Gewinn sinkt Samsung wird zum Gejagten

Der erfolgsverwöhnte Technologiekonzern Samsung wird zum Gejagten. Der Gewinn sinkt erstmals seit neun Quartalen, der Umsatz steigt langsamer. Samsung muss sich strategisch neu aufstellen.
Beim Gewinn zu stark auf Handys und Smartphones fixiert: Der südkoreanische Technologiekonzern Samsung spürt die neuen Wettbewerber empfindlich

Beim Gewinn zu stark auf Handys und Smartphones fixiert: Der südkoreanische Technologiekonzern Samsung spürt die neuen Wettbewerber empfindlich

Foto: Yonhap/ dpa

Seoul - In seiner Neujahrsansprache hatte Samsung Chairman Lee Kun-hee der Belegschaft des weltgrößten Smartephone-Herstellers kräftig eingeheizt. Sie sollten alte Gewohnheiten über Bord werfen, die neue Strategie beherzigen, sich stärker der Entwicklung innovativer Software denn der Hardware widmen, forderte der Seniorchef.

Das scheint auch notwendig, denn Apple und chinesische Rivalen machen Samsung das Leben zusehends schwer: Die Geschäfte des Technologiekonzerns liefen Ende 2013 schlechter als zuletzt. Der operative Gewinn sank im vierten Quartal erstmals seit neun Quartalen. Zugleich rutschte das Umsatzwachstum stark ab. Experten führen dies in erster Linie auf den harten Wettbewerb mit Konkurrenten wie Apple, gestiegene Marketingausgaben und höhere Bonuszahlungen an Mitarbeiter zurück.

Die Südkoreaner selbst begründen die schwachen Eckdaten für das vierte Quartal nicht. Der operative Gewinn fiel laut Samsung zwischen Oktober und Ende Dezember um rund 6 Prozent auf rund 8,3 Billionen Won, was umgerechnet 5,7 Milliarden Euro sind. Der Umsatz legte um rund 5 Prozent auf 59 Billionen Won zu.

Ganz ordentlich möchte man eigentlich meinen, doch das Umsatzwachstum des erfolgsverwöhnten Konzerns fiel damit deutlich geringer aus als zuletzt. Es war zudem der geringste Umsatzanstieg seit dem dritten Quartal 2011. Analysten hatten denn auch mit steigenden statt fallenden Gewinnen und einem höheren Umsatzplus gerechnet.

Verkauf von Samsung-Flaggschiff S4 dürfte eingebrochen sein

Zweifel, ob Samsung  bei Innovationen und Wachstum mithalten kann, hatten die Aktie seit vergangenem März um rund 17 Prozent gedrückt und die Talfahrt in Erwartung schwächerer Zahlen zuletzt sogar noch verschärft. Zuletzt konnte sich das Papier daher ein wenig erholen.

Details zum vierten Quartal sind noch nicht bekannt. Analysten schätzen aber, dass vor allem die neuen iPhone-Modelle des Konkurrenten Apple Samsung Probleme bereitet haben dürften. So soll der Absatz des Samsung-Flaggschiffs S4 nach Berechnungen von Daewoo Securities im vierten Quartal auf 13 Millionen Stück zurückgegangen sein. Das wären vier Millionen weniger als im Quartal davor.

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Samsungs Welt: Wo die Koreaner überall mitmischen

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Gleichzeitig wächst auch bei günstigen Geräten die Konkurrenz durch asiatische Billiganbieter - ganz besonders in China, wo einheimische Hersteller wie Lenovo, Yulong oder ZTE Samsung unter Druck setzen. Bisher ist Samsung Marktführer in China. Doch diese Stellung gilt zunehmend als gefährdet, auch weil Apples Geräte dort bald über China Mobile, den größten Mobilfunkanbieter des Landes, angeboten werden sollen.

Das ist insofern problematisch, als Samsung zwar eine große Palette an Konsumer-Technolgie bis hin zu medizinischen Technolgieprodukten abdeckt, den Löwenanteil seines Gewinns erwirtschaftet der Konzern aber immer noch aus dem Verkauf von Handys und Tablets. Analysten schätzen, dass der operative Gewinn in dieser Sparte weiter gestiegen sein dürfte und mit mehr als sechs Billionen Won rund drei Viertel zum Konzernergebnis beigetragen hat.

Doch klar ist, für Samsung wird es enger. Auf lange Sicht werden sich die Südkoreaner angesichts des verschärften Wettbewerbs durch aufsteigende asiatische Anbieter diese Unwucht in der Gewinnzusammensetzung nicht mehr leisten können. Chairman Lee Kun-hee weiß das nur zu gut.

rei mit dpa
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