Freitag, 20. September 2019

Siri, Alexa und die alten Klischees Warum sind Sprachassistenten eigentlich weiblich?

Siri statt Sirius: Sprachassistenten sprechen ab Werk mit weiblicher Stimme. Warum eigentlich?
Daniel Reinhardt/dpa
Siri statt Sirius: Sprachassistenten sprechen ab Werk mit weiblicher Stimme. Warum eigentlich?

Warum eigentlich Siri? Und warum Alexa und nicht Alexander? Die digitalen Helfer sind Frauen. Zumindest klingen sie so. Werden da wieder alte Klischees zementiert?

Die Schauspielerin Maria Furtwängler räumt gerne mit altmodischen Rollenbildern auf. Ihr ist aufgefallen, dass die digitalen Assistenten aus dem Lautsprecher auf Alexa, Siri und Cortana hören - überall Frauen. "Ich frage mich, ob künstliche Intelligenz uns zu mehr Diversität verhilft oder gängige Stereotypen zementiert", sagte Furtwängler kürzlich in einer Rede bei einer Konferenz in München. Warum die Assistenzsysteme alle weiblich seien, fragte sie. "Sie könnten doch auch Hubert, Bernhard oder Yossi heißen!"

Das war laut Teilnehmerangaben auch eine augenzwinkernde Anspielung auf die männlichen Gäste beim "DLD Chairmen's Dinner" und ihren Mann, den Verleger Hubert Burda. Aber Furtwängler, die sich schon mit Geschlechterbildern im Fernsehen und bei Youtube befasste, hat einen Punkt.

Warum eigentlich Siri, ein skandinavischer Frauenname? Und warum Alexa und nicht Alexander? "Sprachassistentinnen sind die digitalen Dienstmägde unserer Zeit", findet der Klangforscher Holger Schulz von der Universität Kopenhagen. Im Radiosender Deutschlandfunk Kultur kritisierte er, dass die weibliche Stimme in die Rolle einer Assistentin zurück gedrängt werde.

Ein Praxistest: Bei Apple klingt die Computerstimme eindeutig weiblich. Wenn man Siri, das Sprachsystem im iPhone fragt, ob sie ein Mann oder eine Frau ist, sagt sie: "Lass dich durch meine Stimme nicht täuschen: Ich habe kein Geschlecht." Alexa hat da eine eindeutige Antwort. Gefragt, ob sie eine Frau sei, antwortet der Lautsprecher: "Ich sehe mich als weiblich. In Stromkreisen würde man sagen: Ich bin Frauenpower aus der Steckdose." Bei Google ist der Assistent namenlos.

Apple will grundsätzlich nichts dazu sagen, welche Prozesse zu einem Produktnamen führen. Aber der Hersteller verweist darauf, dass Siri sowohl mit weiblicher als auch mit männlicher Stimme genutzt werden kann. "Dies bleibt jedem Nutzer selbst überlassen." Bei Amazon erklärt ein Sprecher, der Name Alexa komme von der Bibliothek Alexandria, einem Wissensuniversum. Was die Stimme angeht: "Überall auf der Welt haben Studien ergeben, dass die weibliche Stimme als angenehmer, freundlicher und entspannter wahrgenommen wird."

Bei Microsoft heißt es, Cortana sei in erster Linie eine dialogorientierte Assistentin, die Nutzer bei verschiedenen Anforderungen unterstütze. Sie versteht sich laut Hersteller nicht als ausdrücklich weiblich, sondern allgemein als Wesen. Und: Die gesamte Persönlichkeit wird laut Microsoft an lokale Gegebenheiten angepasst. Die französische Cortana ist demnach anders als die japanische.

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