Mittwoch, 1. April 2020

Börsengang Rocket Internet hat bereits alle Aktien bei Investoren untergebracht

Viel Geld wert: Zentrale von Rocket Internet in Berlin

Der Alibaba-Hype schlägt bis nach Deutschland durch: Der deutsche Startup-Entwickler Rocket Internet hat bereits alle Aktien platziert. Es zeichnet sich der größte deutsche Internet-Börsengang seit dem Platzen der New-Economy-Blase ab.

Der Hype um das fulminante Börsendebüt des Internet-Konzerns Alibaba schwappt nach Deutschland über: Nach Informationen von manager magazin hat der deutsche Tech-Konzern Rocket Internet bereits weit vor Ablauf der Zeichnungsfrist alle Aktien für den anstehenden Börsengang bei Investoren platziert. Damit zeichnet sich einer der größten Börsengänge in Deutschland seit über einem Jahrzehnt ab.

Rocket-Chef Oliver Samwer hat die Meldung mittlerweile bestätigt. Auch der Greenshoe, also die Option zusätzliche Papiere zum Emissionspreis auszugeben, seit bereits platziert.

Rocket Internet teilt seine Firmen in mehrere Kategorien auf: Laut Börsenprospekt sind das zum einen die "proven winners", zu denen etwa die Möbelversender Home24 und Westwing gehören ebenso wie die Zalando-Schwesterfirmen Dafiti in Brasilien und Lamoda in Russland. Laut früheren Veröffentlichungen kamen diese Firmen 2013 auf Umsatzerlöse von insgesamt 743 Millionen Euro bei Verlusten von insgesamt 432 Millionen Euro. Wie aus dem Börsenprospekt hervorgeht, haben aber sowohl Dafiti wie auch Lamoda - nach Zalando mit die größten Hoffnungsträger innerhalb des Rocket-Imperiums - die Verluste im Vergleich zum Vorjahr deutlich erhöht, Dafiti in Euro-Beträgen sogar verdoppelt. Die beiden Unternehmen befinden sich damit nicht auf dem Pfad der Profitabilität. Rocket-Gründer Oliver Samwer hatte angekündigt, Rocket in die Gewinnzone führen zu wollen.

Daneben listet Rocket noch die Kategorie der so genannten "Emerging Stars" auf. Dazu zählen der Airbn-Klon Wimdu, der Essenslieferservice Foodpanda oder das Putzhilfe-Portal Helpling. Insbesondere Wimdu gilt aber als eher erfolglos und musste seine Geschäfte in der Vergangenheit deutlich zurückfahren. Die Kennzahlen zu diesen Unternehmen sind dürftig, wie auch insgesamt das Börsenprospekt nicht den Standards gehobener Bilanzführung entspricht. Entsprechend wird Rocket zunächst im Entry Standard gehandelt werden. Die Investoren schrickt das aber derzeit nicht ab.

Rocket Internet hatte gestern Abend mitgeteilt, in den kommenden zwei Wochen bis zu 1,61 Milliarden Euro bei Investoren einsammeln zu wollen - doppelt so viel wie im Vorfeld erwartet. Die Preisspanne für die bis zu 37,9 Millionen neuen Aktien wurde am Dienstag auf 35,50 bis 42,50 Euro festgesetzt. Das Unternehmen wird damit mit bis zu 6,7 Milliarden Euro bewertet. 24 Prozent von Rocket Internet sollen nach dem Gang an die Börse bei neuen Investoren liegen. Als Börsenstart ist der 9. Oktober vorgesehen.

Da die Nachfrage schon jetzt so groß ist, dürfte bei dem Börsengang die obere Preisspanne erreicht werden. Rocket hatte aufgrund regen Interesses seitens der Investoren in den vergangenen Wochen ohnehin schon das Volumen der Platzierung neuer Aktien verdoppelt. Rocket hat zudem die Möglichkeit, sollte die Aktie überzeichnet sein, weitere Aktien zu platzieren (Greenshoe).

Die 2007 gegründete Startup-Fabrik der Samwer-Brüder Marc, Oliver und Alexander, hatte gestern zudem in einem Börsenprospekt Geschäftszahlen der insgesamt rund 70 Startups veröffentlicht. Demnach schreibt keines bisher Gewinne, die Unternehmen - meist Kopien von US-Unternehmen wie Airbnb - wachsen aber schnell.

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