als erster Mobilfunkbetreiber die Gebühren für das sogenannte Roaming bei einigen Tarifen abgeschaffte, legte nun die Telekom nach.

Alle Vertragskunden mit einem Pauschaltarif für Telefonieren, mobiles Surfen und den SMS-Versand könnten ab dem 1. Juli ihre Flatrate auch im EU-Ausland nutzen. Dafür müssen sie monatlich einen Aufschlag von fünf Euro bei einer Laufzeit von einem Jahr zahlen. Deutlich mehr muss der Kunde zahlen, wenn er nur vier Wochen seine Flatrate im EU-Ausland nutzen will, nämlich 19,95 Euro.

Roamingkosten entstehen immer dann, wenn Telefonate durch andere Mobilfunknetze geleitet werden. Die EU-Kommission will diese Gebühren bis Ende 2015 ganz abschaffen. Anfang Juli müssen alle Anbieter diese Zusatzkosten weiter absenken und zwar auf 19 Cent pro Minute netto für ein mobiles Telefonat in anderes EU-Land. Im Datenverkehr sinkt der Preis auf 20 Cent pro MB, zuzüglich Mehrwertsteuer.

Neue Tarife sollen Zahl der Glasfaserkunden deutlich erhöhen

Zudem will die Telekom ihre Tarife übersichtlicher gestalten, neue Tarife für Fernsehen, Festnetz und Mobilfunk sollen kommen, und auch die Installation und Einrichtung von Geräten soll für den Kunden künftig leichter werden.

Ziel sei es, bis 2018 die Zahl der Glasfaserkunden auf zwölf Millionen von derzeit 1,5 Millionen zu steigern, sagte van Damme. Das Fernsehangebot der Telekom sollen dann fünf Millionen Menschen nutzen, derzeit sind es mehr als zwei Millionen.

Zudem will der Konzern bis 2018 drei Millionen Kunden für kombinierte Angebote aus Festnetz, Mobilfunk und TV gewonnen und alle Anschlüsse auf das Internetprotokoll umgestellt haben. Was den Ausbau der Netze angehe, so sei sein Ziel, bei der Schnelligkeit mit den Kabelanbietern auf Augenhöhe zu kommen.

Van Damme wird sich künftig auch verstärkt um Innovationen bei der Telekom kümmern. Dieses Thema sei nun nicht mehr direkt beim Konzernchef Tim Höttges angesiedelt, sondern ihm übertragen worden, sagte er. Auch die Vorstände Claudia Nemat und Reinhard Clemens sind bereits übergeordnet für die Themen Europa und Technik sowie IT im Konzern verantwortlich.

rei/rtr/dpa