Samstag, 7. Dezember 2019

Unfall des Chefs monatelang verschwiegen SAPs riskante PR-Strategie

Bill McDermott: Bei einem Unfall Anfang Juli verlor der SAP-Chef sein linkes Auge. Monate später präsentiert er sich voll händlungsfähig

2. Teil: Keine Nachfragen erwünscht

Das Auge. Vor dem Verlust des Sehvermögens haben die meisten Menschen mehr Angst vor als vor einem offenem Oberschenkelhalsbruch. Als Leser sind wir emotional ganz bei McDermott: Wie schrecklich! Scheinbar ungezwungen spricht er über die heutige Qualität künstlicher Augen. Das kostet Überwindung, vermittelt den Lesern aber auch seine enorme Willenskraft und Stärke. Genau das braucht SAP in der öffentlichen Wahrnehmung jetzt auch.

Der Sturz eines Spitzenmanagers nach einer privaten Geburtstagsfeier und eine anschließende Ohnmacht mit Lebensgefahr - das lässt üble Spekulationen aufkommen. Deshalb wird er konkret in seiner Schilderung und muss dies auch genau so tun: "Nachts ging ich nach unten, mit einem Wasserglas in der Hand, rutsche auf dem Teppich der Treppe aus und fiel. Ich landete mit dem Gesicht in den Scherben. Ein fingerlanger Splitter drang in mein linkes Auge, ich verlor vorübergehend das Bewusstsein."

Der Hinweis auf das Wasserglas ist ein kleines, aber entscheidendes Detail. Keine Nachfragen erwünscht. Es würde an der Sache auch nichts ändern - nur schädliche Spekulationen hervorrufen.

Wichtig an diesem Auftritt ist vor allem, dass McDermott seine Handlungsfähigkeit während seiner Genesungsfrage unterstreicht: "Selbstverständlich stand ich die ganze Zeit in regelmäßigem Kontakt mit dem Aufsichtsrat und dessen Vorsitzenden Hasso Plattner." Das ist wichtig, um Kunden, Aktionäre und Medien zu beruhigen: Der Chef war also voll im Boot - SAP war kein führungsloser Tanker in schwerer See. Ein gutes Bild, das McDermott hier von sich zeichnet.

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