Donnerstag, 22. August 2019

Weniger Wachstum SAP kassiert Umsatzprognose

SAP-Zentrale Walldorf: Die Erlöse mit Dienstleistungen wachsen dieses Jahr langsamer als erwartet

Die Wirtschaft in Asien wächst langsamer, die Erlöse von SAP in dieser Region auch. Der Konzern senkt seine Umsatzprognose für 2013. Der Jahresgewinn soll aber wie erwartet klettern.

Stuttgart - Das verlangsamte Wirtschaftswachstum in China zwingt SAP zur Senkung seiner Umsatzprognose für dieses Jahr. 2013 sei nur noch mit einem währungsbereinigten Anstieg der Software- und softwarebezogenen Serviceerlöse um mindestens 10 Prozent zu rechnen, teilte SAP mit.

Bisher hatte der weltweit größte Firmen-Softwarehersteller einen Zuwachs um 11 bis 13 Prozent in Aussicht gestellt. Diese Prognose ist Makulatur, da die Eintrübung der Konjunktur in China - der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt nach den USA - zu Investitionsrückhaltung in ganz Asien führt.

"Kurzfristig schlägt sich das geringere Wirtschaftswachstum in China nicht nur dort, sondern auch in den Nachbarstaaten nieder", sagte Co-Vorstandssprecher Jim Hagemann Snabe. Vor allem in Australien, Japan und Neuseeland hielten sich die Unternehmen mit Investitionen in neue Software und Informationstechnologie zurück, ergänzte Finanzchef Werner Brandt.

Nach einem unerwartet schwachen ersten Quartal verfehlte SAP auch im zweiten Geschäftsvierteljahr die Erwartungen des Finanzmarktes weitgehend. Der Umsatz mit Software und Dienstleistungen kletterte zwar in den Monaten April bis Juni ohne Berücksichtigung von Währungseinflüssen um 10 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro, wobei der Euro-Wechselkurs für Rückenwind sorgte. Analysten hatten im Schnitt mit 3,4 Milliarden Euro gerechnet.

Cloud-Software setzt sich schneller durch als erwartet

Während SAP in Amerika bei den Software-Verkäufen im zweiten Quartal deutlich um 18 Prozent zulegte, brachen die Erlöse im Asien-Pazifik-Raum abermals um 7 Prozent ein. Bereits im Auftaktquartal dieses Jahres hatte diese Region mit Schwellenländern wie Indien SAP schwache Verkaufserlöse beschert, das Management hatte jedoch auf eine Besserung gesetzt.

"Das Marktumfeld ist sehr herausfordernd", zog Hagemann Snabe Bilanz unter das erste Halbjahr. SAP gewinne aber Marktanteile. Auch IBM hatte in der Nacht zum Donnerstag bei der Vorlage seines Quartalsberichtes über schwächer als erwartet ausgefallene Geschäfte in China und Australien berichtet. Schneller als erwartet vollzieht sich nach den Worten von Hagemann Snabe der Übergang zu Cloud-Software, die über das Internet genutzt wird. Das habe zu geringeren Erwartungen an die Lizenzeinnahmen im angestammten Geschäft mit installierter Software geführt.

Wie der Datenbank-Spezialist Oracle hat SAP zuletzt Milliardenbeträge für Cloud-Software-Anbieter wie Ariba oder SuccessFactors ausgegeben, um den Unternehmen verstärkt Software über das Internet anbieten zu können. Bisher machen diese Softwarelösungen aber nur einen Bruchteil des Umsatzes aus, wachsen aber rasant. Im zweiten Quartal stammte erst jeder sechste Euro aus den Nutzungsgebühren für Cloud-Software.

Konzern bekräftigt Gewinnerwartung für 2013

Trotz der abgeschwächten Umsatzprognose bekräftigte SAP aber seine Gewinnerwartung: 2013 sollen mit 5,85 bis 5,95 Milliarden Euro auf währungsbereinigter Basis operativ mehr als die 5,21 Milliarden Euro aus dem Jahr 2012 verdient werden.

Von April bis Juni wurden operativ - ohne Währungs- und Sondereinflüsse wie etwa Aktienoptionen - 1,2 Milliarden Euro verdient, 10 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Nach dem ersten Halbjahr - vor Beginn der gewöhnlich geschäftsträchtigeren zweiten Jahreshälfte - liegt der Betriebsgewinn mit 2,1 Milliarden Euro 8 Prozent höher.

Die operative Marge sank im zweiten Quartal ohne Berücksichtigung von Währungseinflüssen leicht um 0,2 Prozentpunkte auf 29,8 Prozent. Nach Steuern verdiente der Konzern mit knapp 65.000 Mitarbeitern 874 Millionen Euro, 5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Gesamtumsatz von SAP, zu dem auch noch die Erlöse aus Schulungen gehören, kletterte im zweiten Quartal erstmal über die Marke von vier Milliarden Euro und lag 4 Prozent höher als vor Jahresfrist.

rei/rtr

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