Dienstag, 28. Januar 2020

Datenkrake Palantir und die dunkle Seite der Macht

Alex Karp, Doktor der Philosophie und Chef der Softwarefirma Palantir. Seit bekannt ist, dass Palantir zur Tötung von Osama bin Laden beigetragen haben soll, begleiten ihn Bodyguards.

3. Teil: Idealistische Motive, von der Realität eingeholt

Karp und Thiel betonten in der Vergangenheit gerne die idealistische Mission Palantirs. Die Software solle die Welt verbessern. Sie solle den Terrorismus eindämmen und gleichzeitig die Bürgerrechte bewahren. Das ist ein Spagat, den Regierungen in den USA oder Großbritannien im vergangenen Jahrzehnt gar nicht erst versucht haben.

Palantir hatte den Nimbus in der Öffentlichkeit spätestens 2011 verloren, als durch Enthüllungen der Hacker-Gruppe Anonymous bekannt wurde, dass ein Mitarbeiter des Unternehmens gemeinsam mit anderen den Geheimdiensten nahestehende Firmen Wege finden wollte, die Enthüllungsplattform Wikileaks zu diskreditieren. Die Plattform hatte gedroht, Dokumente über die Bank of America zu veröffentlichen. Es sollten Fehlinformationen über Wikileaks verbreitet werden, auch über Journalisten wie Glenn Greenwald, der im vergangenen Jahr für die Snowden-Enthüllungen den renommierten Pulitzer-Preis erhielt.

Karp entschuldigte sich zwar, stellte den Mitarbeiter frei und soll innerhalb des Unternehmens stärker ethische Bedenken berücksichtigt haben. Die Ernsthaftigkeit seiner Entschuldigung wurde von Kritikern wie Bürgerrechtlern allerdings infrage gestellt, als bekannt wurde, dass der Mitarbeiter wieder ins Unternehmen zurückgeholt wurde.

Erschwerend kommt hinzu, dass seit den Enthüllungen durch Edward Snowden auch gefragt wird, ob Palantir zweifelfrei ausschließen kann, ob das hochgelobte Analysetool auch zur Auswertung der durch die massenhafte Überwachung erspähten Daten, etwa aus Online-Netzwerken, genutzt wird.

Software, die hilft, Menschen zu töten

Palantir gibt zwar an, Schutzmechanismen in die Software eingebaut zu haben, die nicht jedem den Zugang zu Daten erlaubt und die Ermittlern im Zweifelsfall zeigen, ob man sich an die Regeln gehalten hat. Dieser Schutzmechanismus ist aber nur in der Software für den privaten Sektor verpflichtend, nicht in der für Behörden.

"Sie sind eine Schlüsselfirma in der Überwachungsindustrie, aber sie verschließen die Augen vor der Wahrheit", sagte Christopher Soghoian, ein Softwarespezialist der US-Bürgerrechtsvereinigung ACLU, der "New York Times".

Karp bestätigte immerhin der US-Zeitung, dass das US-Militär durch Palantirs Hilfe Menschen töte - aber nur jene, mit denen das Land im Krieg sei. Sein Unternehmen entwickle etwas zur Verbesserung der Welt, aber es sei sich ebenso über die Realität der Welt bewusst.

Zur Realität gehört dann eben auch, dass Palantir in einer boomenden Branche tätig ist. Wer einmal in den Geschäftsberichten großer Rüstungskonzerne stöbert, wird schnell feststellen, dass die Softwarekompetenz immer stärker gefragt ist. Dafür geben Regierungen und ihre Behörden Milliarden aus.

Auch andere Branchen suchen Wege mit großen Datenmengen umzugehen. Insofern dürfte Palantir leicht Investoren finden.

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