Samstag, 18. Januar 2020

Pharmamarkt Telekom und DocMorris planen die Überall-Apotheke

Beratung am Laptop: Sieht so die Apotheke der Zukunft aus?

2. Teil: Hoffnungsträger für DocMorris, Megamarkt für die Telekom?

Ein Grund für die stagnierenden Umsätze des Telekom-Patners: Der knapp 21.000 Apotheken zählende Markt wird inzwischen von vielen Wettbewerbern mit ganz unterschiedlichen Geschäftsmodellen und Nischenprodukten bearbeitet. Neben Online-Marktführern wie DocMorris oder Mycare haben inzwischen rund 3000 Apotheken allein in Deutschland eine Versanderlaubnis. Der Wert der im Internet bestellten Produkte summiert sich auf derzeit rund 1,3 Milliarden Euro.

Darüber hinaus gehen inzwischen auch preisaggressive Discounter - darunter die Easy- und die Apo-Rot-Apotheken - auf Kundenjagd. Und auch die klassischen Apotheken haben aufgerüstet. So setzt beispielsweise Celesio Börsen-Chart zeigen nach dem Verkauf von DocMorris mit seiner neuen Kette Lloyds auf ausgefeilte Beratung in der Apotheke selbst - etwas durch Touchscreens oder Hautbestimmungstest.

Nicht zuletzt haben auch immer wieder Gerichtsurteile dazu geführt, dass Versandhändler wie DocMorris stark eingeschränkt sind, wenn es um Preisnachlässe für Medikamente geht. So entschied der Bundesgerichtshof erst Ende Februar, dass es einem Apotheker nicht erlaubt sei, 10 Prozent Preisnachlass auf rezeptpflichtige Medikamente zu geben, wenn diese in den Niederlanden bestellt und in Deutschland abgeholt würden.

Für DocMorris könnte die Live-Beratung nun zum Befreiungsschlag werden - sollt das Angebot sich bei den nach eigenen Angaben rund 2,5 Millionen Kunden durchsetzen. Denn mit dem neuen Angebot wagen sich die Holländer nun im großen Stil in die selbst erklärte Beratungs-Domäne klassischer Apotheken.

Doch auch für die Telekom Börsen-Chart zeigen ist der erste Showcase bedeutsam. Denn die Bonner denken längst weiter. Ihren neuen "Live-Berater", der sich als Kommunikations-Lösung unter anderem mit Kundenmanagementsystemen und anderer Firmensoftware verknüpfen lässt, könnte dem Konzern zufolge auch von der Touristikbranche, Finanzdienstleistern, der Immobilienwirtschaft, dem Elektronik- oder auch dem Onlineversandhandel verwendet werden.

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