Shopping der Zukunft Wie sich der Einzelhandel gegen Amazon behauptet

Schrauben-Shoppen rund um die Uhr: 24-Stunden-Selfservice-Laden von Würth

Schrauben-Shoppen rund um die Uhr: 24-Stunden-Selfservice-Laden von Würth

Foto: Würth / Andi Schmid
Fotostrecke

US-Einzelhandels-Drama trifft Sears: Diesen Shopping-Ikonen droht wegen Amazon das Ende

Foto: AFP

Gleich reihenweise sind sie in den vergangenen Jahren in die Knie gegangen - Einzelhandelskonzerne, die dem Wettbewerb mit dem Onlineriesen Amazon  nicht mehr gewachsen waren. Jüngstes Opfer: Die US-Warenhauskette Sears. Nach 125 Jahren im Geschäft meldete der Traditionshändler am Montag Insolvenz an.

Eine Entwicklung, die absehbar war. Viele Händler verharrten jahrelang in einer Art Schockstarre und hofften, dass sie das Phänomen Amazon irgendwie überleben würden. Doch das hat sich geändert: Auch hierzulande wird mittlerweile massiv digital aufgerüstet, um nicht von den Onlineriesen aus den USA oder China überrollt zu werden.

Der drastische Umbau des Geschäftsmodells ist nicht immer erfolgreich, wie das Beispiel von Ceconomy zeigt. CEO Pieter Haas wollte die Handelskette (Media Markt, Saturn) mit Hilfe von internationalen Einkaufs-Gemeinschaften stärken, um gegen Amazon und Co zu bestehen. Ceconomy setzte außerdem auf den Roboter Paul, um Kunden in den Läden zu den gesuchten Warengruppen zu geleiten. Dennoch musste das Unternehmen in der vergangenen Woche bereits die dritte Gewinnwarnung in Folge bekannt geben - und kurz darauf auch den Abgang von CEO Pieter Haas.

Auch Aldi rüstet digital auf

Doch auch andere Handelsgrößen setzen auf neue Technologien, um Onlinehändler auf Abstand zu halten. So betreibt der Montagebedarf-Händler Würth im süddeutschen Vöhringen seit dem Frühjahr eine Filiale, in der die Kunden rund um die Uhr einkaufen können . Nach Ladenschluss, wenn das Personal nach Hause gegangen ist, können sich die Kunden per QR-Code und Würth-App Zutritt zu dem 500 Quadratmeter großen Verkaufsraum verschaffen und die Ware, die sie mitnehmen wollen, einfach einscannen. Die Abrechnung geschieht dann per Rechnung. Für Kunden, die versuchen, den Laden mit nicht eingescannter Ware zu verlassen, hat der Ladenbauer, der deutsche Einkaufswagenspezialist Wanzl, einen Alarm eingebaut.

Und selbst eigentlich servicefremde Discounter wie Aldi arbeiten daran, ihre Waren noch besser verfügbar zu machen. In den USA können sich Aldi-Kunden - dank einer Kooperation mit dem Lieferdienst Instacart - ihre Ware in einigen Städten bereits innerhalb von einer Stunde nach Hause liefern lassen.

Smarte Bildschirme im Einsatz bei Intersport

Auch die Verknüpfung von Online- und Offlinehandel ist längst nicht nur bei Händlern wie Amazon ein Thema. Im chinesischen Flagshipstore des Schweizer Sporthändlers Intersport in Peking können smarte Bildschirme bereits beim Betreten des Geschäftes registrierte Kunden identifizieren oder deren Alter und Geschlecht einschätzen.

Fasst der Kunde die Ware dann an, lassen sich auf benachbarten Displays passende Produktinformationen abrufen. Smarte Spiegel empfehlen den Kunden passende Accessoires zum gerade ausprobierten Kleidungsstück. Und sogar nach dem Kauf kann der Händler, unterstützt von Technologien des chinesischen Alibaba-Konzerns, im Kontakt mit dem Kunden blieben und ihm über das Smartphone weitere Kaufempfehlungen und Informationen zukommen lassen.

Andere Händler gehen ganz analoge Wege, um ihre Attraktivität gegenüber den Onlineriesen zu stärken. Sie rüsten auf und machen ihre Läden zum Erlebnis. Beispielsweise, indem sie - wie beispielsweise die Kosmetikkette Douglas - Events mit Instagram oder Youtube-Stars organisieren, um kosmetikinteressierte Millenials in ihre Geschäfte zu locken. Oder Supermärkte wie Rewe oder Edeka, die mit Pralinenproduktionen, Champagnerbars oder Koberind-Grillstationen attraktiver werden wollen.

Wenn der Einkaufswagen die Stimmung erkennt

Aber auch für Tech-Affines-Shopping-Klientel wird in Deutschland längst eifrig geforscht. So haben die deutschen Macher von Whysker eine App entwickelt, bei der Kunden, statt sich durch Kategorien zu klicken, in Tinder-Manier ein Strom an Warenbildern präsentiert wird. Gefällt ihnen ein Produkt, lässt sich dieser einfach anhalten und man kommt per Kick auf die Verkaufsseite.

Beim britischen Onlinehändler Asos wiederum können Kunden in Großbritannien und den USA mittlerweile auch über die Sprachsteuerung von Google einkaufen.

Und der US-Handelsriese Walmart könnte womöglich noch einen Schritt weiter gehen, um die Bedürfnisse seiner Kunden nicht aus dem Blick zu verlieren. US-Presseberichten zufolge hat der Händler sich einen Einkaufswagen patentieren lassen , der Puls und Körpertemperatur der Shopper erfasst. Und so mögliche Zornesausbrüche oder womöglich auch freudige Erregung bei besonders günstigen Schnäppchen messbar machen könnte. Der Phantasie - so scheint es - sind auch im traditionellen Handel keine Grenzen mehr gesetzt.