Donnerstag, 22. August 2019

Startups an die Börse Braucht Deutschland einen Neuen Markt 2.0?

Börse als Geldgeber für junge Unternehmen: "Wenn man sich den Prospekt von Rocket Internet anschaut, dann dürften die Anforderungen zumindest im Entry Standard nicht zu hoch sein"

3. Teil: "Ausländische Investoren lecken sich die Finger nach deutschen Unternehmen"

mm: Kommt da die deutsche Börse nicht etwas spät? Die London Stock Exchange ist mit dem ELITE-Programm, bei dem mögliche IPO-Kandidaten auch in Silicon-Valley-Manier von Fachleuten gecoached werden sollen, mittlerweile europaweit an den Start gegangen. Gehe ich als Unternehmen mit internationalen Ambitionen da nicht lieber in ein internationales Umfeld?

Rittau: Wenn die deutsche Börse da ein Geschäftsmodell sieht, dann werden die das verfolgen. Ein deutscher Zugang zu dem Thema ist gar nicht so schlecht. Es ist prinzipiell gut, wenn Unternehmen eine Auswahl haben.

mm: Und trotzdem ist es so, dass sich selbst erfolgreiche deutsche Startups wie Wooga oder Researchgate ihr Geld in den USA besorgen.

Rittau: Auch bei Rocket sind die großen Aktienpakete ja nicht in Deutschland platziert worden. Die Investoren, die derartige Visionen teilen, sitzen halt nicht unbedingt in Deutschland. Ausländische Investoren lecken sich die Finger nach deutschen Unternehmen, weil die Deutschen den Aufbau von Strukturen beherrschen. Deutsche Unternehmer bauen oft solidere Geschäftsmodelle als die ausländische Konkurrenz. Wir sind nur schlechter im Storytelling.

Hierzulande ist nur die Investorenlandschaft einfach eine andere. Aber wieso sollte dann ein deutsches Börsensegment, das dieselben Investoren anspricht, die Lösung sein?

mm: Aber von Seiten der Start-ups ist der Ruf nach einem eigenen Börsensegment doch nachvollziehbar. Sie bekämen eine Art eigenes Schaufenster, einen eigenen Index. Und sie würden attraktiver für Investoren, weil für die einfach der Exit leichter würde.

Rittau: Ja aber es gibt ja auch bei jungen Unternehmen einen Finanzierungs-Lebenszyklus. Und ich glaube nicht dass irgendeine Firma heutzutage nach zwei Jahren einen Börsengang macht, um sich darüber Wachstumskapital zu besorgen. So etwas werden wir heutzutage nicht mehr sehen. Ein Börsengang braucht eine gewissen Reife.

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