Mittwoch, 23. Oktober 2019

Netzwerkausrüster statt Handyhersteller Nokias drittes Leben läuft - 5G-Netze bringen Kurssprung

Hauptquartier von Nokia in Espoo, Finnland

Gestartet ist der finnische Konzern Nokia Börsen-Chart zeigen einst als Holzstoffhersteller, als Handy-Riese rutschte das Unternehmen beinahe in die Pleite. Im dritten Leben als Netzwerkausrüster knüpfen die Finnen nun wieder an verloren geglaubte Erfolgszeiten an - dank der hohen Nachfrage nach neuen, besonders schnellen Mobilfunknetzen. An der Börse legte die Nokia-Aktie kräftig zu.

Der Aufbau der neuen 5G-Mobilfunknetze hat dem finnischen Netzwerkausrüster Nokia ein überraschend starkes zweites Quartal beschert. Der Umsatz wuchs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sieben Prozent auf rund 5,7 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag in Espoo mitteilte. Der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn sprang sogar um 35 Prozent auf 451 Millionen Euro in die Höhe und übertraf damit die Erwartungen auch der optimistischsten Analysten.

An der Börse wurden die Nachrichten des lange Zeit kriselnden Unternehmens mit Begeisterung aufgenommen. Die Nokia-Aktie gewann am Morgen zeitweise fast neun Prozent an Wert und lag zuletzt noch mit 7,47 Prozent im Plus bei 4,979 Euro. Branchenexperte Sandeep Deshpande von der US-Investmentbank JPMorgan sah die Erwartungen in allen Bereichen übertroffen. Er rechnet weiter damit, dass der Kurs der Aktie bis auf 6,50 Euro steigen könnte. Das wäre noch ein Plus von 30 Prozent.

Dabei hat Nokia sein hartes Sparprogramm noch nicht abgeschlossen, das die jährlichen Kosten des Konzerns um 700 Millionen Euro senken soll. Die hohen Kosten für den Umbau zehren derzeit noch weiter an der Bilanz. So steckte das Unternehmen unter dem Strich auch im zweiten Quartal in der Verlustzone. Der Fehlbetrag lag mit 191 Millionen Euro allerdings 30 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor.

Starker Kontrast zum ersten Jahresviertel

Konzernchef Rajeev Suri zeigte sich vom laufenden Geschäft begeistert, warnte jedoch vor einem schwierigen und unsicheren Geschäft in China in der zweiten Jahreshälfte. Dennoch bekräftigte er sein Ziel, in diesem Jahr einen bereinigten Gewinn je Aktie von 25 bis 29 Cent zu erreichen. Im kommenden Jahr soll er auf 37 bis 42 Cent steigen.

Die Entwicklung im zweiten Quartal steht im Kontrast zum ersten Jahresviertel, als Nokia überraschend selbst vor Sondereffekten einen operativen Verlust verkraften musste. Nokia-Chef Suri hatte dies mit einem "wirtschaftlich aggressiven" Verhalten der Wettbewerber in den ersten Phasen des 5G-Aufbaus begründet und eine Verbesserung für den Rest des Jahres in Aussicht gestellt.

Nokia kämpft unter anderem mit dem Konkurrenten Ericsson um Marktanteile im 5G-Geschäft. Alle Anbieter drücken ihre Produkte zu niedrigen Preisen in den Markt in der Hoffnung auf lukrativere Anschlussgeschäfte. Inzwischen habe Nokia 45 Verträge im 5G-Bereich abgeschlossen und neun Netzwerke bereits in Betrieb genommen, berichtete Suri.

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