Tado sammelt 20 Millionen Euro ein Deutsches Startup will Google-Tochter Nest einheizen

Ein Tado-Thermostat: Das jüngst gepäppelte Unternehmen will Googles Tochter Nest angreifen

Ein Tado-Thermostat: Das jüngst gepäppelte Unternehmen will Googles Tochter Nest angreifen

Foto: Tado

Das Münchener Start-up Tado hat sich 20 Millionen Euro Risikokapital gesichert. Der Hersteller von smarten Thermostaten schloss die Finanzierungsrunde mit Inven Capital ab, der Venture-Tochter des international tätigen Energiekonzerns Cez-Group aus Tschechien.

Mit dem frischen Geld will Gründer Christian Deilmann jetzt der Google-Tochter Nest "kräftig einheizen". Während Nest derzeit mit technischen Problemen und Wachstumsschmerzen im US-Geschäft kämpfe, wolle Tado den Markt in Europa und Asien aufrollen. In den vergangenen Jahren habe das 2011 gegründete Unternehmen seine Technologie so verbessert, dass sie mit weltweit 16.000 verschiedenen Typen von Heizungen oder Klimaanlagen kompatibel sei. Damit könne Tado 95 Prozent aller Haushalte in Europa versorgen. Nest dagegen könne nur etwa die Hälfte aller europäischen Anlagen anschließen, in Deutschland sogar nur 8 Prozent.

Den europäischen Markt für intelligente Thermostate, dem die Marktforscher von Frost & Sullivan bis 2019 ein Volumen von 2,2 Milliarden Euro prognostizieren, will Tado jetzt für sich erschließen. Derzeit hat das Startup eine sechsstellige Zahl von Kunden vor allem in Deutschland. In den vergangenen beiden Jahren wuchs die 100 Mitarbeiter-Firma um durchschnittlich 400 Prozent.

Milliardenschwerer Markt für intelligente Thermostate

Die Kundschaft überzeugen will Tado-CEO Deilmann auch mit neuen Diensten. Demnach soll seine digitale Schnittstelle zur Heizung mit dem zuständigen Handwerker vernetzt sein. Fällt die Wärmequelle aus, erkennt der Installateur das Problem sofort und weiß, welches Ersatzteil er zur Reparatur mitbringen muss. Tado-Nutzer sollen auch sogenannte Regelenergie bereitstellen können.

Weil sich der Betrieb von Heizung oder Klimaanlage um ein paar Stunden verschieben lässt, können sie per smarter Regelung Schwankungen in der Stromversorgung ausgleichen, die durch den vermehrten Einsatz von Sonnen- oder Windenergie entstehen. Dieser Service bringt dem Besitzer der Anlage sogar Geld ein.

Für die Internationalisierung des Geschäfts und neue Serviceangebote verfügt Tado nun insgesamt über rund 50 Millionen Euro von Investoren wie Target Partners, Shortcut Ventures, BayBG oder Siemens Venture Capital. Damit zählen die Münchener laut Branchendienst Crunch Base zu einem der am besten kapitalisierten Anbieter von Internet-of Things-Diensten. Bereits im vergangenen Herbst hatte das IoT-Unternehmen 15,3 Millionen Euro Risikokapital eingeworben.

Wettbewerber Nest soll schon eine Millionen Kunden haben

Tado tritt allerdings gegen einen sehr starken Gegner an. Konkurrent Nest, den Google 2014 für 3,2 Milliarden Dollar kaufte, ist vor allem auf dem US-Markt tätig. Er beschäftigt dort mittlerweile 1000 Mitarbeiter und soll mehr als eine Millionen Kunden haben.

Im Januar allerdings froren viele Nutzer des Smart-Home-Services, der auch Rauchmelder und Überwachungskameras offeriert. Ein Software-Fehler hatte die Thermostate vom Internet abgemeldet - sie funktionierten nicht mehr. Der Anbieter wird zudem kritisiert, weil er den Hausautomatisierungs-Anbieter Revolv erst kaufte und nun dessen Service eingestellt hat, obwohl den Kunden ein lebenslanger Service versprochen war.

Lesen Sie auch:

Intelligentes Zuhause - Wenn Apple und Google Hausverbot erteilen