Samstag, 20. April 2019

Vom Gejagten zum Jäger Scout24 nimmt Rivalen mobile.de ins Visier

Scout 24 (Immobilien, Auto, Finanzen) will offenbar mit Zukäufen wachsen

Scout24 weckt gerade selbst die Begierde von Finanzinvestoren, da verkündet der Marktplatzbetreiber, das Anzeigengeschäft von Ebay kaufen wollen. Vor allem am Rivalen mobile.de, der zum Ebay-Anzeigengeschäft zählt, hat Scout24 Interesse. Wie der Anzeigenportalbetreiber die Milliarden aufbringen will, bleibt unklar.

Der Anzeigenportal-Betreiber Scout24 erhofft sich von der bevorstehenden Übernahme durch Finanzinvestoren die Chance auf einen Kauf des Rivalen mobile.de. Die Kleinanzeigen-Sparte des US-Branchenriesen Ebay, zu der das größte deutsche Auto-Portal gehört, sei "ein konkretes Beispiel, was wir uns vorstellen könnten", sagte der neue Scout24-Vorstandschef Tobias Hartmann am Montag.

"Wir schauen uns das an." Nur die größten Anbieter hätten auf dem Markt für Online-Anzeigen künftig eine Chance. An der womöglich bald zum Verkauf stehenden Ebay-Sparte interessiert Scout24 vor allem mobile.de, die Nummer eins in Deutschland für Gebrauchtwagen-Anzeigen vor der Scout-Tochter Autoscout24.

Auch der Medienkonzern Axel Springer strebt einem Bericht der Zeitschrift "Capital" zufolge einen Kauf der Anzeigensparte Ebay Classifieds Group an. In der Branche wird über einen Kaufpreis in Höhe von rund zehn Milliarden US-Dollar (8,84 Milliarden Euro) spekuliert. Die Onlinehandels-Plattform Ebay hatte Anfang März mitgeteilt, ihre Konzernstruktur auf den Prüfstand zu stellen.

Ebay hatte im Januar zwar gute Geschäftszahlen und die erste Dividende in der Geschichte der Plattform verkündet. Allerdings übten zwei US-amerikanische Hedgefonds zuletzt großen Druck auf das Management aus, sich von Unternehmensteilen zu trennen.

Derweilen steht Scout24 selbst möglicherweise vor einer Übernahme. Die Finanzinvestoren Hellman & Friedman und Blackstone hatten Mitte Februar ihr Übernahmeangebot erhöht. Der mögliche Gesamtkaufpreis würde sich laut Unternehmensangaben inklusive Schulden auf etwa 5,7 Milliarden Euro belaufen.

Scout24 ist derzeit mit seinen Internetportalen in den drei Sparten Immobilien, Auto und Finanzen gut aufgestellt. Zuletzt kauften die Münchner das Finanzportal Finanzcheck.de.

Ob Scout24 mobile.de überhaupt übernehmen dürfte, komme auf das Kartellamt an, sagte Scout24-Finanzvorstand Christian Gisy. Der deutsche Autoanzeigen-Markt habe sich unter anderem mit dem Eintritt von Heycar, Carwow und Auto1 (wirkaufendeinauto.de) stark verändert. "Die Frage ist, wie das Kartellamt den Markt definiert. Man muss die Dinge neu denken."

Die möglichen künftigen Eigentümer von Scout24 sollen auch bei der Dividende für 2018 das letzte Wort haben. Der Vorstand hat zwar 64 (2017: 56) Cent je Aktie in Aussicht gestellt, will aber die Hauptversammlung erst nach der Klärung der zukünftigen Eigentumsverhältnisse darüber entscheiden lassen. Die Dividende müsse dann "neu bewertet werden", sagte Gisy. Die Hauptversammlung muss spätestens Ende August stattfinden.

Im laufenden Jahr soll vor allem der Ratenkredit-Vermittler Finanzcheck das Wachstum von Scout24 treiben. Der Konzernumsatz kletterte 2018 wie bereits bekannt um 12,5 Prozent auf 531,7 Millionen Euro. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 15,3 Prozent auf 291,5 Millionen Euro. Unter dem Strich blieben 165 Millionen Euro übrig bleiben und damit fast die Hälfte mehr als 2017.

Auch zukünftig rechnet sich der Portalbetreiber gute Wachstumschancen aus, da der Onlinewerbemarkt in Deutschland und Europa zunehme. Der Umsatz soll 2019 um 15 bis 17 Prozent zulegen.

rei/dpa/Reuters

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