Vernetzte Häuser, fliegende Autos Die großen Flops des Silicon Valley - und ihre Comeback-Chancen

Thermostat von Google-Firma Nest: Drei Milliarden Dollar versenkt?

Thermostat von Google-Firma Nest: Drei Milliarden Dollar versenkt?

Foto: Nest Labs Inc./ dpa

Glaubt man dem Ökonomen Robert Gordon, geht der Welt das Wachstum wegen Ideenlosigkeit aus: Die Zeit der großen Erfindungen, die uns produktiver machten, sei vorbei. Bisher schien diese These im Widerspruch zum Fortschrittsglauben des Silicon Valley zu stehen. Doch neuerdings häufen sich sogar von dort die techno-pessimistischen Nachrichten.

Selbst Google alias Alphabet , das sich einen Namen mit avantgardistischer Experimentierfreude gemacht hat, rechnet jetzt kühler, als den Roboter-Enthusiasten im Konzern lieb sein kann. Neuerdings steht die vor zwei Jahren für 3,3 Milliarden Dollar gekaufte Smart-Home-Firma Nest Labs intern unter Beschuss, weil das Unternehmen hinter den Erwartungen der Google-Strategen zurückgeblieben ist.

Brauchen wir das?

Der intelligente Kühlschrank, der den Milchstand meldet (oder gleich von selbst nachbestellt), ist zu einem Running Gag der Internet-der-Dinge-Visionen verkommen. Nest Labs hat sich gleich auf Dinge von offensichtlicherem praktischen Nutzen verlegt: Das ferngesteuerte Thermostat kann bares Geld sparen, auch die Kommunikation mit den Rauchmeldern ergibt Sinn. Ein Netzwerk aus Geräten, die im Zusammenspiel den Energieverbrauch drosseln und zugleich den Wohnkomfort erhöhen, ist ohne große Fantasie denkbar. Noch 2014 wurde Smart Home als das nächste große Ding gehandelt, und Nest als das neue Apple.

Wie läuft's?

Die aktuellen Berichte sind vernichtend , vor allem Nest-Chef Tony Fadell gilt als angezählt. Seit dem Kauf durch Google kam kein grundlegend neues Produkt auf den Markt. Neuerdings vergrätzt die Firma ihre Kunden, indem sie bei (noch gar nicht so) alten Produkten den Stecker zieht und mehrere hundert Dollar teure Geräte unbrauchbar macht. Die Geschäftszahlen sollen miserabel sein. Auch Wettbewerber tun sich schwer, Kunden für WLAN-fähige Leuchten oder Kochtöpfe zu begeistern.

Wird das noch was?

Neben Managementfehlern steht auch ein grundlegendes Nachfrageproblem im Raum. Für Nicht-Enthusiasten sind die Geräte im Vergleich zu den konventionellen Alternativen zu teuer, zumal der Nutzen begrenzt ist. Dafür sorgt auch der Wettbewerb von Nest und ähnlichen Angeboten von Apple, Amazon und anderen, die alle ihren eigenen technischen Standard durchsetzen wollen. Eine Waschmaschine mit Funkchip auszustatten, ist nicht so schwer, wie sie sinnvoll zu vernetzen.

Die Apple Watch: Mehr Beiwerk als Zukunft des wertvollsten Konzerns

Apple-Chef Tim Cook als Uhrenverkäufer: Accessoire statt Must-have

Apple-Chef Tim Cook als Uhrenverkäufer: Accessoire statt Must-have

Foto: JUSTIN SULLIVAN/ AFP

Die Apple Watch ist seit einem runden Jahr auf den Markt. Geschätzt mehr als zehn Millionen Exemplare der vernetzten Armbanduhr wurden bisher verkauft. Es ist die erste große Produktinnovation des Konzerns seit dem iPad, und die erste der Ära nach Steve Jobs. Die Smartwatch als Durchbruch der neuen Produktkategorie "Wearables" sollte zeigen, dass der wertvollste Konzern der Welt immer noch mehr kann als den vergangenen Erfolg zu verwalten.

Brauchen wir das?

Als Must-have wie das iPhone drängt sich die Apple Watch nicht auf. Vor allem die für den Herbst erwartete Neuauflage soll das Potenzial haben, Gesundheits- und Fitnessdaten einfacher zu erfassen und zu verwerten. Ansonsten bleibt die Uhr aber vor allem modisches Accessoire. Sogar Apple-Mitgründer Steve Wozniak urteilt , "dies ist nicht mehr die Firma, die die Welt stark verändert hat".

Wie läuft's?

Für die Uhrenindustrie ist die Apple Watch ein Game Changer, im Vergleich zum Absatz von iPhones (allein im Schlussquartal 2015 fast 75 Millionen) aber irrelevant. Für das laufende Jahr sagen Analysten trotz zweiter Edition sogar einen Absatzeinbruch  voraus - das Potenzial der wirklichen Apple-Fans ist wohl doch nicht so groß.

Wird das noch was?

"Unreifer Markt" ist noch die freundliche Beschreibung für das Wearables-Segment. Die Smartwatch kann das Smartphone sinnvoll ergänzen, zu den heutigen Preisen wird sie aber kaum auf riesige Stückzahlen kommen.

