Dienstag, 25. Juni 2019

Samsung Das Erbe des Lee Kun-hee

Samsungs Welt: Wo die Koreaner überall mitmischen
REUTERS

Apple reüssiert, Google brilliert, Microsoft euphorisiert - und was macht Samsung? Der Konzern warnt vor dem Ende des Smartphone-Booms und will künftig mit Waschmaschinen und Kühlschränken wachsen. Stößt die alte Strategie an Grenzen?

Seoul/Suwon - Am Rande des Ballungsraums Seoul, gut eine Stunde vom Kern der Millionenmetropole entfernt, liegt die Satellitenstadt Suwon. Die Stadt zählt rund eine Million Einwohner, so viel wie Köln. Sie ist von Hügeln umgeben, an deren Füßen sich hohe Betonsiedlungen aneinanderreihen. An vielen Häusern steht der Schriftzug des Bauträgers: Samsung. Auch der Name der städtischen Fußballmannschaft, die "Suwon Samsung Bluewings", lässt keinen Zweifel, für wen dies alles errichtet wurde.

Im Zentrum Suwons wird dies noch deutlicher. Kein Stadtkern, sondern ein Unternehmenscampus, auf dem rund 30.000 Menschen arbeiten, bildet das Herz der Stadt. Vier dunkelblau-gläserne Konzerntürme spiegeln sich im Himmel, so wie ein gläserner Dom. Bei Samsung heißt es, kein Gebäude in Asien nehme mehr Grundfläche ein als das Hauptquartier des Konzerns.

Selbst den Ort, an dem der inzwischen 71-jährige Konzernpatriarch Lee Kun-hee vor zwei Jahrzehnten den Aufstieg zum weltweit führenden Technologiekonzern begründete, hat sich Samsung in dieses Herz aus Glas und Stahl verpflanzt - die alte Inneneinrichtung des Konferenzsaals des Frankfurter Falkenstein Grand Kempinski Hotels: beige Teppiche mit lila Blumenmuster, die venezianische Lagune in Öl, Leuchten in Form von Stufenpyramiden.

Lee sprach drei Tage lang

Im Juli 1993 hatte Lee an jenem Ort das gehalten, was in Deutschland im Allgemeinen als Ruckrede bezeichnet wird - und Samsung-intern bis heute als "Frankfurter Erklärung" bezeichnet wird. Vor rund zweihundert zusammengerufenen Führungskräften des damals vor allem als Auftragsfertiger tätigen Großkonzerns, berichtete Lee darin von seinen Erfahrungen, die er auf einer Reise durch das noch von seinem Vater gegründete Firmenreich erfahren musste.

Besonders schockiert, so heißt es, sei er beim Besuch von Fachhändlern in den Vereinigten Staaten gewesen. Dort musste er feststellen, dass die eigenen Geräte in dunklen Ladenecken verstaubten, während die japanischen und amerikanischen Konkurrenzprodukte im Schaufenster standen.

Drei Tage lang sprach Lee. Über amerikanische, deutsche und japanische Konkurrenten. Über die Geschichte Samsungs, wie sich das 1938 gegründete Unternehmen vom Obst- und Trckenfischhändler zum Industriekonglomerat mit hunderttausend Mitarbeitern entwickelt hatte, das Elektronikkonzerne mit Bauteilen belieferte, Kühlschränke und Öltanker, Mikrochips und Fernseher baute, Bergwerke und Banken unterhielt. Und darüber, dass der Konzern dennoch den Anschluss zu verlieren drohte.

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