Mittwoch, 19. Juni 2019

Rocket-Tochter investiert 529 Millionen Euro Rocket baut an einer der weltweit größten Imbissbuden

Delivery Hero: "Lieferheld" heißt in Deutschland die Rocket-Beteiligung an dem Essenslieferanten. Über Delivery Hero hat Rocket seine Position auf dem türkischen Markt ausgebaut.

Der Berliner Startup-Entwickler Rocket Internet baut das Geschäft mit Essens-Lieferdiensten noch stärker aus. "Es wird dort jede Menge Wachstum geben", kündigte Rocket-Chef Oliver Samwer am Montag in London an.

Die Rocket-Beteiligung Delivery Hero ("Lieferheld") übernehme den türkischen Marktführer Yemeksepeti für 529 Millionen Euro. Dies sei die größte Übernahme weltweit, die es in diesem Bereich bisher gegeben habe, teilte das Berliner Startup am Dienstag mit.

Rocket will die weltweit größte Online-Imbiss-Gruppe außerhalb Chinas formen. Es hält an Delivery Hero 40 Prozent der Anteile. An den auf Entwicklungs- und Schwellenländer fokussierten Essenslieferanten Foodpanda ist Rocket mit 50 Prozent beteiligt. Hinzu kommen Tochterfirmen in Spanien und Italien. Am Kochbox-Anbieter Hello Fresh hält Rocket mit 52 Prozent die Mehrheit. Rocket wolle bei allen Beteiligungen die Anteile zu Mehrheiten ausbauen. Erst bei einem Anteil von 50 Prozent kann das Unternehmen die Umsätze von Beteiligungen selbst buchen. Der Wert der Essens-Lieferdienste betrage laut Rocket mittlerweile insgesamt fast 1,8 Milliarden Euro und mache 38 Prozent des Unternehmenswertes von Rocket aus.

An Yemeksepeti war das Berliner Unternehmen bereits zuvor mit 11,4 Prozent beteiligt. Die Anteile brachte Rocket nun in Delivery Hero ein und steuerte im Rahmen der Transaktion 61,3 Millionen Euro bei. Yemeksepeti sei einer der Pioniere der Essenslieferungen gewesen, sagte Samwer in einer Telefonkonferenz. Nevzat Aydin hatte sein Unternehmen 2001 gegründet. Rocket investierte vor Jahren zwei Millionen Euro in das Unternehmen.

Rocket Internet fällt in die Verlustzone

Die Übernahme hatte Rocket am Morgen vor Veröffentlichung der Jahreszahlen bekanntgegeben. Die Rocket Internet machte im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 104 Millionen Euro (+43 Prozent) 20,2 Millionen Euro Verlust, nach einem Gewinn von 147,1 Millionen Euro im Vorjahr. Das Unternehmen führt das Ergebnis auf den Börsengang im Oktober zurück und darauf, dass es im vergangenen Jahr keine größeren Firmenverkäufe gab. Samwer sprach von einem exzellenten Jahr. 2015 sollen dem Rocket-Chef zufolge zehn weitere Jungfirmen hinzukommen. Dank eines Bargeldbestands von 1,4 Milliarden Euro im April dürfte zunächst genügend Geld für Investitionen vorhanden sein.

Rockets Geschäftsmodell ist es, Online-Unternehmen aufzubauen. Seit dem Börsengang habe man den Wert der wichtigsten Beteiligungen um zwei Milliarden Euro auf 4,6 Milliarden Euro erhöht, hieß es. Das Unternehmen hatte bei seinem Börsengang im Oktober 2014 rund 1,4 Milliarden Euro eingenommen. Die Aktien sind im nur schwach regulierten Entry Standard gelistet.

Rocket nutzt bewährte Internetgeschäftsmodelle, überträgt sie auf neue Märkte vor allem in Schwellenländern und Europa, um sie dort groß zu machen. An diesen nunmehr mehr als 100 Startups hält Rocket Internet in der Regel nicht die Mehrheit. Zum Rocket-Portfolio gehören unter anderem Startups wie HelloFresh, die Onlinemodehändler Dafiti sowie die Online-Möbelhändler Westwing und Home24.

Nevzat Aydin, Chef von Yemeksepeti, hatte den Online-Essenslieferanten gegründet und zum Marktführer in der Türkei gemacht

Mit Material von Reuters und dpa

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