Dienstag, 25. Februar 2020

Facebook gibt Pläne für Werbung auf Wir wertlosen WhatsApp-Nutzer

Grundlos Milliarden verschenkt: WhatsApp-Gründer Brian Acton und Jan Koum

Von Zeit zu Zeit sollte man sich über all die wichtigen Dinge im Leben freuen, die wir genießen dürfen, ohne dafür bezahlen zu müssen: Licht, Luft, Liebe zum Beispiel. Und WhatsApp.

Na gut, die Chat-App ist nicht wirklich lebensnotwendig - genau genommen kämen wir wohl ziemlich problemlos auch gut ohne sie aus. Trotzdem ist es doch toll, dass sich dieser Dienst, der 1,5 Milliarden Menschen verbindet, inmitten des digitalen Hyper-Kapitalismus noch immer jeder Kommerzialisierung entzieht.

Wenn es stimmt, was das "Wall Street Journal" schreibt, hat der Facebook-Konzern den Plan verworfen, uns Nutzermassen per Werbung zu Geld zu machen. Zur Erinnerung: 2014 hat Facebook fast 22 Milliarden Dollar für den Kauf von WhatsApp gezahlt, also etwa 15 Dollar für jeden von uns. Seitdem muss das Unternehmen für jeden Quatsch in der Kegelvereins-Gruppe seine Server anwerfen und kriegt dafür so ziemlich nichts zurück.

Reklame wie auf Facebook war die logische Idee, uns endlich zu monetarisieren, damit sich die Übernahme auch wirklich gelohnt hat. Wenn das jetzt aber nicht klappt, bleibt an kommerziell aussichtsreichen Ideen - so wie es aussieht - ziemlich genau nichts.

Klar, die Nutzerdaten werden mit Facebook und Instagram geteilt, aber da sind die meisten ja eh schon. Bezahlte Services für Unternehmer, die ihren Kundendienst über WhatsApp abwickeln? Das klingt nicht wirklich nach Big Business. Die WhatsApp-Benutzungsgebühr, die früh nach Facebooks Einstieg abgeschafft wurde, lässt sich jetzt nicht einfach wieder einführen, ohne alle an die längst reichlich bestehenden Gratis-Alternativen zu vergraulen.

Es sei denn, Facebook kommt zu dem logischen Schluss: Dass man 1,5 Milliarden Nutzer, die nur kosten und nichts bringen, am besten schnell wieder loswird.

Vielleicht ging es bei dem Werbungs-Plan aber auch nur darum, zwei bestimmte WhatsApper loszuwerden: die Firmengründer Brian Acton und Jan Koum, die schon immer Anti-Marketing-Propaganda ("Beleidigung unserer Intelligenz") gemacht hatten und sogar so konsequent waren, deswegen zurückzutreten und 1,3 Milliarden Dollar liegenzulassen.

Ätsch, auch das war wohl umsonst.

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