Dienstag, 12. November 2019

Eigenes Betriebssystem Samsung wagt es ohne Google

Samsung Z: Der weltgrößte Smartphone-Hersteller will sein neues Handy mit hauseigenem Betriebssystem bald auf den Markt bringen

Samsung will sich mit einem eigenen Betriebssystem für Smartphones unabhängiger von Google machen. Im dritten Quartal soll das erste Modell mit der eigenen Software Tizen auf den Markt kommen.

Seoul - Bereits am Dienstag will der weltgrößte Smartphone-Hersteller Samsung den Prototypen des "Samsung Z" dem Fachpublikum auf einer Entwicklerkonferenz in San Francisco vorstellen, teilte der südkoreanische Konzern am Montag mit. Zuerst soll es dann in Russland angeboten werden, ehe weitere Länder folgen.

Mit dem Betriebssystem will Samsung den Aufbau eines eigenen Komplettangebots aus Software und Webshops nach dem Vorbild des US-Rivalen Apple vorantreiben, auch um den Umsatz mit Apps zu steigern. Bisher verwendet das Unternehmen vorwiegend das Android-System von Google.

Samsung nannte keine Absatzziele für das neue Smartphone. Im April hatten die Koreaner allerdings bereits mindestens zwei Tizen-Modelle in Aussicht gestellt. Samsung nutzt die Software schon für seine Computerarmbanduhr Gear 2.

In einer Präsentation des Konzerns ist das Samsung Z mit einem 4,8-Zoll-HD-Super-AMOLED-Display und einen Quadcore-Prozessor mit 2,3 GHz ausgestattet. Dazu kommen 2 GB Arbeitsspeicher, 16 GB interner Speicher sowie eine 8-Megapixel- und eine 2,1-Megapixel-Kamera. Auch einen Fingerabdruckleser bringt das Z mit. Als Stärke des auf Linux basierenden Tizen (zum Einsatz kommt die Version 2.2.1) preist Samsung unter anderem einen schnellen Startvorgang an.

Google spielt Samsungs Pläne herunter

"Es gibt noch viel Raum und gute Chancen für einen weiteren Anbieter. Wenn es ihnen gelingt, in den kommenden Jahren einen Anteil von 10 Prozent vom Markt mit zwei Milliarden verkauften Smartphones zu ergattern, wäre das ein schöner Erfolg", sagte Expertin Rachel Lashford vom Analysehaus Canalys.

Andere Experten warnen, es könnte schwierig für Samsung werden, ausreichend viele App-Entwickler für seine Plattform zu gewinnen. Der Markt wird von Google und Apple dominiert, kleinere Konkurrenten wie Blackberry oder Microsoft bedienen lediglich Nischen. Die Tizen-Software könnte Samsung sich allerdings bei künftigen Verhandlungen mit Google als nützlich erweisen, schätzt Analyst Lee Min-hee von IM Investment.

Google spielte diese Möglichkeit bislang herunter. An der langfristigen Partnerschaft mit Samsung ändere sich nichts, hatte etwa Android-Chef Sundar Pichai im Februar noch erklärt. Damals hatte Samsung seine Datenuhr mit dem Tizen-System vorgestellt. "Wir sind zwei große Unternehmen, die bei hunderten Projekten eng zusammenarbeiten. Und hier geht es nur um ein Gerät", sagte Pichai.

rei/rtr/dpa

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