Google Glass: Zurück in den Sandkasten

Brillen-Hype mit Google-Gründer Sergej Brin und Modeschöpferin Diane von Fürstenberg: Zurück in den Sandkasten

Brillen-Hype mit Google-Gründer Sergej Brin und Modeschöpferin Diane von Fürstenberg: Zurück in den Sandkasten

Foto: CARLO ALLEGRI/ REUTERS

Das spektakulärste "Wearable" ist wohl die Datenbrille von Google, die geradezu zum Sinnbild des Valley-typischen Futurismus wurde. Konzern-Mitgründer Sergej Brin zeigte sich oft genug mit dem direkt vors Auge gehängten Minicomputer und förderte nach Kräften den Hype mit Unterstützung allerlei Promis.

Brauchen wir das?

Hm. Die Computerbrille wurde binnen kürzester Zeit vom letzten Schrei zum Hassobjekt, mit dem Tech-Nerds selbst in Kalifornien ihre soziale Akzeptanz auf die Probe stellen konnten. Manche Nutzer sind begeistert vom distanzlosen Netzzugang, aber einen wirklichen Nutzen hat das Ding wohl nur für wenige, die Informationen abrufen müssen und keine Hand für den Computer frei haben, etwa am Arbeitsplatz.

Wie läuft's?

Google stellte die Vermarktung der 1500 Dollar teuren Brille Anfang 2015 nach nicht einmal zwei Jahren ein. Das nennt man wohl einen Flop. Immerhin Firmenkunden experimentieren noch mit dem Gerät.

Wird das noch was?

"Zurück in den Sandkasten", wurde das offizielle Aus  verkündet. Die Google-Glass-Macher waren anscheinend von vornherein wenig begeistert über den öffentlichen Hype um ihr noch nicht ausgereiftes Produkt. Immerhin soll die Erfahrung in einen verbesserten neuen Anlauf unter dem Projektnamen "Aura" münden. Verantwortlich unter anderem: ein gewisser Tony Fadell (siehe Nest).

Oculus Rift: Alles genau wie in den 90ern

Virtual-Reality-Brille von Facebook-Firma Oculus: Alles wie in den 90ern

Virtual-Reality-Brille von Facebook-Firma Oculus: Alles wie in den 90ern

Foto: GUS RUELAS/ REUTERS

Da wir bei Brillen sind: Die virtuelle Realität ist wieder da. Hochauflösende Brillen wie die Oculus Rift - die Firma wurde für zwei Milliarden Dollar von Facebook übernommen - oder ähnliche Produkte von Microsoft bis Sony sollen das Versprechen der 90er Jahre einlösen, den Nutzern das realistische Gefühl zu vermitteln, in eine simulierte Realität einzutauchen. Der Marktstart für Oculus Rift war der Hype des Jahres auf der Elektronikmesse CES 2015. In diesem Jahr gab es keine vergleichbare Inspiration.

Brauchen wir das?

Computerspiele und andere Unterhaltung können mit diesem Hilfsmittel auf jeden Fall aufregender werden. In Robert Gordons Sinn preist Microsoft seine Hololens als nützliches Arbeitsgerät beispielsweise für Warenlager an.

Wie läuft's?

Um von einem Flop zu sprechen, ist es vielleicht etwas zu früh. Der Verkauf von Oculus Rift (für 600 Dollar pro Stück) begann erst im Januar. Facebook-Chef Mark Zuckerberg will erst von einem Erfolg sprechen, wenn er 50 bis 100 Millionen Stück davon verkauft hat. Für dieses Jahr spielt das Gerät in Facebooks Geschäftszahlen noch keine Rolle.

Wird das noch was?

Jedenfalls sind die Erwartungen riesig. Goldman Sachs sagt voraus, dass das Geschäft mit virtueller Realität in zehn Jahren größer werde als der globale Fernsehmarkt. Auf der anderen Seite stehen Branchenveteranen , für die "alles ist wie in den 90ern: hoch auflösender Müll ist immer noch Müll".

Fliegende Autos: Der ewige Traum der Tech-Visionäre

Flugauto der Firma Terrafugia: Der ewige Science-Fiction-Traum

Flugauto der Firma Terrafugia: Der ewige Science-Fiction-Traum

Dieser Technik hat sich keiner der Tech-Riesen verschrieben, obwohl Investor Peter Thiel hier längst eine Innovationslücke erkannte: "Wir wollten fliegende Autos, aber wir bekamen 140 Zeichen" (des Kurznachrichtendienstes Twitter, der demnach nicht als bahnbrechende Weltverbesserung zählt).

Brauchen wir das?

Es muss einen Grund geben, warum Mini-Fluggeräte als Alltagstransport in alten Science-Fiction-Filmen omnipräsent sind. Sicher würde das Fliegen für alle ein erhebendes Gefühl bringen, vor allem aber Platz auf dem Boden frei machen, Staus und andere Ineffizienzen vermeiden.

Wie läuft's?

Einige Startups sehen sich - mit unterschiedlichen Konzepten - kurz vor dem Marktstart, allerdings schon seit Jahren. Zuletzt machte Toyota mit einem Patent für Auftriebsscheiben über dem Autodach (die umständlich einzuklappende Flügel überflüssig machen) Furore . Soweit es Preisvorstellungen gibt, sind es mindestens hohe sechsstellige Summen für so ein Fliewatüüt.

Wird das noch was?

Als Massenprodukt auf absehbare Zeit sicher nicht. Aber auch First Mover müssen gewaltige Hürden überspringen. Die Probleme sind weniger technischer Art, als regulatorische und Fragen der sozialen Akzeptanz. Autonom fahrende Autos (ohne Flügel) sind im Vergleich dazu fast schon marktreif. Auch die Kosten für den Umbau der Infrastruktur wären ungleich höher, wenn die Straßen auch noch fit für Flugautos gemacht werden müssten.


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