Schlechte Geschäftslage Uber bezahlt Fahrer angeblich aus eigener Tasche

Städte in Deutschland ziehen gegenüber Uber die Zügel an. Damit dem Fahrdienstbetreiber nicht die Fahrer abhanden kommen, hält er sie offenbar mit Honorar bei der Stange. Uber verfolgt diese Taktik bereits im Ausland.
Uber: Hält Uber seine Fahrer mit Subventionen bei der Stange?

Uber: Hält Uber seine Fahrer mit Subventionen bei der Stange?

Foto: Adam Berry/ Getty Images

Hamburg - Der Fahrdienst Uber sieht sich angesichts der für die Branche geltenden Regularien offenbar gezwungen, seine Fahrer aus der eigenen Tasche für die für Uber vorgenommenen Fahrten zu honorieren. Laut einem Bericht der "Wirtschaftswoche"  zahlt Uber in Düsseldorf jedem Fahrer pro Stecke rund acht Euro, statt, wie das Geschäftsmodell es eigentlich vorsieht, einfach 20 Prozent des Fahrpreises für die Vermittlung einzukassieren.

Ein Uber-Sprecher wollte den Bericht gegenüber manager-magazin online nicht bestätigten. Er dementierte entsprechende Zahlungen aber auch nicht. "Wir kommentieren das nicht", hieß es lediglich.

Bonuszahlungen auch in der Schweiz

Dass Uber Fahrer für ihre Aktivitäten für das Unternehmen entlohnt, ist nicht neu. Bereits im Sommer enthüllte das Schweizer Fernsehen, dass Uber in Zürich seinen Fahrern pro Fahrt 20 Franken (umgerechnet 16 Euro) dazubezahlte, um sein Angebot in der Schweizer Stadt zu etablieren. Eine Vorgehensweise, die der Schweizer Uber-Verantwortliche Rasul Jalali bestätigte.

Später änderte das Startup sein Prämienmodell wieder ab , garantierte entweder einen Mindestumsatz pro Wochenende, pro Fahrt oder ab einer gewissen Anzahl von Fahrten eine Zusatz-Pauschale von beispielsweise 150 Franken bei 30 Fahrten.

Dass Uber nun offenbar auch in Deutschland zu solchen Maßnahmen greift, dürfte den Problemen geschuldet sein, denen sich Uber aktuell gegenüber sieht.

So zwangen Gerichtsurteile in Berlin und Hamburg Uber, die Gebühren pro Fahrt deutlich zu senken. Um teure Lizenzgebühren zu vermeiden, wie sie für ein Taxiunternehmen fällig würden, agiert Uber in diesen Städten nun als "Mitfahrzentrale" - darf von den Fahrgästen allerdings auch nur noch eine wenig lukrative Betriebskostenpauschale verlangen. Aktuell zahlen Nutzer dort nur noch 35 Cent pro gefahrenem Kilometer.

Unterschiedliche Verträge von Stadt zu Stadt

Doch die Preissenkung machte den Anbieter bei den Fahrern unattraktiver. "Seitdem wir die Einnahme pro Kilometer auf 35 Cent begrenzen mussten, ist das Interesse der Fahrer gesunken", räumte Uber-Deutschland-Manager Fabien Nestmann kürzlich gegenüber dem "Focus" ein .

Allerdings unterscheiden sich die Preismodelle von Stadt zu Stadt. Und offenbar auch die Fahrer-Verträge. "Die sehen von Stadt zu Stadt ebenfalls unterschiedlich aus", sagt ein Branchenkenner.

Taxigewerbe schäumt

Beim Taxigewerbe sorgt die Zusatzentlohnung der Fahrer für Ärger. Sollten sich entsprechende Gerüchte, die aktuell in der Branche die Runde machen, bewahrheiten sei dies "massiv marktverzerrend", reagierte der Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes, Michael Müller, auf entsprechende Berichte. Er warnte vor möglichen Folgen der Fahrt-Pauschalen. "Das, was man jetzt dazu gibt", sagte er mit Blick auf die Berichte über Fahrtpauschalen, "wird man sich später zurückholen."

Offenbar ist Uber aber bereit, für sein langfristiges Ziel seine Subventionspolitik fortzusetzen. Geld dafür ist dank Start-up-Milliarden von Google  und Goldman Sachs  reichlich ja da. "Das müssen wir erst mal so hinnehmen. Die Alternative wäre, ganz vom Markt zu verschwinden", zitierte die "Welt"  kürzlich einen Uber-Mitarbeiter. Und: "Wer nicht am Markt ist, kann auch keinen Einfluss auf die Agenda nehmen."

Das Start-up arbeitet weiter mit Hochdruck daran, dass die rechtlichen Anforderungen für Anbieter wie Uber deutlich gesenkt werden. So verfasste das Unternehmen Anfang Oktober einen Brief mit entsprechenden Vorschlägen an die Verkehrsministerkonferenz und sammelte auch im Netz Unterschriften für mögliche Gesetzeslockerungen. Allerdings bislang mit begrenztem Erfolg.

Für den Kunden hat der Konkurrenzdruck indes aber zumindest vorläufig auch positive Folgen. So ziehen die eigentlich konkurrierenden Taxizentralen immer mehr an einem Strang. Am Montag stellten sie ein übergreifendes Bestellsystem vor, bei dem Nutzer verschiedener Apps wie Taxi.eu, Taxi Deutschland oder cab4me künftig Zugriff auf 90 Prozent der bundesweit 55.000 deutschen Taxen haben.