Montag, 9. Dezember 2019

Unfall des Chefs monatelang verschwiegen SAPs riskante PR-Strategie

Bill McDermott: Bei einem Unfall Anfang Juli verlor der SAP-Chef sein linkes Auge. Monate später präsentiert er sich voll händlungsfähig

3. Teil: McDermott entwickelt aus seinem Schicksal eine Business-Story

Doch die eigentliche Stärke des Interviews ist die Business-Story, die Bill McDermott aus seinem Schicksal entwickelt: Durch den Kontakt mit den Ärzten sei ihm aufgefallen, wie schwierig die Kommunikation in Kliniken sei und dass die Mitarbeiter ihr Wissen nicht miteinander teilen. Wer von uns kennt das nicht, dass er immer wieder dieselbe Geschichte wechselndem medizinischem Personal erzählen muss?

Dort will der SAP-Chef nun ansetzen. Man kann förmlich spüren, wie daraus eine Geschäftserweiterung für das Walldorfer Software-Unternehmen entsteht, gewissermaßen mit Bill McDermott als Projektleiter. Eine absolut schlüssige und zukunftsweisende PR-Story, die er hier auf den Weg bringt.

Über die Produkteinführung dürften die Brand-Manager jetzt schon erfreut sein. Das wird eine PR-Geschichte mit maximaler Glaubwürdigkeit, fußt sie doch auf den Erfahrungen des SAP-Chefs persönlich.

Wenn Medien darüber nicht informiert werden - wie steht es mit anderen Themen?

Das Restrisiko für SAP ist dagegen ein anderes: Die Öffentlichkeit - und damit auch im täglichen Kontakt zwischen Unternehmen und Journalisten - wird sich natürlich noch mit einer anderen Frage beschäftigen: Wenn wir darüber zweieinhalb Monate nicht informiert wurden, wie steht es dann unter Umständen mit anderen Themen, von denen wir jetzt nichts wissen und die vielleicht erst in Zukunft kommuniziert werden?

Deshalb ist es jetzt genauso wichtig, dass SAP Börsen-Chart zeigen dieses Kommunikationsereignis als Einzelstück betrachtet.

Tom Buschardt ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wider.

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