Mittwoch, 26. Februar 2020

Papierloses Büro Start-up-Kampf um die Zettelwirtschaft

2. Teil: Theoretiker gegen Problemlöser

So planvoll die Smarchive-Gründung verlief, so anders ging es bei der Gründung des deutschen Wettbewerbers Doo zu. Dies gilt schon bei der Auswahl der Stadt Bonn als Firmensitz. Die Ex-Hauptstadt ist schlicht die Heimat des Seriengründers und Start-up-Investors Frank Thelen. Und auch dessen Geschäftsidee entsprang weniger einer theoretischen Abhandlung als einem alltäglichen Problem. "Ich habe ständig Quittungen verloren." Eine Eigenschaft, die seine Frau zur Weißglut gebracht habe. "Nach einigem Nachdenken habe ich ihr dann versprochen, ich kann dieses Problem lösen", sagt Thelen.

Dass er weiß, wie man unternehmerisch Probleme löst, hat er in der Vergangenheit mehr als einmal bewiesen. Den Durchbruch schaffte er mit einem Unternehmen namens IP Labs. Das Unternehmen bot sehr früh eine Plattform an, um Digitalkamerafotos online mit anderen zu teilen und sie bei Fotolaboren als analoge Abzüge zu bestellen. Ihre Whitelabel-Lösung verkauften Thelen und seine Mitstreiter an Branchengrößen wie Amazon, Wal-Mart, Media-Markt, T-Online oder dm. Das Unternehmen wurde schließlich für einen zweistelligen Millionenbetrag an Fujifilm verkauft.

Im Anschluss steckte Thelen sein Geld und Know-how in andere Start-ups: darunter die Einkaufsbroschüren-App Kaufda, die virtuelle Taxizentrale MyTaxi und das auf Aufgabenmanagement per Smartphone spezialisierte Start-up 6Wunderkinder. "Irgendwann haben wir uns gesagt, Investments sind zwar gut, aber wir wollen eigentlich mal wieder etwas Eigenes bauen", sagt Thelen. Wir, dass sind er und seine zwei langjährigen Geschäftspartner Alex Koch, der vor allem für IT-Themen wie Serverinfrastrukturen verantwortlich ist, und Marc Sieberger, der sich auch bei Doo um das operative Geschäft und die Finanzen kümmert.

Kurzer cooler Name

Doch wofür steht Doo? Erstmal für - nichts. "Es ist ein Kunstname", sagt Thelen, "kurz und cool." Mit dem Vorteil, dass sich die Gründer - anders als es im Falle von iDocuments oder anderen Namen möglich gewesen wäre - sämtliche Namensrechte, Twitter-Accounts et cetera sichern konnten. "Wir haben die Marke weltweit registriert", sagt Thelen. Und das, so wundert er sich bis heute, obwohl auch der IT-Konzern Salesforce ein Task-Management-Produkt namens "Doo" am Markt vertreibe.

Inhaltlich bleibt die Produktbeschreibung indes schwammig. Es gehe darum, Dokumente so aufzubereiten, dass sie digital funktionieren, sagt Thelen. "Wir haben nicht die drei Funktionen, die dann in drei Monaten auf dem Markt sein und dann irgendwann von so und soviel Usern genutzt werden." Zwei Jahre arbeiten der IT-Unternehmer und sein Team von derzeit 45 Mitarbeitern inzwischen an ihrem Produkt. "Wir nehmen uns den Luxus, auch ein bisschen zu forschen", sagt der Gründer. So soll einst eine Oberfläche entstehen, die verschiedenste Daten einsammelt - von Speicher- und Cloud-Diensten wie Dropbox oder Evernote, über E-Mail-Konten bis hin zu Kundenportalen etwa von Vodafone oder der Telekom, Eon oder RWE. "Das nehmen wir alles, und legen dann Intelligenz oben drauf."

Von dieser Vision eines papierlosen Heimbüros hat der Unternehmer auch einige Wagniskapitalgeber überzeugt. Alles in allem zehn Millionen Dollar haben unter anderem Xing-Gründer Lars Hinrichs, Managementberater Hermann Simon (Simon-Kucher & Partners), der DuMont-Verlag und der Münchner Venture-Capital-Geber Target Partners in Doo investiert. Noch in diesem Jahr sei eine weitere Finanzierungsrunde geplant, so Thelen.

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