Freitag, 13. Dezember 2019

Kreditech-Gründer Diemer wühlt die Branche auf Geld zurück bei Flugverspätungen - der irre Kampf der deutschen Rivalen

Titelgeschichte des manager magazins: Fluch des Fliegens - eine kleine Kulturgeschichte in 11 Bildern
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2. Teil: Satte Abschläge für die Kunden

Doch wie sicher ein Fall ist, wird den Kunden nicht offengelegt. Stattdessen ködert wkdf seine Kunden auf der Website mit einer Preispolitik, die großzügig wirkt ("bis zu 400 Euro", das suggeriert eine Auszahlung von zwei Drittel auf der Langstrecke), aber die wahren Abschläge verschleiert. So war es in zwei manager-magazin.de vorliegenden Fällen. Das Portal bot einem Kunden tatsächlich 400 Euro - allerdings für zwei Flüge, die zusammengenommen per Fluggast-Verordnung ziemlich sicher 800 Euro Entschädigung wert gewesen wären. Im anderen Fall wurden Fluggästen für drei Mittelstreckenflüge 600 Euro in Aussicht gestellt, der reale Entschädigungswert hätte wohl bei 1200 Euro gelegen. Ein Abzug von 50 Prozent also. Wettbewerber begnügen sich mit geringeren Abzügen.

Mit ihrer freihändigen Preispolitik "je nach Risiko" halten Diemer und Loebner auf Nachfrage auch gar nicht hinter dem Berg. Sie müssen vorsichtig kalkulieren, weil sie ihre Forderungen an eine Firma verkaufen, die personell eng mit Partnern der Hamburger Inkasso-Kanzlei KSP verflochten ist. Das Risiko für verloren gegangene Klagen bleibt bei wkdf.

KSP-Anwalt Jens Blaffert gehören mittelbar fünf Prozent an der wkdf-Trägergesellschaft AAA Consumer Technology. Weitere Anteile liegen bei Diemers Beteiligungsgesellschaft mit dem nicht unbedingt bescheidenen Namen "Unicorn Asset Management", mittelbar bei den wkdf-Geschäftsführern Loebner und Mehdi Afridi sowie der Beteiligungsgesellschaft eines ehemaligen Spielhallenunternehmers.

Alle glauben fest an ihr Geschäftsmodell, so Diemer: "Wir haben Verträge mit Fluggästen von Tag eins an, bei denen wir ganz sicher sind, dass daraus Umsätze werden. Welches Startup schafft das schon?" Rechtsanwalt Blaffert wechselt demächst sogar die Seiten und geht als Justiziar zu wkdf.

Pikant: KSP und Blaffert haben sich ihr Know-how im Fluggastrecht über eine jahrelange enge Zusammenarbeit mit flightright aufgebaut. Eine Tageszeitung, mit der Diemer und Loebner zum Firmenstart gesprochen hatten, schrieb Mitte Februar sogar noch, die an wkdf beteiligte Kanzlei stelle die Daten ihrer über Zehntausend Fälle zu Verfügung. Das roch dann doch zu sehr nach missbräuchlicher Nutzung von Mandatsgeheimnissen - gegenüber manager-magazin.de sprachen die Gründer daher von einem "Missverständnis". Blaffert sei "rein beratend in Bezug auf juristische Fragestellungen" tätig.

Erst Wucherzinsen für Kleinkredite bei Kreditech, jetzt schnelles Geld mit enttäuschten Fluggästen - Sebastian Diemer hat offensichtlich einen speziellen Geschmack in unternehmerischen Fragen. Und vergisst dabei nicht, das Leben zu genießen: Während zwei Hände voll Werkstudenten bei wkdf Fälle prüfen, geht der Gründer nun endlich wieder seinem Hobby nach. Am Mittwoch flog er für vier Wochen zum Motocross-Fahren nach Kalifornien.

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