Spotifys Direct Listing hat Schule gemacht Slack plant Börsengang in Schnäppchenversion

Slack-Gründer Stewart Butterfield: Der erfolgreiche Bürokommunikations-Dienst sollte ursprünglich eine Spieleanwendung werden.

Slack-Gründer Stewart Butterfield: Der erfolgreiche Bürokommunikations-Dienst sollte ursprünglich eine Spieleanwendung werden.

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Der Bürokommunikationsdienst Slack macht sich bereit für den Gang an die Börse. Man habe vertraulich einen Antrag für die Platzierung von Aktien gestellt, teilte das Unternehmen am Montag in San Francisco mit.  Ein konkretes Datum für den Börsengang gibt es noch nicht. Laut "Wall Street Journal"  könnte es bereits im Frühling soweit sein. Bloomberg rechnet eher mit einem Börsengang zur Jahresmitte hin.

Anders als bei klassischen Börsengängen, sogenannten Initial Public Offerings (IPOs), hat sich Slack für ein sogenanntes Direct Listing, auch Direct Private Offering (DPO) genannt, entschieden, wie das "Wall Street Journal" berichtete  - eine Art des Börsengangs, die zuvor schon der Streamingdienst Spotify wählte. Dabei sammelt Slack kein zusätzliches Geld ein. Investoren bekommen jedoch die Möglichkeit, ihre Anteile direkt an der Börse verkaufen.

Das hat für Unternehmen, die kein frisches Geld benötigen, den Vorteil, dass sie beträchtliche Summen sparen können, die ansonsten Banken für die Vorbereitung des IPOs kassiert hätten. Das heißt aber nicht, dass die Banken ganz außen vor bleiben. Für sein Private Listing hat sich Slack den Berichten zufolge - wie zuvor auch Spotify - die Hilfe von Goldman Sachs, Morgan Stanley, and Allen & Co. gesichert.

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Doch ein DPO kommt das Unternehmen deutlich günstiger als ein klassischer IPO. So schätzten Medien zuletzt die DPO-Beratungs-Gebühren für den Spotify-Börsengang auf rund 36 Millionen Dollar. Der Instant-Messaging-Dienst Snapchat hatte bei seinem regulären Börsengang 2017 mit 100 Millionen Dollar fast das Dreifache hingelegt.

Zudem gibt es bei einem DPO keine Lock-up-Periode. Das heißt Anteilseigner müssen ihre Aktien nicht über eine bestimmte Frist halten, bis sie verkaufen dürfen.

Allerdings gilt eine Direktplatzierung als riskanter, da Banken nicht als Zwischenhändler beziehungsweise Kursstabilisator auftreten. Bei Spotify, die im April vergangenen Jahrens per DOP an die Börse gingen, erwies sich dieser potenzielle Nachteil allerdings als irrelevant.

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Das Papier startete Anfang April mit einem Kurs von 165,90 und damit deutlich über dem vom Unternehmen festgelegten Referenzpreis von 132 Dollar. Bis Mitte Juli legte die Aktie dann auf knapp 200 Dollar zu, bevor es im Zuge der allgemeinen Schwäche von Techwerten bis auf 103 Dollar zum Jahresende abstürzte. Zuletzt lag der Kurs mit 138 Dollar wieder etwas über dem Referenzpreis.

Ein unproblematischer Verlauf, auf den nun auch Slack hofft. Das Unternehmen hatte erst im August 472 Millionen Euro eingesammelt, bei einer Bewertung von etwas mehr als 7 Milliarden Dollar (knapp 6,1 Milliarden Euro). Laut "New York Times"  sollen Investoren das Start-up, das mittlerweile mehr als eine Milliarde Dollar von Investoren wie SoftBanks Vision Fund, General Atlantic und T. Rowe Price Associates eingesammelt hat, zuletzt sogar mit 13 Milliarden bewertet haben.

Ähnlich wie bei vielen anderen Tech-Unternehmen auch soll es laut "Wall Street Journal"  bei Slack zwei verschiedene Aktienklassen geben. Dies würde es CEO Stewart Butterfield ermöglichen, über seine eigene Aktienbeteiligung hinaus die Kontrolle über das Unternehmen zu behalten.

Slack wird nach jüngsten Angaben täglich von rund zehn Millionen Mitarbeitern verschiedener Firmen benutzt. Mehr als 85.000 Unternehmen sind zahlende Kunden. Zugleich bieten unter anderem Microsoft , Google  und Facebook konkurrierende Produkte an.

Sollte auch Slacks Börsengang problemlos verlaufen, wären das schlechte Nachrichten für die Banken. Sollten sich auch andere Technologiekonzerne für ein Direct Listing entscheiden, würde dies deutlich weniger Einnahmen für sie bedeuten.

Aktuell stehen einige Börsengänge von Tech-Schwergewichten an: Unter anderem haben die Fahrdienst-Vermittler Uber und Lyft Ende vergangenen Jahres vertrauliche Anträge für Börsengänge eingereicht. Und auch der Big-Data-Analyst Palantir und das Unterkunftsportal Airbnb werden als potenzielle Börsenkandidaten gehandelt.

mit dpa-afx