Freitag, 11. Oktober 2019

Unternehmer gründen Internet-Stiftung Was Oliver Samwer mit dem Andenpakt zu tun hat

Oliver Samwer: Der Rocket-Internet Chef macht mit einer Stiftung jetzt auch Politik

3. Teil: Weshalb die Wahl auf Pflüger fiel

Einem Einfluss dem die neue Stiftung nun offenbar etwas entgegensetzen will. Mit ihrer Forderungen nach Netzneutralität und einem schnelleren Ausbau der digitalen Infrastruktur dürfte sie bei den Bonnern jedenfalls auf wenig Gegenliebe stoßen.

Schließlich verdient der Konzern mit den Überholspuren im Netz gutes Geld. Und will statt sehr viel Geld für den Glasfaserausbau zu investieren, lieber bestehende Kupferkabel per sogenanntem "Vectoring" schneller machen, was allerdings die Konkurrenz außen vor lässt.

Die Forderung der Stiftung nach besseren Bedingungen und steuerlichen Anreizen für Risikokapitalgeber sind angesichts der Zusammensetzung des Stiftungsrates wenig überraschend. Die nach einem modernen Kartellrecht - unabhängig vom Firmensitz, ebenso. Eine Forderung, mit der sich sicher auch die Telekom anfreunden könnte.

Während sich Unternehmen wie Google mit ihrer Lobbyarbeit auf Brüssel konzentrieren, und dort jedes Jahr Millionen Euro ausgeben, um die politische Meinungsbildung zu ihren Gunsten zu beeinflussen, hat die "Internet Economy Foundation" ihren Sitz erst einmal in Berlin. Was sich die Macher der Stiftung ihre politische Arbeit kosten lassen wollen, blieb zunächst unklar.

Völlig aus den Augen scheint die Stiftung, die sich nach eigenen Worten aktuell noch im 1.0er-Stadium befindet, die Europapolitik aber auch nicht gelassen zu haben. Dagegen spricht ganz eindeutig die Personalpolitik. Dank derer dürften sie nämlich auch in Brüssel Gehör bekommen - zumindest noch die nächsten drei Jahre. So lange noch besetzt dort nämlich eine alter Andenpakt-Freund von Pflüger eine Schlüsselstellung: EU-Digitalkommissar Günther Oettinger.

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