Freitag, 15. November 2019

Rockets Fehlstart an der Börse Feueralarm im Handelssaal

Keine Kursrakete: Oliver Samwer hatte vor Handelsbeginn noch die Hörner des Bullen gestreichelt - doch nach dem Fehlstart von Rocket verzogen sich viele Banker in die Lounge. Samwer immerhin stand tapfer Rede und Antwort

Rocket Internet hat den Start an der Börse verpatzt, der Kurs der Aktie fiel zweistellig. Banker wurden blass und flüchteten in die abgeschirmte Lounge. Nur Rocket-Chef Oliver Samwer blieb stoisch ruhig.

Frankfurt am Main - Firlefanz war am Mittwoch, Nüchternheit am Donnerstag. Zalando Börsen-Chart zeigen ging mit Modells, Konfetti, Lametta und viel Tamtam an die Börse, Rocket Internet mit Bankern, Bankern und noch mal Bankern. Die Abgrenzung zum Vortag hätte größer kaum sein können.

Und sie war bewusst gewählt. Es sollte zurückhaltend sein, das Gegenteil dessen, wofür allen voran Rocket-Chef Oliver Samwer bekannt ist.

Binnen zwei Tagen sind die zwei wichtigsten Gewächse der Internetunternehmer Oliver, Marc und Alexander Samwer an die Börse gegangen. In der deutschen Internetszene sind sie zweifelsohne die erfolgreichsten, aber auch die umstrittensten Manager. Es gibt nur wenige Gründer in Berlin, die nicht irgendwann einmal bei den drei Brüdern angeheuert haben. Die Samwers sind hierzulande Maßstab für eine ganze Branche, aber auch Prügelknaben für all das, was vermeintlich falsch läuft.

42,50 Euro: Rocket und die Banker haben zu dick aufgetragen

Nun hatten sich die Berater um Oliver Samwer also einen leisen Börsengang vorgestellt. Der Börsenkurs sollte für sich sprechen. Und man kann sagen, Rocket und die Banken haben bei der Preisspanne dick aufgetragen. Sie wählten den höchsten Betrag von 42,50 Euro je Aktie - zu diesem Kurs wäre Rocket Internet an der Börse mit 6,7 Milliarden Euro bewertet und damit teurer als die im Dax notierte Lufthansa.

Einige Banker sagten, die Aktie sei zehnfach überzeichnet gewesen, andere wollten sich nur auf eine mehrfache Überzeichnung festlegen und wieder andere behaupteten, man habe das gar nicht bekannt gegeben. Am Ende stand immerhin ein Emissionsvolumen von bis zu 1,6 Milliarden Euro zu Buche.

Es war der größte Börsengang eines Internetunternehmens in Europa seit dem Boom-Jahr 2000. Dabei schreibt die Internetbrutstätte mit 50,7 Millionen Euro nur einen niedrigen Gewinn und selbst die erfolgreichsten Startups der Holding machen noch Verluste. Wer in Rocket investiert, der muss die bei Startups nötige und übliche Geduld sowie eine große Portion Vertrauen mitbringen. Zumal Rocket, anders als Zalando, nur den so genannten Entry Standard wählte, damit geringeren Publizitätspflichten unterliegt. Und auch die Zeichner der Aktie brauchen angesichts der zweistelligen Verluste am ersten Handelstag starke Nerven.

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