Samstag, 20. Juli 2019

Höhere Preise des Streamingdienstes bremsen Wachstum Netflix dämpft Erwartungen - Disney und Apple greifen an

Netflix: Schauspielerin Lori Loughlin präsentiert die Serie "Fuller House"

Der Streaming-Riese Netflix geht nach einem starken Jahresauftakt von schwächerem Nutzerwachstum aus. Dem weltweit führenden Online-Videodienst, der sich mit Serienhits wie "House of Cards" einen Namen machte und zuletzt auch mit Filmen wie "Bird Box" Erfolge feierte, steht ein verschärfter Konkurrenzkampf bevor.

Neben etablierten Rivalen wie Amazon Börsen-Chart zeigen oder Hulu drängen mit Disney und Apple Börsen-Chart zeigen neue Kontrahenten in den boomenden Markt für Fernsehen im Internet. Just in dieser kritischen Phase hebt Netflix die Preise an - ein riskantes Manöver. Doch bange ist Vorstandschef Reed Hastings nicht.

9,6 Millionen neue Bezahlabos, davon 1,7 Millionen in den USA

Bislang gibt es dafür auch keinen Grund. Im ersten Quartal gewann Netflix unterm Strich 9,6 Millionen neue Bezahlabos hinzu, wie das Unternehmen am Dienstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Insgesamt brachte es Netflix Ende März auf knapp 149 Millionen bezahlte Mitgliedschaften.

Allerdings kamen zuletzt nur noch 1,7 Millionen neue Kunden im wichtigen US-Heimatmarkt hinzu, wo jüngst - wie auch in Deutschland - Preiserhöhungen angekündigt worden waren. Das dürfte das Nutzerwachstum im laufenden Vierteljahr spürbar bremsen.

Aktie unter Druck - Gewinn lag dennoch über Erwartungen

Für dieses Quartal stellte Netflix 5 Millionen neue Mitgliedschaften in Aussicht und enttäuschte damit die Erwartungen der Experten. Bei Anlegern kam das nicht gut an - die Aktie geriet nachbörslich ins Minus.

Allerdings hatte Netflix mit einem Kursplus von rund 34 Prozent seit Jahresbeginn einen guten Lauf, so dass die Marktreaktion zunächst wenig aussagekräftig ist. Auch geschäftlich lief es rund: Netflix steigerte die Erlöse im Auftaktquartal im Jahresvergleich um mehr als 22 Prozent auf 4,5 Milliarden Dollar. Der Gewinn kletterte von 290 Millionen auf 344 Millionen Dollar (305 Mio Euro).

Neue Konkurrenz am Start

Damit wurden die Prognosen der Wall-Street-Analysten bei den Finanzergebnissen klar übertroffen. Dennoch lässt sich nicht ignorieren, dass das Marktumfeld für Netflix ungemütlicher werden dürfte.

Mit Walt Disney Börsen-Chart zeigen und Apple Börsen-Chart zeigen blasen neue - sehr finanzstarke - Rivalen zum Angriff auf den Streaming-Marktführer. Sowohl der Micky-Maus-Konzern aus Hollywood als auch der iPhone-Riese aus dem Silicon Valley stellten jüngst Konkurrenzangebote vor, die keinen Zweifel an großen Ambitionen ließen. Zudem bläst WarnerMedia zur Attacke, das jetzt mit seinem renommierten Bezahlsender HBO ("Game of Thrones") unter dem Konzerndach des Telekom-Imperiums AT&T steht.

Netflix-Chef Hastings ist sich im Klaren darüber, was auf sein Unternehmen zukommt, gibt sich jedoch kämpferisch. Im Brief an die Aktionäre bezeichnete er Apple und Disney als "Weltklasse-Marken", mit denen sich Netflix jedoch gerne messen wolle. Er gehe nicht davon aus, dass die neuen Kontrahenten das Wachstum von Netflix wesentlich beeinträchtigen. "Wir glauben, dass wir alle weiterwachsen werden, da wir mehr in Inhalte investieren und unsere Services verbessern", so Hastings. Der Top-Manager hatte bereits in der Vergangenheit betont, dass der Streaming-Markt groß genug für mehrere Wettbewerber sei.

la/dpa

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