Samstag, 25. Januar 2020

Neue Top-Level-Domains Millionengefecht um .berlin, .books und Co.

2. Teil: Google und Amazon bringen sich in Stellung

Allerdings ist schwer abschätzbar, wie groß die Zahl der Interessenten tatsächlich ist, die sich hinter den Vorbestellungen verbergen. Bei ".berlin" dürfte ein großer Teil der Bestellungen auf das Konto der Stadtverwaltung selbst gehen. Sie hatte die Bewerbung des Betreibers Dotberlin maßgeblich mit unterstützt. Dotberlin verzeichnet bislang nur eine mäßige Nachfrage nach neuen Hauptstadt-Domains von Seiten der Berliner Unternehmen.

Auch Domain-Anbieter Strato erwartet in absehbarer Zeit keinen Ansturm auf die neuen Adressen: "Wir rechnen zunächst nur mit einem moderaten Zuwachs an .berlin-Domains", sagt Strato-Chef Böing. Schließlich sei die neue Endung bei vielen Berlinern schlicht noch nicht bekannt. "Als erste Metropole weltweit mit einer eigenen Adress-Endung im Web, kann die .berlin nicht von der Bekanntheit anderer profitierten", sagt Böing.

Andere Experten sehen das ähnlich: "Es wird gerade zu Anfang eine wichtige Aufgabe jedes einzelnen Betreibers sein, seine Top-Level-Domain zu bewerben und bekannt zu machen", sagt Tobias Flaitz, Chef der Domain-Handelsplattform Sedo.

Icann vom Andrang überrascht

Bis die neuen Top-Level-Domains flächendeckend online gehen, wird es noch eine Weile dauern. Trotz jahrelanger Vorbereitung wurde die Internetbehörde Icann vom Andrang überrascht. Statt der erwarteten 500 Bewerbungen für neue TLDs gingen mehr als 1900 Wünsche ein. Da die Web-Adressvergabestelle jeden Antrag einzeln prüft, wird sich das Verfahren noch bis ins nächste Jahr hinziehen.

Spannend dürfte es bei jenen Top-Level-Domains werden, für die sich mehrere Unternehmen als Betreiber beworben haben. Denn dann entscheidet die Icann per Auktion, wer den Zuschlag bekommt. Wer am meisten zahlt, geht als Sieger hervor. Für die geschäftsträchtige Endung ".book" zum Beispiel haben sich neun Unternehmen beworben, das Rennen werden am Ende wohl die Internet-Giganten Amazon Börsen-Chart zeigen und Google Börsen-Chart zeigen unter sich ausmachen.

"Man kann bislang nur spekulieren, um welche Summen es dabei am Ende gehen wird", sagt Secura-Chef Oswald. "Es ist aber nicht abwegig, dass der Gewinner mehrere Millionen Dollar hinblättern wird." Es habe schon andere Fälle gegeben, bei denen ein Interessent sein Angebot gegen Zahlung von mehreren Millionen Dollar an einen Mitbewerber zurückgezogen hat.

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