Donnerstag, 22. August 2019

Pharmamarkt Telekom und DocMorris planen die Überall-Apotheke

Beratung am Laptop: Sieht so die Apotheke der Zukunft aus?

Die Deutsche Telekom und Europas größte Versandapotheke DocMorris wollen künftig Live-Beratung zu Pillen und Pflastern vom Sofa aus anbieten. Für beide Unternehmen steht bei diesem Showcase viel auf dem Spiel.

Hannover - Die Beratung zu Pillen, Sprays und Pflastern im Vier-Augen-Gespräch war bislang den Mitarbeitern stationärer Apotheken vorbehalten. Ein Monopol, das diese gern als zentrales Unterscheidungsmerkmal gegenüber Versandapotheken anführen. Doch damit könnte bald Schluss sein. Denn auf der Cebit hat die Deutsche Telekom nun eine Kooperation angekündigt, die diesem Monopol ein Ende setzen könnte.

Gemeinsam mit der Versandapotheke DocMorris will der Telefonkonzern Apothekenkunden künftig direkt im Internet über Pillen und Pflaster beraten. Um diesen Service zu ermöglichen, setzen Telekom und DocMorris auf den so genannten "LiveBerater". Dabei handelt es sich um Apotheker, die Kunden per Videochat über Produkte informieren und beraten sollen.

"Mit dem Liveberater bringen wir die persönliche Online-Beratung auf eine neue Ebene ", sagt Dirk Backofen, Leiter des Geschäftskundenmarketings der Telekom. "Der Kunde kann sich in privater Atmosphäre informieren, ohne das Haus zu verlassen." Bislang greifen Online-Beratungsdienste meist auf Textchats, telefonische Rückrufe oder E-Mail zurück.

Stagnierender Marktführer

"Wir ermöglichen unseren Apothekenkunden mit dem Liveberater einen pharmazeutischen Beratungsservice von Angesicht zu Angesicht", sagt Olaf Heinrich, CEO von DocMorris. Mehr als hundert Apotheker und pharmazeutisches Fachpersonal sollen dafür zur Verfügung stehen. Während der Beratung könnten beispielsweise auch erklärende Einspielfilme oder Dokumente gezeigt, Formulare gemeinsam bearbeitet oder Downloads bereitgestellt werden. "Die Apotheke DocMorris kommt interaktiv zum Patienten, ganz gleich, wann und wo der Kunde unser Wissen über Arzneimittel und ihre Therapien braucht."

DocMorris ist derzeit Marktführer unter den Versandapotheken in Europa. Dennoch lief das Geschäft zuletzt schleppend. 2012 setzte das Unternehmen gut 324 Millionen Euro um - drei Millionen weniger als im Jahr zuvor. Hoffnungen, die unter anderem der Pharmagroßhändler Celesio mit der aus rechtlichen Gründen in den Niederlanden firmierenden Versandapotheke verbunden hatte, erfüllten sich nicht. 220 Millionen Euro hatte Celesio Börsen-Chart zeigen im Jahr 2007 für DocMorris bezahlt. Im Herbst 2011 gab der Pharmagroßhändler seine holländische Tochter für 25 Millionen Euro an die Schweizer Versandapotheke Zur Rose ab.

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