Donnerstag, 12. Dezember 2019

Datenwolke Wie Cloud-Dienste die Datensicherheit erhöhen können

Cloud-Computing: die NSA-Affäre hat dem Wachstum einen Dämpfer versetzt

Der NSA-Skandal hat das Vertrauen vieler Firmen in die Cloud-Technologie belastet, Projekte mit der Datenwolke wurden zurückgestellt. Dabei gehen Experten davon aus, dass die Cloud die Datensicherheit in vielen Unternehmen sogar erhöhen kann.

Köln - Die Abhör-Affäre um den US-Amerikanischen Geheimdienst National Security Agency (NSA) ist nicht ohne Folgen geblieben - auch nicht für Unternehmen, die auf Cloud-Technologie setzen. "Der Trend zum Cloud Computing ist ungebrochen, aber die NSA-Affäre hat dem Wachstum einen Dämpfer versetzt", sagt Dieter Kempf, Präsident des IT-Branchenverbands Bitkom.

13 Prozent der deutschen Unternehmen haben konkret geplante Cloud-Projekte infolge der Affäre zurückgestellt, belegt eine aktuelle Bitkom-Studie. Elf Prozent haben demnach sogar bestehende Cloud-Anwendungen stillgelegt.

Die neue Skepsis betrifft zunächst einmal öffentliche Clouds. Bei solchen Systemen beziehen Unternehmen Rechenkapazität, Speicher und ganze Anwendungsprogramme von externen Dienstleistern über das Internet. Viele Unternehmen sind nun in Sorge, sie könnten über die Internetverbindungen ausspioniert oder Cloud-Dienstleister in den USA von der NSA gezwungen werden, ihre Daten herauszugeben.

Bei der Aufdeckung des Skandals war bekannt geworden, dass der Geheimdienst bei Unternehmen wie Google Börsen-Chart zeigen und Microsoft Börsen-Chart zeigen , die auch Cloud-Dienste anbieten, Daten über Privatpersonen und Unternehmen gesammelt hatte.

"Sicherheit mit Cloud-Diensten erhöhen"

Fast jeder zweite Befragte gab in der Studie an, dass seine Einstellung zum Public Cloud Computing dadurch gelitten habe. Auch am Private Cloud Computing ist die Affäre nicht spurlos vorübergegangen. Bei dieser Cloud-Variante arbeiten Unternehmen zwar mit eigenen Rechenzentren, dennoch werden nun Befürchtungen laut, dass auch diese Rechner von außen angegriffen und ausspioniert werden könnten. Immerhin 44 Prozent der Befragten sehen die private Cloud-Variante seit dem Skandal mit mehr Skepsis.

Dabei sind Experten der Ansicht, dass viele Unternehmen ihre IT-Sicherheit mit dem Einsatz von Cloud-Diensten nach wie vor sogar verbessern könnten. "Private Cloud Computing ist nicht weniger sicher als andere organisationsinterne IT-Lösungen", sagt Bitkom-Chef Kempf. "Im Gegenteil, mit Cloud-Diensten können Unternehmen ihr Sicherheitsniveau zu moderaten Kosten signifikant erhöhen." Vor allem viele kleine und mittelständische Unternehmen hätten bei der IT-Sicherheit noch erheblichen Nachholbedarf.

"Der Wandel zur Cloud ist zu bremsen, aber nicht zu stoppen"

Wie lange der NSA-Skandal nachwirkt, dürfte auch davon abhängen, ob und wann der Geheimdienst seine Abhörpraktiken ändert, und wie glaubwürdig ein solcher Sinneswandel aus Sicht der Unternehmen sein kann. Die weltweite Überwachungs- und Spionageaffäre rund um den US- Geheimdienst war im Sommer des vergangenen Jahres ins Rollen gekommen, nachdem der Computerexperte und ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden tausende streng geheimer Dokumenten der NSA veröffentlich hatte.

In den Wochen und Monaten darauf war ans Licht gekommen, dass die NSA schon seit Jahren Privatpersonen und Unternehmen im In- und Ausland sowie zahlreiche Regierungen abgehört und ausspioniert hatte. Bis heute scheint sie nur sehr eingeschränkt bereit zu sein, an der geübten Praxis etwas zu ändern.

Die Branchenbeobachter geben sich dennoch optimistisch, dass die negativen Auswirkungen der Geheimdienstaffäre nur vorübergehend sein werden: "Der Wandel hin zur vermehrten Nutzung von Cloud-Diensten kann durch Ereignisse wie die NSA-Affäre gebremst werden", sagt Bitkom-Chef Kempf. Aber die Studie zeige eben auch: Zu stoppen ist der Siegeszug der Cloud nicht mehr.

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung