Mittwoch, 13. November 2019

Zinssenkungs-Wettbewerb "Negativzins ist unentbehrlich"

Euro, Schweizer Franken: Die EZB ist seit Jahren im Krisenmodus. Die Schweizer Notenbank kämpft mit Minuszinsen gegen eine zu starke Aufwertung des Schweizer Franken an. Und die Fed senkt auch wieder die Zinsen

Der Zinssenkungs-Wettbewerb ist in vollem Gang, und nicht nur die Schweiz steuert inzwischen auf Minuszinsen für Sparer zu. Weitere Zinssenkungen in wichtigen Währungsräumen wie Euroland und den USA könnten die Schweizerische Nationalbank (SNB), die den Leitzins bereits um 0,75 Prozent in den Negativbereich gedrückt hat, erneut in Zugzwang bringen. Die Notenbank legt Wert darauf, dass die Zinsen in der Schweiz stets ein Stück tiefer sind als im Ausland.

Das Mittel des Negativzinses sei daher unentbehrlich für die Notenbank - ebenso wie Eingriffe am Devisenmarkt, um den Franken zu schwächen. "Mit dem Negativzins stellen wir sicher, dass die traditionelle Zinsdifferenz gegenüber dem Ausland nicht zu stark erodiert", sagte SNB-Präsident Thomas Jordan am Donnerstag bei einer Veranstaltung in Bern. "Eine weitere Verengung der Zinsdifferenz würde den Aufwertungsdruck auf den Franken erhöhen, was zu tieferem Wirtschaftswachstum und steigender Arbeitslosigkeit führen würde."

Die Zinsdifferenz hat sich in den vergangenen Monaten bereits verringert: So senkte am Mittwoch die US-Notenbank Federal Reserve ihren geldpolitischen Schlüsselsatz um einen weiteren Viertelpunkt auf nunmehr 1,5 bis 1,75 Prozent. US-Präsident Donald Trump hält dieses Niveau immer noch für viel zu hoch und forderte gar, dass die Fed das Zinsniveau in den USA ebenso wie die Schweiz in den Negativbereich drücken müsse.

Minus 0,75 Prozent nicht genug: Notenbank behält sich weitere Zinssenkung vor

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte zuletzt Mitte September ihren Einlagesatz um einen Tick auf minus 0,5 Prozent gesenkt. Banken müssen damit höhere Strafzinsen bezahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Den Leitzins beließ die EZB unverändert bei null. In der Schweiz liegen beide Sätze seit knapp fünf Jahren bei minus 0,75 Prozent. Eine weitere Zinssenkung hatte die SNB zuletzt nicht ausgeschlossen. Die nächste reguläre Zinssitzung ist am 12. Dezember.

Mit den Negativzinsen will die SNB den Franken für internationale Investoren unattraktiv machen. Denn er gilt als "sicherer Hafen" und ist daher in turbulenten Zeiten gefragt. Um die Landeswährung zu schwächen und die exportorientierte Schweizer Wirtschaft zu stützen, greift die SNB zudem bei Bedarf am Devisenmarkt ein.

Beide Maßnahmen seien "weiterhin unentbehrlich", sagte Jordan. Der Franken hatte sich in den vergangenen Wochen etwas abgeschwächt - auch deshalb, weil ein unkontrollierter Austritt Großbritanniens aus der Euro-Zone zunehmend unwahrscheinlicher wurde. Am Donnerstag kostete ein Euro 1,1010 Franken.

Ein Ende der Negativzinsen ist für die SNB derzeit nicht absehbar. Er könne keine Prognose dazu abgeben, erklärte Jordan. "Ich kann Ihnen nur sagen, dass der Zeitpunkt wesentlich vom Verlauf der globalen Konjunktur und der Entwicklung der internationalen Finanzmärkte abhängen wird", sagte er vor Pensionskassen-Vertretern. Versicherungen und Pensionskassen machen die niedrigen Zinsen besonders zu schaffen, weil es ihnen angesichts geringerer Anlageerträge schwerer fällt, die versprochenen Leistungen für die Versicherten zu erwirtschaften.

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