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Siri, Cortana & Co.: Die wichtigsten digitalen Diener

Foto: Sven Hoppe/ picture alliance / dpa

Neue Assistenzsysteme Das Ende der Suche

Sie beantworten Fragen, merken sich Termine oder mahnen zum Aufbruch: Assistenzsysteme für das Handy - wie Apples Siri, Googles Now oder Microsofts Cortana - bestimmen immer stärker den Alltag. Geht es nach den Anbietern, dürfte die traditionelle Suche bald ausgedient haben

Hamburg - Jemand, der einen an den Abflugtermin des Fliegers erinnert, der dafür sorgt, dass man Blumen für den Hochzeitstag parat hat und dann auch noch flugs die beste Bar der Stadt heraussucht - wer träumt nicht von einem Assistenten, der das alles für einen erledigt.

Eine Welt, wie sie Spike Jonze in seinem Film "Her" zeichnet, wo sich der Protagonist in sein Assistenzystem mit der Stimme von Scarlett Johansson verliebt, bleibt zwar auch weiter Fiktion. Doch die Assistenzsysteme sind im Kommen. Geht es nach den großen amerikanischen Technologiekonzernen, dürften derartige Dienstleistungen künftig Standard sein.

Nach Apples Siri und Google Now ist vor kurzem auch Microsoft  mit einem eigenen Angebot an den Start gegangen , das das Leben seiner Nutzer erheblich vereinfachen kann - vorausgesetzt man gibt ihm Zugang zu seinen persönlichen Daten.

Cortana, die ihren Namen von einem künstlich intelligentem Charakter aus dem Computerspiel Halo hat, kann wie Siri von Apple  natürliche Sprache verstehen. Sie ist in der Lage, einfache Fragen zu beantworten, an Termine zu erinnern und bei der Reiseplanung zu helfen. So kann sie - wie beispielsweise auch Google Now - zum Aufbruch mahnen, wenn der Weg zum Flughafen wegen eines Staus voraussichtlich länger dauert. Und sie nennt Alternativen, sollte der Flug gestrichen werden.

Man kann über sie Apps bedienen, Ruhezeiten programmieren, die nur von ausgewählten Kontakten durchbrochen werden können, und sie auf die Suche nach passenden Restaurants schicken. Cortana, Siri und Google Now brechen mit einem Prinzip, das über Jahre die Internetnutzung dominierte: Dem Durchpflügen des Netzes via Suchmaschinen.

Revolution der Nutzeroberfläche - Auswahl auf Grund der Datenspur

Zwar tun die Assistenzsysteme im Grunde nichts anderes - Cortana greift beispielsweise auf Microsofts Suchmaschine Bing zurück, Google Now auf diverse Google Dienste. Doch statt auf eine Suchanfrage eine Reihe blauer Links zu präsentieren, wählen sie die ihrer Meinung nach passenden für den Nutzer aus.

Grundlage dafür ist die Datenspur, die wir stetig hinterlassen. Diese "Signale" wie sie in der Techwelt genannt werden, ermöglichen den Systemen, über uns und unsere Bedürfnisse und Gewohnheiten "zu lernen" und auf dieser Grundlage, quasi vorausschauend, je nach Situation auf uns zugeschneiderte Angebote zu entwickeln.

Wie bei einer Amazon-Bestellung gleich ein ganzes Bündel anderer Produkte mitangeboten werden, dürften auch Smartphone-Nutzern künftig passende Dienste offeriert werden - je nach dem, wo sie sich befinden und was sie gerade tun.

Wer am besten vorausschaut, gewinnt

Auf Geschäftsreisen poppen dann beispielsweise Limousinen- oder Übersetzungsdienste auf, am Feierabend Kinotipps oder Restaurantempfehlungen. Und Dienstleister wie der Notiz-Cloudservice Evernote stellen ebenfalls - je nach Situation - die jeweils passenden Notizen bereit.

Nach Ansicht vieler Tech-Experten liegt genau darin die Zukunft. "Anstatt dass der Nutzer Informationen selbst suchen muss, finden Informationen den Nutzer ", fasste Microsoft-CEO Satya Nadella seinen Blick auf die Internet-Suche von morgen  zusammen.

