T-Mobile US Der amerikanische Exit-Poker des Tim Hoettges

Eigentlich wollte Telekom-Chef Tim Höttges die US-Tochter T-Mobile US längst verkauft haben. Nach dem geplatzten Deal mit Sprint hoffen die Bonner nun auf eine Alternative - und auf Klarheit. Denn im November stehen milliardenschwere Entscheidungen an.
Telekom-Chef Timotheus Hoettges: Wird die Telekom die US-Tochter noch zu einem angemessenen Preis los?

Telekom-Chef Timotheus Hoettges: Wird die Telekom die US-Tochter noch zu einem angemessenen Preis los?

Foto: DPA

Hamburg/Bonn - Es hätte alles so schön sein können. Für mehr als 16 Milliarden Dollar wäre Telekom-Chef Timotheus Hoettges den Großteil seiner US-Tochter endlich losgeworden. Und hätte mit Sprint  und dessen Mutter Softbank  einen finanzkräftigen Partner an Bord gehabt. Einer, bei dem die verbleibende Minderheitsbeteiligung in guten Händen gewesen wäre.

Dieses Szenario hat sich nun zerschlagen. Zwar schmiedet der französische Billiganbieter Illiad laut Presseberichten weiter an einem verbesserten Angebot, nachdem die Telekom die erste Offerte von 33 Dollar pro Aktie für 56,6 Prozent der T-Mobile-Anteile abgelehnt hatte.

Doch ein offizielles höheres Angebot gibt es bislang nicht. Illiad biete nach wie vor 33 Dollar, erklärte dessen Finanzchef Thomas Reynaud  bei der Vorlage der Quartalszahlen am Montag. Allerdings besteht laut der französischen Wirtschaftszeitung "Les Echos " die Möglichkeit, dass Illiad doch mehr als die ursprünglich geplanten knapp 57 Prozent  des US-Carriers zukauft.

Illiad bleibt offiziell bei seiner Offerte

Unklar ist dabei noch immer, wen sich die Franzosen für ihr Vorhaben letztlich mit ins Boot holen. Daraus, dass sie nach Co-Investoren suchen, macht Illiad keinen Hehl. 

Die Gerüchteküche brodelt. Von möglichen Beteiligungen von Satelliten- und Kabelbetreibern wie Dish Networks, Cox Communications und Charter Communications wird gemunkelt. Von Gesprächen mit Staatsfonds wie dem GIC aus Singapur, von Pensionsfunds wie dem Ontario Teachers Pension Plan. Und sogar mit Microsoft  und Google  soll Illiad-Chef Xavier Niel Kontakt aufgenommen haben, um mit ihnen einen möglichen Einstig bei T-Mobile US auszuloten.

Seit neuestem wird auch von Gesprächen mit Finanzinvestoren berichtet, die sich an dem neuen Unternehmen beteiligen sollen.

In Bonn scheint das beliebteste Szenario indes noch immer der Ausstieg zu sein. Nicht umsonst verlautetete vor wenigen Tagen aus Bonn, man sei für einen Preis jenseits von 35 Dollar pro Aktie zu Verkaufsverhandlungen bereit. Das wären mindestens zwei Dollar mehr als Illiads letztes Gebot. Und fünf Dollar mehr als der aktuelle Handelspreis - jedoch auch fünf Dollar pro Aktie weniger als Sprint wohl geboten hätte.

Wird die Telekom doch mehr los?

Bei allem Bemühen um einen höheren Preis dürfte den Deutschen nicht egal sein, an wen sie letzlich verkaufen. Zumindest dann nicht, wenn sie - wie es die ursprüngliche Illiad Offerte bislang vorsieht - eine Minderheitsbeteiligung an dem US-Unternehmen behalten. "Und dann ist es natürlich entscheidend, wer am Steuer ist", heißt es in der Branche. "Ob Illiad da erste Wahl ist, steht zu bezweifeln."

Die US-Tochter hat im abgelaufenen zweiten Quartal nach langer Zeit erstmals wieder Gewinn geschrieben - 391 Millionen Dollar.  Der Kundenschwund unter dem die T-Mobile lange litt, ist seit mehr als einem Jahr Geschichte. Alleine im abgelaufenen Quartal kamen 1,5 Million Neukunden dazu.   Auch was den Umsatz pro Nutzer angeht, ist der US-Markt mit rund 40 Dollar deutlich attraktiver als der europäische.

Doch der Aufschwung hat die Telekom einiges gekostet. Alleine im ersten Geschäftshalbjahr investierte die Telekom-Tochter fast zwei Milliarden Dollar  in Netzwerkausbau und -Modernisierung. Auch die Neukundengewinnung ließ sich CEO John Legere einiges kosten. So konnten Kunden kostenlos sieben Tage das T-Com-Netz testen und bekamen ein kostenloses iPhone dazu gratis zur Verfügung gestellt.

Preiskampf verschärft sich

Mit dem Platzen des Sprint-Deals dürfteN sich die massiven Preiskämpfe auf dem Mobilfunkmarkt nun noch einmal verschärfen. Mit Marcelo Claure hat bei Sprint zudem ein neuer CEO das Ruder übernommen, der T-Mobile künftig bei der Jagd um die Kunden Konkurrenz machen dürfte.

"Wir sind zurück im Spiel", brachte es Claure bei seiner Antrittsrede vor den Sprint-Mitarbeitern auf den Punkt - und unterbot die Konkurrenz gleich einmal mit einer Daten-, Telefon- und SMS-Flatrate für 60-Dollar. Die Telekom konterte : Mit einem Jahr kostenlosem LTE-Zugang für jeden Kunden, der für T-Mobile einen Kunden von AT&T, Verizon oder Sprint abwirbt - ein Spiel, dass auch für die Bonner Mutter teuer werden dürfte.

Doch das ist noch nicht alles. Mitte November fällt in den USA der Startschuss für eine der wichtigsten Spektrumsauktionen der nächsten Jahre, die deutlich mehr als zehn Milliarden Dollar in die Staatskassen spülen soll. Zu ersteigern sind Frequenzen, bei denen auch T-Mobile mitbieten müsste, will die Telekom mit ihrer US-Tochter nicht den Anschluss an die Konkurrenz verlieren und weiter auch für Geschäftskunden attraktiv sein.

Dass bis dahin eine Kauf-Entscheidung gefallen sein dürfte, ist alles andere als wahrscheinlich. Doch womöglich herrscht bis dahin zumindest etwas mehr Klarheit. Illiad-Gründer und Chefstratege Xavier Niel scheint daran mit Hochdruck zu arbeiten. Bei der Präsentation der Zahlen am Montag in Paris war er jedenfalls nicht zugegen. 

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.