Donnerstag, 5. Dezember 2019

34 Milliarden Dollar Investitionen in europäische Start-ups - Paris schlägt Berlin 174 Start-ups aus Europa sind inzwischen mehr als eine Milliarde Dollar wert

Gründerzentrum Station F in Paris: In dem ehemaligen Bahndepot im 13. Arrondissement ist Platz für mehr als 1000 Start-ups

Die deutsche Start-up-Szene verliert gegenüber Frankreich und Großbritannien weiter an Boden. Mit Investments in Höhe von 5,9 Milliarden Dollar (umgerechnet 5,3 Milliarden Euro) werden deutsche Start-ups nach Hochrechnungen des Wagniskapitalgebers Atomico 2019 zwar rund 25 Prozent mehr Geld eingesammelt haben als noch im Vorjahr. In Großbritannien und Frankreich fiel der Zuwachs mit knapp 48 beziehungsweise knapp 42 Prozent jedoch deutlich höher aus. Dies ergeben Berechnungen auf Basis von Zahlen der "State of European Tech" Studie ergeben, die der Wagniskapitalgeber am Donnerstag veröffentlichte.

50 Prozent aller europäischen Fintech-Investments seit 2018 landeten der Untersuchung zufolge dabei in Großbritannien. Insgesamt dürfte sich der Wachstumskapital-Zufluss an europäische Tech-Start-ups bis zum Jahresende den Angaben zufolge auf rund 34 Milliarden US-Dollar belaufen - eine Steigerung von rund 40 Prozent gegenüber 2018. Im Vorjahr lag die Investitionssumme noch bei 25 Milliarden US-Dollar. Inzwischen 174 Tech-Firmen in Europa seien dabei insgesamt mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet worden.

Auch als Start-up-Standort hat Paris Berlin mittlerweile von Platz zwei auf Platz drei verdrängt. Unangefochtene Nummer eins der europäischen Gründerhauptstädte bleibt - dem Brexit zu Trotz - jedoch London. Mit 2747 gegründeten Unternehmen wurden dort zwischen 2015 und 2019 mehr als doppelt so viele Tech-Firmen gegründet wie in Berlin, wo es 930 waren. In Paris waren es den Angaben zufolge im selben Zeitraum 1183 Start-ups.

Auch bei der Wagniskapitalseite sind Großbritannien und Frankreich Deutschland der Studie zufolge weiter voraus. So haben britische VCs den Angaben zufolge seit 2014 umgerechnet 17 Milliarden Dollar eingesammelt. In Frankreich waren es 11,7 Milliarden und in Deutschland umgerechnet 7,6 Milliarden Dollar.

Dabei stammte der Großteil des europäischen Wagniskapitals mit neun Milliarden Dollar den Angaben zufolge von Regierungsagenturen - deutlich mehr als Unternehmen und Privatpersonen investierten. Aber auch Pensionsfonds haben mittlerweile offenbar den europäischen Technologiemarkt für sich entdeckt. Sie steuerten den Angaben zufolge alleine 2018 knapp eine Milliarde Dollar für Investments europäischer VCs bei.

Rasantes Wachstum neuer Tech-Zentren

Insgesamt bekommen die etablierten Gründermetropolen auch von anderen Städten immer mehr Konkurrenz. "Tech-Aktivitäten wachsen in mehr Städten und mehr Ländern als je zuvor", schreiben die Studienmacher, die die Entwicklung der europäischen Start-up-Szene seit Jahren beobachten. Hinter London, Paris und Berlin rangieren hier Stockholm, Amsterdam, Barcelona, Dublin und Helsinki als die nächstwichtigsten Gründerstädte. Aber auch Köln, Darmstadt und Stuttgart sind bei den schnellwachsenden Tech-Hubs den Angaben zufolge dabei.

In Sachen Diversität kann die Studie indes keine Fortschritte verkünden. 2019 - wie auch 2018 - flossen 92 Prozent der Investitionen ausschließlich männlichen Gründerteams zu.

Für die vom Wagniskapitalgeber Atomico in Zusammenarbeit mit der Kanzlei Orick und der Studentischen Non-Profit-Organisation Slush veröffentlichten Studie werteten die Macher zahlreiche Datenbanken aus und befragten rund 5000 Gründer, Investoren und Experten.

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