Freitag, 22. November 2019

Digitalbank zählt acht Millionen Kunden Wie Revolut das irre Rennen mit N26 anheizt

Präsentation der Revolut-Metallkarte

Nikolaj Storonsky hat ein klares Ziel: die Nummer eins zu werden. Seine Londoner Firma Revolut hat laut Sky News und anderen Medienberichten die Bank JPMorgan damit beauftragt, Geldgeber für 1,5 Milliarden Dollar neues Kapital zu finden: 500 Millionen Dollar in neuen Aktien, der Rest über Wandelanleihen.

Das Fintech würde damit in den exklusiven Club der Start-ups vorstoßen, die in einer einzelnen Finanzierungsrunde einen Milliardenbetrag einsammeln. Eine gesamte Firmenbewertung in dieser Höhe, die den "Einhorn"-Status verleiht, beeindruckt schon lange niemanden mehr.

Als Bewertung, ließ Revolut durchsickern, strebe man bis zu zehn Milliarden Dollar an. Damit wäre es mit Abstand das führende Fintech in Europa - und würde den direkten Konkurrenten N26 aus Berlin auf die Plätze verweisen, der mit seiner jüngsten Kapitalerhöhung im Juli auf 3,5 Milliarden Dollar kam. Der Wettbewerb fällt in eine Zeit, in der N26 wegen Problemen mit Lastschriften ohnehin regelmäßig in der Kritik steht.

Gemessen an der Kundenzahl liegt Revolut ohnehin vorn unter den europäischen "Challenger Banks", die einfache Finanzdienste per App anbieten und Kreditkarten vermitteln. Und das Tempo der Kundenjagd beschleunigt sich noch deutlich. Während N26 im Sommer - passend zu 3,5 Milliarden Dollar Firmenwert - den 3,5-millionsten Kunden feierte, ist die Zählung auf der Revolut-Website inzwischen bei über acht Millionen angekommen, davon alleine drei Millionen in der britischen Heimat und 1,1 Millionen täglich aktive Nutzer weltweit.

Selbst auf dem kleinen Schweizer Markt, offenbarte Revolut nun der "Handelszeitung", habe man seine Präsenz seit vorigem Jahr auf 250.000 Nutzer verfünffacht - so viele wie zuletzt auch aus Deutschland gemeldet, aber diese Zahl stammt von Juli und ist damit vermutlich längst überholt. N26 seinerseits legte in der vergangenen Woche nach, man habe nun eine Million Kunden alleine in Frankreich.

Das Wachstum geht ohne Rücksicht auf Verluste. Das zeigt auch der nun veröffentlichte Geschäftsbericht von Revolut für 2018. Im vergangenen Jahr vervierfachte Revolut seinen Ertrag demnach auf 58 Millionen Pfund, verdoppelte zugleich aber auch den Verlust auf knapp 33 Millionen Pfund. Schwer zu sehen, wie der Firmenwert von rund 1000 Dollar pro Nutzer mit realen Erträgen zu untermauern sein wird - selbst wenn sich ein Teil von ihnen für Premium-Produkte wie die Metallkarte von Revolut entscheidet.


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Das Wachstum wird auch gebraucht, um Zweifel am Geschäftsmodell zu überdecken. So gerät Revolut immer wieder mit der Bankenaufsicht oder Kunden in Konflikt. Nach wie vor ungeklärt ist, ob das Unternehmen seine Ende 2018 in Litauen erworbene EU-Banklizenz auch nutzen darf. Bereits drei Untersuchungen liefen in diesem Jahr, weil litauische Parlamentarier Storonsky misstrauen, dessen Vater als Manager für den staatlichen russischen Gaskonzern Gazprom arbeitet. Der Eintritt in den US-Markt steht schon seit Jahren laut offiziellen Bekundungen immer kurz bevor, doch die Erfolgsmeldungen bleiben aus.

Als neues Wachstumsfeld hat Revolut nun eine eigene Konto-App für Kinder entdeckt. Ironie der Geschichte: Mit genau dieser Idee waren die Gründer von N26 einst gestartet (unter dem Namen Papayer), hatten sie aber schnell verworfen.

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