Fotostrecke

Silicon-Valley-Alternativen: Die fünf Metropolregionen mit der höchsten Start-up-Aktivität

Foto: Getty Images

Wo sich immer mehr Start-ups niederlassen Wird Fort Lauderdale das neue Silicon Valley?

Vierfach so hohe Mieten wie im Rest der Staaten und unbezwingbare Konkurrenz durch Tech-Giganten: Für junge Start-ups ist das Silicon Valley ein hartes Pflaster. Immer mehr Gründer ziehen weg aus der Gegend. Warum es besser ist, in Fort Lauderdale ein Unternehmen starten.
Von Judith Henke

Der neue Trend heißt "Off Silicon Valleying." Letztes Jahr verließen mehr Amerikaner das Silicon Valley als hergezogen sind. Knapp die Hälfte der Einwohner wollen die San Francisco Bay Area innerhalb der nächsten Jahre verlassen, schreibt der "Economist" . Das Silicon Valley, Sitz von Giganten wie Google, Facebook und Netflix, würde zunehmend "Opfer des eigenen Erfolgs" werden.

Für junge Start-ups wird es zunehmend schwerer im Silicon Valley zu wachsen. Grund sind vor allem die hohen Mieten. Die sind in der Bay Area viermal höher als in den meisten anderen amerikanischen Städten. Dasselbe gilt für die Lebenshaltungskosten. Außerdem ächzt das Silicon Valley unter einer großen Steuerlast: In keinem Staat gibt es eine höhere Einkommenssteuer als in Kalifornien.

In Florida entfällt die staatliche Einkommenssteuer. Das kommt den vielen Start-ups gelegen, die sich in den letzten Jahren in Fort Lauderdale angesiedelt haben. In der Stadt nördlich von Miami gibt es nicht nur schöne Strände, sondern auch eine blühende Start-up-Kultur. Die Kauffmann Foundation, eine Stiftung zur Förderung von Unternehmertum, führt in einer Studie von 2017  die Metropolregion Miami-Fort Lauderdale als Region mit der höchsten Start-up-Aktivität an. San Francisco kommt im Ranking erst auf Platz 14. Ein Jahr davor reichte es noch zum vierten Platz.

Bis Fort Lauderdale das neue Silicon Valley wird, müsste viel passieren. Noch immer fließt das meiste Wagniskapital in die Bay Area, wie eine Grafik des "Economist" zeigt. Bis Mitte August 2018 waren es bereits mehr als 30 Milliarden Dollar. In die Metropolregion Miami-Fort Lauderdale flossen knapp zwei Milliarden Dollar. Doch das Kapital ist ungleich verteilt, beweist der Silicon Valley Index . 22 Megadeals wurden 2017 im Silicon Valley geschlossen, gemeint sind damit Investments von mehr als 100 Millionen Dollar in ein einzelnes Unternehmen.

Todeszone um Facebook und Google

Im Schatten der großen Silicon Valley-Unternehmen wie Apple oder Facebook ist es schwer für kleine Start-ups zu wachsen. Werden sie nicht gerade von den Tech-Riesen aufgekauft, kann es leicht sein, dass man sie kopiert. Als etwa Snapchat sich nicht von Mark Zuckerberg kaufen lassen wollte, übernahm er das Stories-Konzept kurzerhand für das von Facebook aufgekaufte Instagram. Mache Jungunternehmer sprechen von einer Todeszone rund um die Großfirmen, in der es unmöglich ist, erfolgreich zu werden.

Früher versprachen sich Gründer mit ihrem Geschäftsmodell das große Geld oder zumindest mehr, als sie als regulärer Angestellter verdienen würden. Doch Tech-Giganten zahlen selbst Angestellten in der mittleren Führungsebene ein hohes Gehalt. Durchschnittlich 240.000 Dollar zahlt Facebook für diese Position, Alphabet etwa 200.000 Dollar. Für kleinere Start-ups sind diese Gehälter unerschwinglich.

Viele von ihnen seien dieses Jahr mit der Rekrutierung neuer Mitarbeiter schon um 15 Prozent im Verzug, sagt Mike Volpi von Index Ventures, die in Start-ups investieren. Laut dem Immobiliendienstleister CBRE Group kostet es mehr als 62 Millionen Dollar im Jahr, ein 500 Mitarbeiter-Start-up im Silicon Valley zu führen - fast doppelt so viel wie etwa in Portland oder Atlanta.

