Manager parliert über Schmutzkampagne PR-Desaster bringt Uber-Chef Kalanick in Erklärungsnot

Sabotageversuche gegen Konkurrenten, umstrittene Kreditvermittlung und nun noch Gedankenspiele über Schmutzkampagnen gegen missliebige Journalisten. Der Fahrdienstvermittler Uber kommt nicht aus den Negativschlagzeilen. Kippt jetzt die Stimmung?
Protest gegen Uber: Wegen seiner rüden Methoden ist der Fahrdienstanbieter immer wieder die Zielschreibe von Demonstrationen. Gedankenspiele eines Managers könnten jetzt das Fass zum Überlaufen und Uber-Chef Kalanick zum Handeln zwingen

Protest gegen Uber: Wegen seiner rüden Methoden ist der Fahrdienstanbieter immer wieder die Zielschreibe von Demonstrationen. Gedankenspiele eines Managers könnten jetzt das Fass zum Überlaufen und Uber-Chef Kalanick zum Handeln zwingen

Foto: © Lucy Nicholson / Reuters/ REUTERS

Hamburg/New York - Der US-Fahrdienst Uber ist eine der größten Wetten der Techindustrie - und eine der skandalträchtigsten. Kaum eine Woche vergeht, in der Uber nicht in die Schlagzeilen gerät - mit Sabotageversuchen gegen den Konkurrenten Lyft, fragwürdigen Krediten, horrenden Preissprüngen, sexualisierter Werbung oder prügelnden Fahrern.

Diese Negativ-Presse stößt dem Unternehmen sauer auf - und veranlasste einen Uber-Manager nun dazu, laut über gezielte Schmutzkampagnen gegen missliebige Journalisten  nachzudenken. Emil Michael, bei Uber für das operative Geschäft zuständig, sprach bei einer Veranstaltung in den USA darüber, das Privatleben von Journalisten ausforschen zu lassen, um sie später mit möglichen Erkenntnissen unter Druck zu setzen.

Eine Million Dollar für Dirt-Digger

Während eines Essens, bei dem offenbar auch Uber-Chef Travis Kalanick zugegen war, dachte er laut "Buzzfeed"  darüber nach, "eine Million Dollar" für jeweils vier Journalisten und vier sogenannte "Opposition Researchers" auszugeben, die dann deren "Privatleben und Familien" ausforschen könnten, um gegen missliebige Journalisten zurückzuschlagen. Dabei richtete sich Michael dem Bericht zufolge insbesondere gegen Sarah Lacy des Tech-Blogs "Pandodaily", die Uber wiederholt Frauenhass und Sexismus  vorgeworfen hatte.

Uber rudert zurück

Als der Bericht in den USA hohe Wellen schlug, entschuldigte sich Michael. Er habe seinem Ärger bei dem Essen einfach Luft gemacht, schrieb er Lacy in einer Mail.  "Weder ich noch mein Unternehmen würden jemals zu einem solchen Vorgehen greifen", versicherte er auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Auch ein Unternehmenssprecher distanziert sich von entsprechenden Überlegungen Michaels.

Verschaffte sich Uber Zugang zu Journalistenprofilen?

Laut Buzzfeed ist es allerdings in New York bereits einmal dazu gekommen, dass sich Uber ohne Zustimmung einer Journalistin Zugang zu deren Profil  für Demonstrationszwecke verschafft hat. Ein Vorgehen, dass laut Uber, allerdings gegen die Firmenrichtlinien verstößt.

Der Sturm der Empörung ist jedoch bereits in vollem Gange. Zahlreiche entsetzte Uber-Nutzer kündigten an, ihre Konten bei dem Fahrdienst zu löschen, zogen Parallele zu Praktiken Putins oder Scientology . Andere forderten die sofortige Entlassung Michaels oder dass die Investoren in Ubers gesamter Chefetage "aufräumen".

Von CEO Kalanick, von dem zunächst unklar war, ob er den Ausführungen Michaels folgte ohne einzugreifen oder diese nicht verfolgen konnte, war zunächst nichts zu hören. Auch die Investoren hielten sich zurück.

Rückhalt für Kalanick

Der bei Uber investierte Tech-Unternehmer Jason Calacanis schrieb auf Twitter, er verfüge noch nicht über sämtliche Informationen. Aber Kalanick sei "eine Ausnahmeperson" und er vertraue seinem Führungsstil.

Für Uber ist der Fehltritt seines Managers ein erneuter Rückschlag, zudem kommt er zu einem unglücklichen Zeitpunkt. Denn nach einer Finanzierungsrunde von 1,2 Milliarden Dollar in diesem Jahr ist Uber aktuell bemüht , sich weitere bis zu zwei Milliarden Dollar zu besorgen, was den Unternehmenswert auf mehr als 30 Milliarden Dollar in die Höhe treiben könnte.

Um künftig weniger Staub aufzuwirbeln, arbeitet Uber seit einigen Monaten mit Hochdruck daran, sein Image zu verbessern und hat sich hierfür millionenteure Unterstützung eingekauft. Auch der bisher ziemlich forsch auftretende CEO Kalanick hat offenbar professionelle Unterstützung bekommen, unter anderem hat Uber den ehemaligen Obama-Berater David Plouffe engagiert.

mit dpa-afx