Sonntag, 20. Oktober 2019

Ärger mit den Gewerkschaften Neuer Rückschlag für T-Mobile in den USA

John Legere: Den Ärger mit den Gewerkschaften hat der T-Mobile-US-Chef von seinen Vorgängern geerbt

Seit Jahren streitet sich die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen in den USA mit den Gewerkschaften, die dem Unternehmen schikanöse Arbeitsbedingungen und gezielte Einschüchterung von Gewerkschaftsangehörigen vorwerfen. Nun haben die Gewerkschaften einen Sieg erzielt: Die oberste Behörde für Arbeitsrechtsfragen, das National Labor Relations Board, verurteilte den Telekommunikationskonzern dazu, bestimmte "unfaire Geschäftspraktiken" in seinen Arbeitsvorschriften zurückzunehmen.

Die Entscheidung ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Die Telekom hat bis zum 22. April die Möglichkeit, gegen das Urteil von Richterin Christine E. Dibble vorzugehen. In der Branche wird auch erwartet, dass das Unternehmen dies tun wird. Beim Mutterkonzern in Bonn hieß es zunächst nur: "Wir prüfen das."

"Kein solcher Fall seit Walmart"

Für die Gewerkschaft, die sich bereits seit Jahren einen Machtkampf mit der T-Mobile US liefert, ist der Beschluss vom 18.März hingegen ein Meilenstein. "Wir haben keinen solchen Fall seit Walmart gesehen", sagte Larry Cohen, Chef der 700.000 Mitglieder starken US-Kommunikationsgewerkschaft CWA dem manager magazin. Der US-Händler hatte wegen wiederholten Arbeitsrechtsverstößen in den USA Strafen in Millionenhöhe kassiert.

Die Gewerkschaften werfen T-Mobile US schon seit Jahren vor, Mitbestimmung im Unternehmen massiv zu unterdrücken und die Wahl von Mitarbeitervertretern zu verhindern. Sie tragen die Problematik mit Unterstützung von Verdi gezielt nach Deutschland, das deutlich arbeitnehmer- und gewerkschaftsfreundlicher ist als die USA.

Telekom weist Anschuldigungen von sich

Die Telekom weist indes jede Schuld von sich. Natürlich könnte nicht prinzipiell ausgeschlossen werden, dass sich vereinzelte Mitarbeiter in der Vergangenheit falsch verhalten hätten, hieß es in der Vergangenheit. "Den Vorwurf der systematischen Gewerkschaftsbehinderung weisen wir aber strikt zurück", betonte ein Telekom-Sprecher gegenüber manager magazin. Bislang habe T-Mobile US auch "keinen einzigen entsprechende Fall vor einem US-Arbeitsgericht verloren", betonte er.

Die Telekomtochter T-Mobile US hat nun bis zum 22. April Zeit, ihr Mitarbeiterhandbuch den Anforderungen der Richter entsprechend zu verändern. Oder der Telekommunikationskonzern - und womöglich auch die Gewerkschaften - gehen in Revision. Dann dürfte der seit Jahren schwelende Machtkampf noch ein paar Jahre weiter gehen.

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung