Colin Powells Salesforce-E-Mails geleakt Der geheime M&A-Wunschzettel des SAP-Rivalen

Salesforce-Chef Marc Benioff: "Wir schauen uns eine Menge an"

Salesforce-Chef Marc Benioff: "Wir schauen uns eine Menge an"

Foto: ELIJAH NOUVELAGE/ REUTERS

Einem Unternehmen, das stark auf Wachstum durch Zukäufe anderer Firmen setzt, kann kaum etwas Unangenehmeres passieren. Und die Attraktivität ehemaliger Spitzenpolitiker für Aufsichtsratsposten dürfte leiden.

Denn weil der frühere US-Außenminister Colin Powell im Aufsichtsrat des Firmenkunden-Cloud-Anbieters Salesforce  sitzt, finden sich auch etliche Dokumente des Konzerns in dessen E-Mail-Eingang, der im September als "DC Leaks" veröffentlicht wurde. Darunter auch, als "vertraulicher Entwurf" klassifiziert, eine von Mai datierte interne Präsentation zur M&A-Strategie.

Die hat sich jetzt das "Wall Street Journal" vorgenommen (kostenpflichtig) . Auf 60 Seiten haben die Salesforce-Strategen ausgeführt, welche Firmen sie gerne kaufen würden, welche Konkurrenten dabei vielleicht stören könnten und wie sich die Manager das taktische Vorgehen vorstellen. Jetzt, da die Absichten öffentlich ist, dürften solche Überlegungen hinfällig sein.

Kaum überraschend findet sich Demandware auf der Liste. Das Unternehmen (intern zeitweise unter dem Codenamen "Champagner" geführt, so wie andere Übernahmeziele auch als Weinsorten klassifiziert wurden) hat Salesforce tatsächlich im Juni für 2,8 Milliarden Dollar geschluckt.

"Champagner" geschluckt, "Burgunder" vergossen

Auch das Interesse von Salesforce an dem schließlich von Microsoft  gekauften Karrierenetzwerk LinkedIn (für Salesforce: Burgunder) ist längst öffentlich bekannt. Das Vorkaufsrecht für Microsoft wurde durchaus vermerkt. Eine weitere E-Mail an Powell enthüllt jedoch, für wie eng Salesforce-Chef Marc Benioff das Übernahmerennen hielt: "Wir waren näher dran, als wir dachten - 105 Dollar in bar plus 105 Dollar in Aktien hätten vielleicht gereicht!"

Brisanter jedoch sind all die Firmen, die Salesforce auch gerne kaufen würde, bisher aber noch nicht auf den Plan getreten ist. Selbst die Übernahme von Privatfirmen wie Quip, im August für eine halbe Milliarde Dollar gekauft, erfordert laut den geleakten Mails bis zu drei Jahre Vorarbeit - und da lauern noch nicht einmal die Risiken des Aktienmarkts.

Zu den insgesamt 14 benannten börsennotierten Zielen zählen auch Pegasystems, ein Hersteller von Automatisierungssoftware, und Photoshop-Macher Adobe , mit einem Börsenwert von gut 50 Milliarden Dollar noch größer als Salesforce selbst. Ein Drittel der Präsentation ist ServiceNow gewidmet (Codename Sonoma).

Pegasystems äußerte sich "geschmeichelt, auf der Akquisitionsliste einer anderen Organisation aufzutauchen". Man habe jedoch mit Salesforce keinerlei Gespräche dieses Inhalts geführt.

Salesforce versicherte gegenüber dem "Journal", einen "disziplinierten und durchdachten M&A-Prozess" zu verfolgen. Benioff hatte sich schon Anfang Oktober öffentlich verteidigt, "wir schauen uns eine Menge an", als das inzwischen wieder verworfene Interesse an dem Kurznachrichtendienst Twitter  ruchbar wurde. Für den ist das E-Mail-Leak besonders peinlich: Unter den 14 im Mai genannten Kaufobjekten taucht Twitter gar nicht auf.

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