Cheflobbyist Mark MacGann Der Uber-Stratege

Der Fahrdienstvermittler Uber kassiert ein Verbot nach dem anderen - und macht unverdrossen weiter. Offenbar setzt man darauf, die Umstände doch noch zu wenden. Geld für lange Rechtstreitigkeiten ist da - und mit Mark MacGann hat Uber jetzt auch potente Unterstützung.
Mark MacGann: Ubers neuer Mann in Brüssel

Mark MacGann: Ubers neuer Mann in Brüssel

Foto: youtube

Hamburg/Brüssel - Schlagzeilen sind dem Fahrdienstvermittler Uber aktuell sicher, und das ganz ohne große Show. Ob mit Uber-Verboten in diversen europäischen Hauptstädten,juristischen Scharmützeln oder zuletzt, der Ankündigung, das Verbot des Mitfahrangebots einfach zu ignorieren - Uber läuft auf allen Kanälen.

Aber nicht nur dort. Um sich künftig weniger mit rechtlichen Streitigkeiten aufhalten zu müssen, arbeitet der US-Fahrdienst mit Hochdruck daran, sich in Europa und den USA ein deutlich freundlicheres Wettbewerbsumfeld aufzubauen. Und scheut dafür keine Kosten und Mühen.

Neuerdings hilft ihm dabei Mark MacGann, ein in Brüssel extrem gut vernetzter Lobbyist, der in der europäischen Hauptstadt schon seit Jahren die Interessen der Finanz- und Technologie-Industrie vertritt. Über MacGanns Wechsel zu Uber berichtete nun das "Wall Street Journal". 

Wie gut vernetzt, zeigt ein Blick auf MacGanns letzte Arbeitgeber.  Dazu zählen unter anderem der Börsenbetreiber Nyse Euronext , dessen politische Angelegenheiten der Ire mehr als vier Jahre lang verantwortete. Oder auch die Lobby- und PR-Agenturen Brunswick und Weber Shandwick, wo MacGann zuletzt als CEO die Brüssel-Geschäfte führte.

Davor war der Lobbyist Generaldirektor von Digital Europe , der EU-Interessenvertretung der Digitalindustrie, einer Organisation über die Unternehmen wie Apple , Microsoft  oder IBM  Einfluss auf die EU-Gesetzgebung zu nehmen versuchen. Dabei lebte und arbeitete MacGann in New York, Paris, London, Washington und Brüssel.

Ein "echtes Schwergewicht" für Uber

Mark McGann ist "ein echtes Schwergewicht", kommentiert Olivier Hoedeman von der lobbykritischen Nichtregierungsorganisation Corporate Europe Observatory den Wechsel McGanns zu Uber. "Der ist nicht billig." Dass sich Uber McGann geholt habe, zeige nicht nur "den Grad der Ambition" des Fahrdienstbetreibers, glaubt Hoedeman. "Sondern auch welche Menge an Ressourcen Uber bereit ist, in die politische Einflussnahme zu stecken."

Und kaum hat McGann im September seinen neuen Job angetreten, geht es auch schon in die Vollen. Gleich nach dem Urteil in der vergangenen Woche zog es den neuen Chef-Lobbyisten nach Berlin, von wo aus er dann gleich per Twitter für bessere Bedingungen für Startups forderte.

Kurz darauf verbreitete MacGann einen Artikel, dessen Autor der Politik riet, statt mit Hysterie auf Neuerungen zu reagieren, lieber sämtliche wachstumshemmende Hürden für Start-ups  niederzureißen.

Prominente Unterstützung

Verstärkung für Uber in Brüssel dürfte durchaus Sinn machen. Denn Neelie Kroes, die scheidende Digitalkomissarin, auf deren Hilfe Uber sonst immer zählen konnte, wird der nächsten Kommission nämlich wohl nicht mehr angehören.

Auf sie konnte Uber bei seiner Europa-Expansion bislang zählen. Kroos ging sogar soweit, nach einem Verbot Ubers in Brüssel gegen Taxi-Kartelle zu wettern und per Twitter einen eigenen Hashtag #UberIsWelcome  ins Leben zu rufen. Doch nun dürfte Kroos als niederländische EU-Kommissarin wohl von ihrem Kollegen Frans Timmermans beerbt werden, der als Sozialdemokrat womöglich deutlich kritischere Positionen zu Uber vertritt.

Auch in den USA und in Deutschland scheut Uber keine Kosten und Mühen, um sich ins rechte Licht zu setzen. In den USA, wo das Start-up erst kürzlich mit nicht ganz sauberen Geschäftsgebaren gegenüber der Konkurrenz für Aufregung sorgte und Ärger mittlerweile auch von der Fahrerseite  droht, engagierte Uber-CEO Travis Kalanick kürzlich den ehemaligen Obama-Berater und - Kampagnenmanager David Plouffe, um Ubers Sache auch politisch voranzubringen.

In Deutschland - sowie in einer ganzen Reihe anderer europäischer Staaten - hat Uber indes auch keinen Unbekannten für seine Pressearbeit engagiert: Meldet Uber, dass dem Fahrdienst nach dem bunddesweiten Verbot von Uber-Pop die Kunden in Scharen zuströmen , laufen die Fäden dafür bei Burson-Marsteller zusammen, einer der führenden Kommunikationsagenturen der Welt.

Die arbeitet hierzulande seit Jahren nicht nur für Unternehmen wie Lufthansa  oder SAP , sondern bietet ihren Kunden wie Monsanto  oder Facebook  auch nicht immer unumstrittene Dienste  im Bereich Government Relations. Sprich: "Gute Kontakte zu politischen Entscheidern, Vorbereitern und anderen Meinungsbildnern", um "gesellschaftliche Entwicklungen und politische Initiativen rechtzeitig wahrzunehmen, zu analysieren und gemeinsam mit den Kunden zum richtigen Zeitpunkt zu beeinflussen", wie die Agentur ihre Dienste beschreibt.

Wie die gesellschaftlichen Entwicklungen in Sachen Uber weitergehen, bleibt indes abzuwarten. Bis die Taxivereinigung Taxi Deutschland GmbH dem Landgericht Frankfurt gerichtsfeste Beweise dafür vorlegen kann, dass Uber dessen einstweilige Verfügung ignoriert, kann es nach den Worten von dessen Vorsitzendem Dieter Schlenker noch dauern. "Das ist ein zäher Prozess."

So lange fährt Uber weiter - und bearbeitet unterdessen die Politik. Geld genug dafür hat das Startup. Die letzte Geldspritze von Google  , Blackrock und einer ganzen Reihe anderer Kapitalgeber ist erst rund drei Monate her. Und mit 1,2 Milliarden Dollar lassen sich eine Menge MacGanns und Plouffes bezahlen.

Mehr zum Thema: Der Uber-Fall: Chuzpe, viel Kapital und noch mehr Testosteron: Wie Travis Kalanick mit seiner Fahrdienstvermittlung die Welt überrollen will.

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