Mittwoch, 26. Juni 2019

eVentures sammelt 150 Millionen Dollar ein Neuer Fonds: Rewe, Haniel, Oetker und Porsche geben Geld für Startups

Kennt man: Blick vom Brandenburger Tor. Kennt man nicht: Deutsche Unternehmen investieren in Startup-Fonds.

Deutsche Unternehmen engagieren sich zunehmend finanziell bei Risikokapitalfirmen. Der international agierende Risikokapitalgeber Eventures (e.ventures) hat einen neuen Fonds in Höhe von 150 Millionen Dollar für Frühphasen-Investments geschlossen. Zu den Geldgebern gehören unter anderem die Otto Gruppe, Rewe, Haniel, Oetker und auch die Porsche AG aus Zuffenhausen.

Erst vor einer Woche hatte der Berliner Wagnis-Kapitalgeber Cherry Ventures einen neuen Fonds für Frühphaseninvestments ebenfalls in Höhe von 150 Millionen Euro geschlossen. Auch Cherry Ventures erhielt unter anderem von Haniel und

ProSiebenSat1 Geld. Der ebenso in der Hauptstadt ansässige Risikokapitalgeber Project A konnte nach Informationen von manager-magazin.de neben der Otto Gruppe ebenfalls mehrere deutsche Familienunternehmen für ein Investment in den neuen Fonds in Höhe von mindestens 120 Millionen Euro gewinnen.

Die Investments zeigen, dass deutsche Unternehmen zunehmend die Nähe zur Digitalbranche suchen. In der Vergangenheit beteiligten sich überwiegend Finanzinvestoren an Risikokapitalgebern. Für ihre mangelnde Bereitschaft, direkt in Start-ups zu investieren, ernteten deutsche Unternehmen zuletzt auch Kritik aus der Bundesregierung. Deutsche Gründer und Risikokapitalgeber hatten immer wieder darauf hingewiesen, im Vergleich zu Fonds amerikanischer Wagniskapitalgeber über zu wenig Investmentkapital zu verfügen.

Es sei neu, dass sich neben der Otto Group auch andere Familienunternehmen und Konzerne für Venture Fonds öffneten, sagte Christian Leybold, Co-Gründer und Partner bei Eventures, manager-magazin.de. Otto hatte sich sowohl an Eventures als auch bei Project A mit hohen Millionensummen an Fonds beteiligt. Durch die Investments erhalten die Unternehmen einen Einblick in die Startup-Szene und könnten lernen, wie die Digitalisierung das Konsumentenverhalten verändere, sagte Leybold. Umgekehrt erhielten Startups Kontakte zu etablierten Unternehmen. Eventures versteht sich wie viele andere Risikokapitalgeber nicht nur als Geldgeber, sondern hilft den Startups auch im operativen Geschäft.

Neben dem nun geschlossenen neuen Fonds für Europa kann Eventures für Anschlussfinanzierungen zudem aus einem Wachstumsfonds in Höhe von 290 Millionen Dollar schöpfen. Insgesamt verwaltet der Risikokapitalgeber Vermögen von 1 Milliarde Dollar und hat Büros in Berlin, San Francisco, Peking, Tokyo, Moskau und Sao Paulo. Eventures war unter anderem am Unterhaltungselektroniker Sonos (Verkauf) und dem Gutscheinvermarkter Groupon (Börsengang) beteiligt. Zum aktuell bekanntesten Investment zählt das Engagement beim Onlineluxus-Modehändler Farfetch.

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Foto: AP/dpa

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