Aileen Lee vom Risikokapitalgeber Cowboy Ventures sagte Techcrunch , intern würde viel über die schwierige Personalsuche gesprochen. "Wenn Unternehmen eine gewisse Größe erreichen, kommt es oft vor, dass sie darüber nachdenken umzuziehen oder zumindest den zweiten Standort woanders zu eröffnen. Es ist einfach zu teuer."

Hohe Ungerechtigkeit im Silicon Valley

Fotostrecke

Silicon-Valley-Alternativen: Die fünf Metropolregionen mit der höchsten Start-up-Aktivität

Foto: Getty Images

Ohne ein hohes Gehalt ist es für Mitarbeiter kaum möglich, sich ein Leben im Silicon Valley zu leisten . Weniger als ein Drittel der Hauskäufer können sich ein durchschnittlich teures Haus leisten. In anderen amerikanischen Städten sind es fast 50 Prozent. 2016 wurden nur 287 Wohneinheiten genehmigt, die sich Haushalte leisten konnten, die weniger als das mittlere Einkommen verdienen. Das liegt im Silicon Valley bei 131.000 Dollar, im Vergleich zu dem amerikanischen Durchschnitt von 66.000 Dollar.

Wer im Silicon Valley ohne akademischen Abschluss lebt, verdient jährlich 88.000 Dollar weniger als Akademiker. Frauen verdienen im Schnitt fast 50.000 Dollar weniger als ebenso qualifizierte Männer.

Dabei scheinen weiße, männliche Nerds immer noch das Silicon Valley zu dominieren: Start-ups, die von Frauen gegründet wurden, erhielten im vergangenen Jahr lediglich 2 Prozent des gesamten Wagniskapitals, das in Silicon Valley-Firmen investiert wurde.

Frauen und Nicht-Akademiker verdienen deutlich weniger im Silicon Valley

Dabei hat Diversität das Silicon Valley erst stark gemacht. Mehr als die Hälfte der Top-Techfirmen der USA wurden von Migranten oder Kindern von Migranten gegründet. Durch die strengere Einwanderungspolitik von Donald Trump wird es schwerer für Migranten, ins Silicon Valley zu gelangen.

Fort Lauderdale profitiert hingegen schon allein aufgrund seiner geographischen Nähe zu Lateinamerika von einer kulturellen Vielfalt, die neue Ideen und Geschäftsmodelle mit sich bringt. Das Fintech-Start-up Yellow Pepper wurde in Miami gegründet und hat sich sogar auf den lateinamerikanischen Markt fokussiert. Vorstandschef Serge Elkiner sagte dem Miami Herald : "Wer mit Lateinamerika arbeiten möchte, sollte definitiv Miami als Standort wählen."

Immer mehr Wagniskapital außerhalb der Bay Area

Das Potential der Region um Fort Lauderdale und Miami, besonders als Fintech-Standort, haben auch die ansässigen Universitäten erkannt. Die Florida Atlantic University und die University of Miami fördern junge Gründer und vermitteln Nachwuchskräfte an Start-ups. In den letzten Jahren haben sich auch immer mehr Accelerators in der Gegend niedergelassen, die Start-ups helfen, sich schnell zu entwickeln. So etwa das in Palo Alto gegründete Startprogramm Founder Institute, das nun auch ein Programm für Süd-Florida betreibt.

Mehr als 107 Start-ups kommen in der Region Miami-Fort Lauderdale auf 1000 Arbeitgeber. Neun Prozent der erwachsenen Bevölkerung führen ein eigenes Unternehmen. Diese Gründer könnten davon profitieren, dass Investoren aus Silicon Valley mittlerweile 62 Prozent ihres Geldes in Start-ups außerhalb der Gegend stecken.

"Ich glaube, ich würde nicht noch ein Start-up in Silicon Valley gründen", sagte Yelp-Chef Jeremy Stoppelman dem "Economist". Für seinen nächsten Vorstoß werde er nur ein kleines Team in der Bay Area beschäftigen, aber den Großteil der Entwickler und Manager aus anderen Städten anwerben. Auch Megan Quinn vom Risikokapitalunternehmen Spark Capital rät den Gründern, in deren Idee sie investiert, sich anzuschauen, welche Städte höchstens drei Flugstunden von San Francisco entfernt sind und eine Universität haben. "Dort sollten sie so schnell wie möglich ein zweites Büro eröffnen."