Freitag, 29. Mai 2020

Weitere Börsengänge nicht vor 2017 Oliver Samwer strapaziert die Geduld seiner Aktionäre 

Oliver Samwer: Der Rocket-Chef gerät immer mehr unter Druck. Die Aktie hat sich seit ihrem Börsengang halbiert

Die Verluste der Rocket-Beteiligungen werden geringer, aber zugleich verlieren auch die wichtigsten Umsatzbringer an Schwung. Weitere Börsengänge wird es wohl nicht vor 2017 geben, sagt Oliver Samwer. Die Aktie fällt deutlich.

Geduld ist nicht unbedingt die starke Seite von Oliver Samwer. Dem Internetinvestor kann es - zumindest im Arbeitsalltag - eigentlich nie schnell genug gehen. Am liebsten erledigt er gleich mehrere Dinge gleichzeitig.

Von seinen Aktionären fordert Samwer nun allerdings Geduld - womit sich einige Investoren mittlerweile aber schwer tun. Nach Bekanntgabe der Zahlen für den Jahresauftakt 2016 gab die Rocket-Aktie am Dienstag mehr als 5 Prozent nach. Damit hat das Rocket-Papier seinen Wert seit dem Börsengang mehr als halbiert.

Geduld brauchen Aktionäre gleich in mehrfacher Hinsicht: Angesichts ehrgeiziger Wachstumspläne wachsen bei einigen der 13 wichtigsten Rocket-Beteiligungen weiter die Verluste. So sprang bei dem bereits als Börsenkandidat gehandeltem Kochboxen-Versender HelloFresh der Umsatz binnen eines Jahres von 45,4 auf 141,4 Millionen Euro - aber auch der Verlust (Ebitda) von 7,3 auf 27,3 Millionen Euro.

Bei anderen Firmen gingen die Verluste zwar deutlich zurück - allerdings verlangsamte sich damit auch häufig das Wachstum. Insgesamt verbesserte sich laut Rocket das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Schnitt um 23 Prozent. Das Minus sei um über 40 Millionen Euro auf 141 Millionen Euro gedrückt worden.

Beteiligungen schreiben weiter Verluste - Umsätze wachsen langsamer

Die Gesamtumsätze der Beteiligungen kletterten um 34 Prozent auf 534 Millionen Euro - damit aber deutlich langsamer als im Vorjahr. Inklusive des mittlerweile abgestoßenen Online-Markplatzes Lazada war Rocket mit seinen größten Beteiligungen im Vorjahreszeitraum noch auf Erlöse von 590 Millionen Euro gekommen - ein Plus von 149 Prozent im Vergleich zu 2014.

Auch ein möglicher Börsengang eines Portfoliounternehmens, den Samwer seinen Aktionären noch im vergangenen September innerhalb der nächsten 18 Monate in Aussicht gestellt hatte, letztlich aber am Widerstand des Großinvestors Kinnevik gescheitert war, lässt weiter auf sich warten.

Im laufenden Jahr werde das wohl eher nichts, räumte Samwer am Dienstag ein. Ein Börsengang 2016 sei "sehr unwahrscheinlich".

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