Samwer-Offensive nach Kurssturz Oliver Samwer will Rocket Internet besser erklären

Verstehen Rocket-Investoren das Geschäftsmodell einer Wagniskapital-Gesellschaft nur falsch? Das suggeriert Rocket-Internet-Chef Samwer - und will sich mehr auf das Erklären denn auf (kurzfristige) Erfolge konzentrieren.
Immer noch keine Gewinne und die Aktie im Vergleich zum Börsengang am Boden: Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer sieht jetzt offenbar mehr Erklärungsbedarf

Immer noch keine Gewinne und die Aktie im Vergleich zum Börsengang am Boden: Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer sieht jetzt offenbar mehr Erklärungsbedarf

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Rocket-Internet-Gründer Oliver Samwer will seine Aktionäre nach dem Kurssturz von der langfristigen Perspektive der Internet-Beteiligungsgesellschaft überzeugen. "Die kurzfristige Optimierung des Börsenkurses und der Kommunikation ist für mich kein Thema mehr", sagte er der "Süddeutschen Zeitung" (Montagausgabe). "In fünf oder zehn Jahren müssen wir besser verstanden werden."

Ob die Investoren so lange warten werden, darf bezweifelt werden. Die seit Oktober 2014 notierte Aktie hat ihren Anlegern bislang wenig Freude gemacht. Mit rund 20 Euro ist das Papier nicht einmal die Hälfte der Erstnotiz wert und noch weiter entfernt von ihrem kurzfristigen Höchststand im Jahr 2015.

Rocket Internet schreibt bislang Verluste, die 2015 bei stagnierenden Umsätzen deutlich anzogen. Die Beteiligungen liefern ebenfalls noch keine Gewinne. Das Szenario, dass den Investoren bald die Geduld gänzlich abhanden kommen könnte, schließt Samwer offenbar nicht mehr aus. Das Problem aus seiner Sicht: Scheinbar verstünden die Investoren das Geschäftsmodell nicht.

In Deutschland sei es schwer, das Geschäftsmodell einer Wagniskapitalgesellschaft zu erklären. "Bei Rocket Internet haben wir übrigens eine große Bereitschaft zum Scheitern. Bei anderen explodiert nicht jeden Tag irgendein Geschäft." Deshalb müsse er viel kommunizieren und erklären.

Zuletzt machte Rocket erneut Negativschlagzeilen, weil Großinvestor Kinnevik die Luft aus Rockets Modegeschäft abließ. Er schrieb den Wert seines Anteil an der Rockets Global Fashion Group (GFG) um 38 Prozent ab und führte damit Konzerngründer Oliver Samwer vor. Rocket zog mit einer eigenen Mitteilung nach und verkündete seinerseits eine fast zwei Milliarden Euro hohe Abschreibung auf seine in der GFG gebündelten sechs Modehändler. Zugleich schossen Rocket und Kinnevik zusammen 300 Millionen Euro frisches Geld nach.

Womöglich sei der Bedarf der GFG an flüssigen Mitteln falsch eingeschätzt worden. Trotzdem halte Rocket Internet an den Beteiligungen fest. "Wir werden mit dem investierten Kapital einen guten Return machen", versichert Samwer in dem Zeitungsinterview.

In der vergangenen Woche schließlich verließen die beiden Vertreter des schwedischen Investors Kinnevik den Aufsichtsrat. Vorausgegangen war ein Streit zwischen Kinnevik-Chef Lorenzo Grabau und Samwer.

Auch hier hat der Rocket-Internet-Gründer seine ganz eigene Interpretation der Ereignisse: "Die Veränderungen im Aufsichtsrat geschehen nicht aus Gegnerschaft, sondern aus der Überzeugung, das Unternehmen weiter voranzutreiben."

rei mit Reuters
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