Microsoft-Entwickler Savas Parastatidis ist sogar davon überzeugt, dass künftig Assistenzsysteme unseren Umgang mit dem Netz dominieren werden. "Sie werden die Art und Weise, wie wir mit Technologie interagieren, Informationen aufnehmen und Aufgaben lösen, ersetzen", sagt er.

Apps nur als Übergangsmodell?

"Wir sind aktuell noch in einem Jäger und Sammler-Modus", beschreibt Microsoft-Tech-Evangelist James Whittaker die Suche per Browser. Dabei "bekommt man im Netz aktuell nicht das beste, sondern das lauteste Resultat".

Eine Einschätzung, mit der er nicht alleine steht. Auch Apple setzt neben seinem Assistenzsystem Siri mit seiner iBeacon-Technologie, einer Art GPS für Innenräume, auf eine immer bessere, kontextbasierte Verknüpfung zwischen Offline- und Online-Welt. Und bei Yahoo  beschäftigt man sich längst mit dem Thema.

So kaufte der Konzern erst im Januar den Dienstleister Aviate, der die Startseite von Smartphones je nach Situation mit jeweils passenden Apps bestückt. Gerüchten zufolge soll zudem auch ein eigener Sprachassistent in Arbeit sein.

Klassische Suche auf dem Rückzug

Vor allem Smartphones und Tablets treiben den Paradigmenwechsel weg von der klassischen Suche. Und das mit einer massiven Geschwindigkeit. In den USA gehen schon jetzt mehr Menschen über Smartphones und Tablets ins Internet als über klassische PCs, wie die Marktforscher von Comscore ermittelten.

Entsprechend ist die App-Nutzung gestiegen. Zu umständlich ist es vielen, sich auf den kleinen Geräten durch die präsentierten Suchergebnisse zu hangeln. Ein Trend, der sich durch die zunehmende Verbreitung von Fitnessarmbändern und Smartwatches noch einmal verstärken dürfte.

Nur noch 1,25 Mal pro Tag nutzten Smartphone-Besitzer einen klassischen Browser, um das Netz zu durchsuchen, behauptet Roi Carthy vom Assistenz-Startup Everything.me, das ebenfalls kontextbasierte Dienste anbietet. Fast die Hälfte des Internetverkehrs geht mittlerweile auf Apps zurück.

Kampf um die Sichtbarkeit

Doch auch das Herunterladen einzelner Apps, das die Nutzung klassischer Browser zum Teil überflüssig macht, hat seine Schwächen. Schließlich ist nur ein Bruchteil davon den Kunden überhaupt bekannt.

Das könnte sich bald ändern, glaubt Microsoft-Vordenker Whittaker. Künftig, ist er überzeugt, werden entsprechende Dienste anhand situationsabhängiger Daten wie geografischem Standort, Kontext, persönlicher Interessen und Nutzungshistorie von sich aus mit Angeboten auf den Nutzer zukommen. "Funktionalität wird zu einem gebracht werden, wo man sich befindet", sagt Whittaker. "Das Netz wird domestiziert."

Microsoft-Entwickler Parastatidis geht sogar so weit, das Ende des App-Modells vorherzusagen. "Wenn ich etwas über meinen persönlichen Assistenten erledigen kann, der weiß, wie er das mit einem externen Dienstleister regeln muss, wofür brauche ich da noch eine Extra-App?" Für Konzerne, wie seinen Arbeitgeber Microsoft, könnte ein entsprechender Paradigmenwechsel extrem lukrativ werden.

Denn Hotels oder Restaurants müssten mit maßgeschneiderten Angeboten um den Zugang zum Kunden wetteifern. Gatekeeper wäre dann das jeweilige Assistenzsystem, das sich - wie heute Google - für seine Informationen und den Zugang zum Kunden entlohnen lassen könnte.

Daran, dass Daten noch weiter an Bedeutung gewinnen werden, hat Microsoft-Chef Nadella keinen Zweifel: "Die Währung", sagte er kürzlich "sind Daten".