Freitag, 15. November 2019

Shopping der Zukunft Wie sich der Einzelhandel gegen Amazon behauptet

Schrauben-Shoppen rund um die Uhr: 24-Stunden-Selfservice-Laden von Würth
Würth / Andi Schmid
Schrauben-Shoppen rund um die Uhr: 24-Stunden-Selfservice-Laden von Würth

Gleich reihenweise sind sie in den vergangenen Jahren in die Knie gegangen - Einzelhandelskonzerne, die dem Wettbewerb mit dem Onlineriesen Amazon Börsen-Chart zeigen nicht mehr gewachsen waren. Jüngstes Opfer: Die US-Warenhauskette Sears. Nach 125 Jahren im Geschäft meldete der Traditionshändler am Montag Insolvenz an.

Eine Entwicklung, die absehbar war. Viele Händler verharrten jahrelang in einer Art Schockstarre und hofften, dass sie das Phänomen Amazon irgendwie überleben würden. Doch das hat sich geändert: Auch hierzulande wird mittlerweile massiv digital aufgerüstet, um nicht von den Onlineriesen aus den USA oder China überrollt zu werden.

Der drastische Umbau des Geschäftsmodells ist nicht immer erfolgreich, wie das Beispiel von Ceconomy zeigt. CEO Pieter Haas wollte die Handelskette (Media Markt, Saturn) mit Hilfe von internationalen Einkaufs-Gemeinschaften stärken, um gegen Amazon und Co zu bestehen. Ceconomy setzte außerdem auf den Roboter Paul, um Kunden in den Läden zu den gesuchten Warengruppen zu geleiten. Dennoch musste das Unternehmen in der vergangenen Woche bereits die dritte Gewinnwarnung in Folge bekannt geben - und kurz darauf auch den Abgang von CEO Pieter Haas.

Auch Aldi rüstet digital auf

Doch auch andere Handelsgrößen setzen auf neue Technologien, um Onlinehändler auf Abstand zu halten. So betreibt der Montagebedarf-Händler Würth im süddeutschen Vöhringen seit dem Frühjahr eine Filiale, in der die Kunden rund um die Uhr einkaufen können. Nach Ladenschluss, wenn das Personal nach Hause gegangen ist, können sich die Kunden per QR-Code und Würth-App Zutritt zu dem 500 Quadratmeter großen Verkaufsraum verschaffen und die Ware, die sie mitnehmen wollen, einfach einscannen. Die Abrechnung geschieht dann per Rechnung. Für Kunden, die versuchen, den Laden mit nicht eingescannter Ware zu verlassen, hat der Ladenbauer, der deutsche Einkaufswagenspezialist Wanzl, einen Alarm eingebaut.

Und selbst eigentlich servicefremde Discounter wie Aldi arbeiten daran, ihre Waren noch besser verfügbar zu machen. In den USA können sich Aldi-Kunden - dank einer Kooperation mit dem Lieferdienst Instacart - ihre Ware in einigen Städten bereits innerhalb von einer Stunde nach Hause liefern lassen.

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